Was machten die Deutschen?

Die Schützin Barbara Engleder schoss mit einem Kleinkalibergewehr Gold im Dreistellungskampf heraus. Allerdings nicht für den DOSB oder uns alle. "I brauch heut Abend noch a Weißbier", sagte sie in breitestem Dialekt zur ersten Medaille bei ihrer vierten Olympiateilnahme. "I hob des nit nur für Deutschland gmacht, sondern erst recht für Bayern!" Auch Sportdirektor Heiner Gabelmann war begeistert: "Ich denke, heute Abend wird richtig bayerisch gefeiert." Dank Engleder zog der Freistaat im Medaillenspiegel mit dem Kosovo, Rumänien, den Unabhängigen Athleten und den Fidschi-Inseln gleich.

Aber auch deutsche Bogenschützinnen trafen. Lisa Unruh. Nur die Südkoreanerin Chang traf die 12,2 Zentimeter große Scheibe aus 70 Metern Entfernung mit dem Sportbogen besser. Der eigentliche Hit an Unruhs Silbermedaille: eine Hutmode, die vom Hinsehen auch nicht modischer wurde. Trotz dieser hofft Unruh, "dass jetzt viele Kinder mit dem Bogenschießen anfangen". Na dann, liebe Eltern.

Während die deutschen Ruderer im Doppelzweier ihre Finals verpassten, aber in den B-Finals mit Rang 7 (Marie-Cathérine Arnold/Mareike Adams) respektive 8 (Marcel Hacker/Stephan Krüger) etwas für unseren alternativen Medaillenspiegel taten, ruderten die Doppelvierer jeweils zu Gold: Die Männer, das waren Philipp Wende, Lauritz Schoof, Karl Schulze und Schlagmann Hans Gruhne, wiederholten ihren Triumph der Spiele von London. Annekatrin Thiele, Carina Bär, Julia Lier und Lisa Schmidla lagen als favorisiertes Boot lange hinter Polen. Dann entschied sich Schlagfrau Schmidla gegen ein erneutes Silber und erhöhte einfach die Frequenz. So ließ sich bereits am frühen Abend konstatieren, dass die Deutschen in der Nacht zum Freitag Schwung holten – vergoldet im Reiten, Schießen und Rudern, als wären es Karl-May-Festspiele; zudem Bronze im Judo. Warum bitte ist Pierre Brice nicht mehr geschwommen?

Und jenseits der Medaillenentscheidungen?

… hob sich Angelique Kerber ihren starken Auftritt gegen die Britin Johanna Konta nach Regen am Vortag eben für den Donnerstag auf. Mit 6:1 und 6:2 zog Kerber bequem ins Tennishalbfinale ein – als erste Deutsche seit Steffi Graf 1992. Für Laura Siegemund war im Viertelfinale gegen die Puertoricanerin Mónica Puig Schluss (1:6, 1:6).

… verlor Deutschland erstmals gegen Brasilien. Um dem nervösen Zittern Oliver Kahns zuvorzukommen: Es geht um Handball. Die deutschen Europameister verloren ihr Gruppenspiel mit 30:33. Herausragend: Brasiliens Torhüter Maik Dos Santos. Zur Krönung einer Reihe enormer Paraden hielt er seinen Kopf so in einen Siebenmeter Uwe Gensheimers, dass der Kapitän die Rote Karte sah. Deutschland braucht nun einen Sieg gegen Slowenien oder Ägypten für das Viertelfinale. Das sollte klappen.

… litt man mit Schwimmer Philip Heintz. Im Finale über 200 Meter Lagen schwamm der Heidelberger einen neuen deutschen Rekord und war untröstlich: 42 Hundertstelsekunden fehlten zur Medaille. Bei den ersten Interviewantworten hatte Heintz immer noch Wasser in den Augen.

Was war sonst wichtig?

Tränen ereilten auch Michael Phelps. Olympiamedaille Nummer 22 hinderte den erfolgreichsten Olympioniken aller Zeiten nicht an der Rührung, nachdem er zum vierten Mal in Serie Gold über die 200 Meter Lagen gewonnen hatte.

Die Fort Copacabana schaffte es gar, diese Laune nochmal zu steigern, als Simone Manuel (USA) und Penny Oleksiak (Kanada) im Finale über 100 Meter Freistil exakt zeitgleich bei 52,70 Sekunden anschlugen und der Gastgeber eine zweite Goldmedaille bestellen musste.

Vladimir Samsonov hingegen, Elder Statesmen des Tischtennis und letzter verbliebener Europäer im Turnier, blieb eine Medaille versagt. Der Belarusse, der zuvor den Deutschen Dimitrij Ovtcharov rausgeworfen hatte, unterlag Jun Mizutani aus Japan. Im Finale dann die Sensation: Es trafen sich zwei Chinesen. Ma Long, Weltmeister, World-Cup-Sieger, Weltranglistenerster, Olympiadebütant (!) und nun auch -sieger im Einzel dürfte sich mit seinem glatten Sieg über Zhang Jike das Schweigen der Kritiker erspielt haben, die ihm Versagen in großen Spielen vorgeworfen hatten.

Ob die Turnerin Simone Biles wiederum Kritik kennt, wissen wir nicht. Wohl aber, dass die US-Amerikanerin weiter sammelt, was wir nicht haben: Zu ihrem Millionärsvater, ihrer Power, Samuel L. Jacksons Achtung und einer Goldmedaille im Teamwettbewerb kam am Donnerstag Mehrkampfgold hinzu. Drei Goldchancen und weitere gut 15 Jahre Karriere bleiben ihr.

Auch die erste Olympiamedaille der Fidschi-Inseln, unsere drolligen kleinen Fußball-Nichtsnutze, wurde gleich eine goldene: Im Rugby, dem Kryptonit aller Greenkeeper und Orthopäden, wurde die Auswahl Großbritanniens beim 7:43 von ihnen förmlich überrannt.

Großbritannien konnte sich aber nebenan beim Radsport rehabilitieren. Die 42,44 Sekunden Teamsprint der Herren reichten zum Olympiasieg vor Weltmeister Neuseeland und zum neuen olympischen Rekord.

Der gelang, weitaus entspannter, auch einem anderen Briten. Der Golfer Justin Rose schlug das erste sogenannte Hole-in-one der olympischen Geschichte. Mit einem Schlag (geplant waren drei) versenkte Rose den Ball über 175 Meter hinweg im vierten Loch.

Wer gewann Gold?

    •    Bogenschießen, Einzel der Frauen: Chang Heyjin (Südkorea)
    •    Kanu-Slalom, Kajak-Einer der Frauen: Maialen Chourraut (Spanien), Kanadier-Zweier der Männer: Skantar/Skantar (Slowakei)
    •    Radsport, Einzelzeitfahren der Frauen: Kristin Armstrong (USA), Teamsprint der Männer: Hindes/Kenny/Skinner (Großbritannien)
    •    Fechten, Degen Mannschaft der Frauen: Gherman/Pop/Popescu (Rumänien)
    •    Rudern, Doppelzweier der Frauen: Fularczyk-Kozlowska/Madaj (Polen), Doppelvierer der Frauen: Thiele/Bär/Lier/Schmidla (Deutschland), Doppelzweier der Männer: Sinković/Sinković (Kroatien), Doppelvierer der Männer: Wendel/Schoof/Schulze/Gruhne (Deutschland), Zweier ohne Steuermann der Männer: Murray/Bond (Neuseeland), Leichtgewichts-Vierer ohne Steuermann der Männer: Tramer/Schuerch, Siepmann, Gyr (Schweiz)
    •    Judo, Männer bis 100 Kilo: Lukáš Krpálek (Tschechien), Frauen bis 78 Kilo: Kayla Harrison (USA)
    •    Schwimmen, 200 Meter Brust der Frauen: Rie Kaneto (Japan), 200 Meter Rücken der Männer: Ryan Murphy (USA), 200 Meter Lagen der Männer: Michael Phelps (USA), 100 Meter Freistil der Frauen: Simone Manuel (USA) und Penny Oleksiak (CAN)
    •    Rugby, 7er der Männer: Fidschi
    •    Turnen, Mehrkampf der Frauen: Simone Biles (USA)
    •    Tischtennis, Einzel der Männer: Ma Long (China), Einzel der Frauen: Ding Ning (China)
    •    Schießen, Sportgewehr der Frauen: Barbara Engleder (Deutschland)

Olympische Spiele in 360