Als es anfängt mit dem Schluss, trommelt Regen auf das Kunststoffdach von Maracanã, und in den Gängen des Stadions steht das Wasser zentimeterhoch. Ein symbolträchtiges Ende für diese Spiele, die am Vorabend an gleicher Stelle bei der Goldmedaille für Brasiliens Fußballer einen ihrer wenigen wirklich ekstatischen Momente erlebten. Nun klaffen in den Zuschauerreihen der Riesenschüssel wieder etliche Lücken; die Cariocas werden mit Olympia als Liveerlebnis einfach nicht richtig warm – bei Ticketpreisen für diesen Abend bis 820 Euro nicht unverständlich.

Es ist ein wilder Trip durch die brasilianische Kulturgeschichte, bei dem ein indianischer Kinderchor auf Höhlenmalerei und verschiedene Formen von Ausdruckstanz trifft; der innere Zusammenhang erschließt sich selbst nach Lektüre der 40-seitigen Erläuterung nur ansatzweise. Der Soundtrack wummert aber gewaltig und versetzt zumindest die Athleten in ihren Regenponchos in Partylaune.

"Durch die Verbindung des Sports mit Kultur und Bildung sucht der Olympismus, einen Lebensstil zu schaffen, der auf der Freude an Leistung, auf dem erzieherischen Wert des guten Beispiels, der gesellschaftlichen Verantwortlichkeit sowie auf der Achtung universell gültiger fundamentaler moralischer Prinzipien aufbaut", heißt es in der Olympischen Charta, so etwas wie die Bibel der Spiele.

Ziel dieser sehr irdischen Religion ist es, "den Sport in den Dienst der harmonischen Entwicklung der Menschheit zu stellen, um eine friedliche Gesellschaft zu fördern, die der Wahrung der Menschenwürde verpflichtet ist." Große Worte. Kann so etwas überhaupt gelingen, in Rio oder irgendwo?

Die in der Antike übliche Waffenruhe während der Spiele hat die Welt 2016 natürlich nicht eingehalten, nicht mal in Rio. Aber Olympia zwischen Zuckerhut und Corcovado hat nach einem titanischen Schlussspurt in den Monaten vor der Eröffnungsfeier weitgehend reibungslos funktioniert. Nun sind Rios Kassen und die seines olympischen Organisationskomitees so leer, dass schon Gerüchte von einem Zusammenstreichen der Paralympics die Runde machen.

Vielleicht ist es das, was an diesen Spielen am meisten frustriert: Die Stadt, das ganze Land hat sich am oberen Rand seiner Möglichkeiten bewegt, mitunter darüber hinaus. Aber das Ergebnis beflügelt niemanden so richtig.

Die Armen sind von der Party ausgeschlossen

Sicher, der Olympic Boulevard am Hafen hat aus einer Industriebrache ein Vorzeigeviertel gemacht; bei den abendlichen Konzerten vor dem spektakulären Museu do Amanhã, dem Museum von morgen, tanzten Zehntausende auf der Praça Mauá.

Aber unter dem immensen Zeitdruck (von der Wahl zur Olympiastadt bis zur Eröffnung sind es nur sieben Jahre) ist viel Provisorisches und Pfusch entstanden, mancher Neubau bröckelt schon jetzt vor sich hin. Und die vom IOC-Präsidenten so gelobten neuen Straßen und die U-Bahn kommen vor allem der weißen Mittelschicht in ihrem Betonparadies Barra da Tijuca zugute. In der Favela direkt neben dem Maracanã fällt während der Schlussfeier der Strom aus; die Armen sind selbst beim Fernsehen von der Party ausgeschlossen.