Schunkeln auf dem Podest war keine gute Idee: Nach seinem umstrittenen Auftritt bei der Diskus-Siegerehrung am Samstag hat sich Olympiasieger Christoph Harting für sein Verhalten entschuldigt. "Ich möchte allen Leuten, die sich auf den Schlips getreten fühlen, den Zuschauern, die zu Hause geklatscht und mitgefiebert haben, bei denen möchte ich mich entschuldigen." Er habe den Erfolg in dem Moment nicht verarbeiten können, sagte der 26-Jährige später im Deutschen Haus in Rio de Janeiro.

Als bei der Siegerehrung die Nationalhymne erklang, verschränkte der Bruder von Robert Harting, dem Diskus-Olympiasiger von 2012, auf dem Podest die Arme, schunkelte und alberte herum. Für sein Verhalten wurde er später von der deutschen Teamführung gerügt. Auch in den sozialen Netzwerken bekam der Berliner viel Kritik. Sebastian Beyer, früherer Halleneuropameister und Freilufteuropameister im Weitsprung, schrieb zum Beispiel auf seiner Facebook-Seite: "Gold im Diskus ist echt super geil!!! Aber für dieses Verhalten schäme ich mich in Deutschland vor dem TV!"

Auch Hartings Trainer Torsten Lönnfors zeigte sich entsetzt. "Keine Ahnung, was das sollte, ich verstehe es nicht. Christoph muss aufpassen, dass er jetzt nicht freidreht", sagte er der Bild-Zeitung. Sein Kollege, der Schnellfeuerpistolen-Bundestrainer Detlef Glenz, hatte ebenfalls kein Verständnis für die Respektlosigkeit. "Es ist ein absolutes No-Go, das geht gar nicht".

Harting selbst versuchte sein Verhalten so zu erklären: Die Siegerehrung sei für ihn natürlich völlig ungewohnt gewesen. "Das erste Mal wurde die Nationalhymne nur für mich gespielt. Egal, wie man versucht, sich das vorzustellen – man ist darauf nicht vorbereitet und so überwältigt von allen Gefühlen", sagte er. Den "Flow" aus dem Wettkampf habe er noch so lange gespürt, dass er versucht habe, "auf die Nationalhymne zu tanzen. Das war nicht wirklich toll. Muss man sagen. Das ist natürlich völlig falsch angekommen. Das war in keiner Weise Missachtung. Ich wollte es genießen, auf meine Weise."