Auf wen sind alle anderen neidisch?

Natürlich auf Silvia Neid, die deutsche Bundestrainerin der Frauenfußballmannschaft. Die Welt- und Europameisterin krönte ihre Karriere zum Abschied aus dem DFB-Team mit dem langersehnten Olympiagold, 2:1 wurde Schweden geschlagen. Vielleicht lag es auch an dem Motivationsfax von Goldexperte (allerdings nur bei Luxusuhren) Karl-Heinz Rummenigge, das das Team vor dem Finale erhielt. Davon hatte das ZDF während der Übertragung berichtet.

Frauenfußball, das sei ein anderer Sport und sicher kein Fußball, sagen ja manch altbackene Fußballpuritaner, die Frauen lieber mit Pompons am Spielfeldrand tanzen als mit einem Ball am Fuß sehen wollen. Vielleicht fühlten sie sich sogar wieder bestätigt: Nach Fußball sah es manchmal nicht aus, Torschüsse missglückten im Minutentakt, ein krudes Eigentor der Schwedinnen brachte Deutschland zwischenzeitlich mit 2:0 in Führung. Es war mehr Schienbein- als Fußball. Aber: Es gab viele Chancen, die Frauen kämpften um jeden Zentimeter, und das alles ohne Allüren und Verletzungstheatralik. Dazu war es auch noch spannend. Auch das Schienbeinspiel kann richtig gut unterhalten, nicht selten sogar viel mehr als so manch langweiliger Testosteronkick.

Wie lief es sonst für Deutschland?

Eher mittelmäßig. Das Drama, eigentlich Paradedisziplin des Schiller- und Goethe-Landes, lag den deutschen Athleten an diesem Abend nicht. Die Handball-Herren unterlagen Frankreich 28:29, wenige Sekunden vor Schluss fiel der Siegtreffer für die Franzosen, die gegen mutige Bad Boys beinahe den Sieg verschenkt hätten.

Die Springreiter scheiterten ebenso an der Konkurrenz und ihren reitbaren Untersätzen wie die Fünfkämpferin Lena Schöneborn. Sie hatte ihre Medaillenchancen verloren, weil ihr zugelostes Pferd, Legende, legendär schlecht sprang und mehrfach vor Hindernissen verweigerte.

Bronze sicherten sich die Hockey-Frauen im Duell mit Neuseeland. Der Boxer Artem Harutiunian verlor sein Halbfinale, durfte aber als Dritter auf das Podest steigen.

Wen wollte man auch drücken und trösten?

Australiens komplettes Basketball-Team und jeden australischen Fan in der Halle. Denn die Aussies spielten gegen Serbien so, als ob ihnen eine wild gewordene Horde US-Schwimmer das u und das e aus dem Spitznamen geraubt hätte. 61 zu 87 verloren sie das Spiel, in das sie eigentlich als Favorit gegangen waren. Nach 20 Minuten hatten sie aber nicht mal 20 Punkte geholt. Blamabel, auch im Basketball war Australien down under angekommen. Serbien darf dagegen hochverdient im Finale gegen die USA antreten. Die NBA-Auswahl schlug Spanien 82:76. Trotz des "Gasolitzkis" Pau Gasol, dem 23 Punkte gelangen.

Was machten die Leichtathleten?

Die liefen vor allem in den Staffeln. Die wichtigste Nachricht: Der Hattrick für Usain Bolt ist perfekt, auch die jamaikanische Männer-Staffel über 4 mal 100 Meter holte Gold. Insgesamt ist es Bolts neunte Goldmedaille. Die größte Sensation dahinter: das japanische Quartett, das führend auf die letzten 100 Meter ging, und letztlich hinter Bolt Silber holte. Nur Dritter, und das knapp, wurden die USA. Vielleicht weil dem erfahrenen Tyson Gay ein Goldkettchen zu viel um den Hals hing. Allerdings wurden die US-Amerikaner nachträglich wegen eines Wechselvergehens disqualifiziert und verloren ihre Medaille an Kanada.

Bei den Frauen verpassten die deutschen Frauen Edelmetall als Vierte knapp. Den Sieg sicherten sich die USA, vor Jamaika, das über die Sprintdistanzen die erste und einzige Niederlage einstecken musste. Pikant: Die US-Amerikanerinnen kamen erst nach erfolgreichem Protest ins Finale.

Fazit der Deutschen: Da es im Stabhochsprung nicht klappte, bleibt es bei zwei mickrigen Medaillen in den Leichtathletik-Wettbewerben.

Wer war der geheime Held des Tages?

Ein Geher, der Franzose Yohann Diniz, der gleichzeitig der Pechvogel des Tages war. Geher haben es ohnehin nicht einfach. Nicht wenige machen sich über den Sport aus der Leichtathletik lustig, sie finden den Gehstil zu ulkig, um ihn ernst nehmen zu können. Tatsächlich ähneln Geher ein bisschen Enten, denen man Stelzen unter die Patschefüßchen geschnallt hat. Diniz hatte aber ein ganz anderes Problem als das seltsame Wackeln seines Hinterteils. Er litt plötzlich, weit in Führung liegend, unter Durchfall. Seine Ausscheidungen flossen ihm mitten im Wettkampf aus der kurzen Sporthose, auch Blut soll darunter gewesen sein. Aufgeben wollte der 38-Jährige nicht. Mit Schwämmen reinigte er seine Schenkel. Selbst als er einen Schwächeanfall erlitt, stand er wieder auf und ging weiter. Am Ende kam zwar keine Medaille mehr raus, aber der Goldfavorit schaffte es ins Ziel. Als Achter. Dafür mehr als eine Hosevoll Respekt!

Wer hat Gold geholt?

Fußball, Frauen: Deutschland
Moderner Fünfkampf: Chloe Esposito (Australien)
Radsport, Frauen, BMX: Mariana Pajón (Kolumbien); Männer, BMX: Connor Fields (USA)
Reiten, Springreiten, Einzel: Nick Skelton (Großbritannien)
Synchronschwimmen, Gruppe, Freie Kür: Russland
Ringen, Männer, bis 75 Kilogramm: Hassan Aliazam Yazdanicharati (Iran)
Hockey, Frauen: Großbritannien
Ringen, Männer, bis 57 Kilogramm: Wladimer Chintschegaschwili (Georgien)
Wasserball, Frauen: USA
Gehen, Frauen, 20 Kilometer: Hong Liu (China); Männer, 50 Kilometer: Matej Tóth (Slowakei)
Boxen, Frauen, bis 60 Kilogramm: Estelle Mossely (Frankreich)
Badminton, Männer, Doppel: Haifeng Fu/Nan Zhang (China); Frauen, Einzel: Carolina Marín (Spanien)
Leichtathletik, Frauen, Stabhochsprung: Ekaterini Stefanidi (Griechenland); Männer, Hammerwurf: Dilschod Nasarow (Tadschikistan); Frauen, 5.000 Meter, Vivian Jepkemoi Cheruiyot (Kenia); Frauen, 4 mal 100 Meter: USA; Männer, 4 mal 100 Meter: Jamaika
Taekwondo, Frauen, bis 67 Kilogramm: Oh Hye Ri (Südkorea); Männer, bis 80 Kilogramm: Cheick Sallah Junior Cissé (Elfenbeinküste)