Olympia ist schweineteuer, die Russen dopen und die ärmsten Bewohner Rio de Janeiros werden aus ihren Häusern vertrieben. Doch es gibt auch die guten Geschichten, die der Sportler. Sie zeigen, warum die Olympischen Spiele mehr als nur ein Sportfest sind.

Lohaynny Vicente, Brasilien, Badminton

Olympische Spiele lenken den Blick für einige Wochen auf das Gastgeberland. In Rio de Janeiro wird es auch um politische Fragen gehen, um den kaputten Staat und die gefährlichen Favelas. Von dort kommen die Schwestern Lohaynny und Luana Vicente, zwei Badminton-Spielerinnen. Lohayanny wird bei den Spielen die erste brasilianische Badmintonspielerin sein, die an Olympia teilnimmt. 

Sie haben sich aus den Favelas herausgespielt. Als Lohayanny vier und Luana sechs Jahre alt war, fand die Polizei ihren Vater tot auf. Er wurde erschossen, als einer der führenden Mitglieder einer Drogengang. "Wir mussten oft umziehen, weil es nicht sicher war, am selben Ort zu bleiben", sagte Luana dem Guardian. Waffen haben sie zwar nie gesehen, weil ihr Vater nicht wollte, dass sie mit dem Geschäft in Berührung kamen. "Wir hatten aber keine gesunde Kindheit."

Rios Favelas sind berüchtigt und gefährlich, aber auch Orte des bunten Lebens. Fast jeder dritte Bewohner von Rio lebt in einer Favela. Einer der attraktivsten Jobs, wenn man dort aufwächst: Drogendealer. Lohaynny und Luana folgten aber nicht ihrem Vater. Sie begannen, Badminton zu spielen. Zweimal täglich. Nachdem der Vater erschossen wurde, zogen sie mit der Mutter weg. "Wenn ich nicht mit dem Badminton angefangen hätte, ich weiß nicht, was sonst aus mir geworden wäre", sagt Lohayanny.

Sie begannen, im Doppel und im Einzel zu gewinnen, schlossen Sponsorenverträge ab und wurden nach der Silbermedaille bei den Panamerika-Spielen 2015 mit den Williams-Schwestern aus dem Tennis verglichen. "Ich mag den Vergleich", sagt Lohayanny. Sie hat sich für Olympia qualifiziert, ihrer Schwester Luana gelang das nicht. Doch sie wollen beide eine Inspiration für die Kinder der Favela sein. Ihr erstes Trainingszentrum, die Miratus-Badminton-Schule in der Favela Chacrinha, wurde 1998 gegründet. Mittlerweile trainieren dort 200 Jugendliche täglich. Badminton ist in den Favelas angekommen. Und er kann den Ärmsten helfen, rauszukommen.

Michael Phelps, Schwimmen, USA
Die Chroniken Olympischer Spiele sind voll mit Geschichten großer, gescheiterter oder auferstandener Sportler. Die größte Heldenreise hat der Schwimmer Michael Phelps hinter sich. Der US-Amerikaner ist der erfolgreichste Olympionik aller Zeiten, gewann achtzehn Mal Gold, zwei Mal Silber und zwei Mal Bronze. Seit er 2004 in Athen zum ersten Mal in ein olympisches Becken gesprungen ist, kletterte er fast immer als Sieger wieder hinaus. In Peking 2008 trat er acht Mal an und gewann acht Mal.

Auch in Rio wird er wieder mit seinen Armen, ausgespannt über zwei Meter breit, rudern, als wollte er zu einem Jungfernflug abheben. Er wird starten, gleiten, prusten und gewinnen, doch etwas wird nach den Rennen anders sein: Es wird in den Interviews auch um seine Jahre zwischen 2012 und 2016 gehen.

Phelps hatte seine Karriere nach den Spielen in London beendet, wusste aber nicht, welche Aufgabe das Leben für ihn bereithielt. Er war ja immer nur Schwimmer gewesen, sonst nichts. Er begann, auf Pferderennen zu zocken, zu feiern und zu trinken und im September 2014 hielt ihn die Polizei mit 1,4 Promille und 63 Stundenkilometern zu schnell an. Phelps ließ sich in eine Entzugsklinik in die Wüste einweisen und wollte sich umbringen. Der Sportheld war an der Realität gescheitert.

Nach dem Klinikaufenthalt begann er wieder mit dem, was er immer gemacht hatte: Er schwamm Bahnen. Und damit zurück ins Leben. Sein alter Trainer Bob Bowman bereitete ihn auf seinen letzten großen Auftritt vor. Im Mai brachte seine Verlobte Nicole Johnson ihr gemeinsames Kind auf die Welt. Der Held gewann, der Held fiel und er kommt wieder zurück. Seine Landsleute sind vernarrt in diese Geschichten. Und nicht nur sie.

Rio - Das ist das Flüchtlingsteam von Olympia Zum ersten Mal tritt bei den Olympischen Spielen ein Team von Flüchtlingen an. Sie wollen ein Zeichen für die weltweite Flüchtlingskrise setzen. Wir stellen die Sportler vor. © Foto: GettyImages