Für die Doping-Proben der Paralympics in Sotschi 2014 gab es zwei Räume: einen für die Russen, den anderen für den Rest. Aus welchem Grund war den anderen eigentlich schon damals klar: Bei den Russen sollte nicht so genau hingeschaut werden.

Inzwischen hat sich ihr Verdacht bestätigt. Auch Russlands paralympischer Sport war in das kriminelle Staatsdoping verwickelt. Der Report der Wada hat bislang 35 vertuschte positive Proben aus Russland ermittelt, man wird weitere finden.

Daher ist die Entscheidung des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC), Russland von den Paralympics in Rio auszuschließen, richtig. Sie ist auch rechtens. Der Internationale Sportgerichtshof CAS hat am Dienstag den Einspruch des Russischen Paralympischen Komitees abgelehnt.

Der CAS und das IPC haben damit das Internationale Olympische Komitee (IOC) blamiert. Dessen Präsident Thomas Bach hatte nicht den Mut, die Betrüger zu bestrafen, vielleicht auch nicht den Willen. Er versteckte sich hinter juristischen Paragrafen und ließ die Russen mitmachen, obwohl ihm die Olympische Charta anderes nahelegte.

Aktive gelten beim IPC mehr als beim IOC

Das IPC ist das bessere IOC. Und der bessere Bach heißt Philip Craven. Der IPC-Präsident aus England stimmte zwar als IOC-Mitglied Bachs Beschluss zu. Doch seine eigenen Wettbewerbe will Craven schützen.

Deutlich wurde Craven auch rhetorisch. Er sprach von "Ekel", einem der "dunkelsten Momente der Sportgeschichte" und verurteilte die "Medaillen-über-Moral-Mentalität" der Russen. Die gewannen in Sotschi 30 Goldmedaillen, mehr als dreimal so viele wie der Zweitbeste, Deutschland.

Cravens Entschlossenheit hat möglicherweise mit dem Druck der englischen Öffentlichkeit zu tun, sicher aber mit den paralympischen Athleten. Die haben sich kritisch über die Verstöße ihrer russischen Konkurrenten geäußert. Das Wort der Aktiven im IPC gilt mehr als im IOC. Im IOC wurde die Deutsche Claudia Bokel, die Russland kritisiert, aus der Athletenkommission gedrängt.

Putin hat weniger Einfluss im Behindertensport

Das IPC konnte auch deswegen gemäß der Fairness und den Regeln im Sport entscheiden, weil Wladimir Putin, der mächtigste Mann im Weltsport, im paralympischen Bereich weniger Einfluss hat. Die Paralympics in Sotschi waren ihm wichtig – vielleicht auch, weil einige der Athleten Veteranen aus dem Tschetschenien-Krieg waren. Vielleicht auch, weil zeitgleich grüne Männchen auf der Krim auftauchten.

Doch der Behindertensport hat in Russland und der Sowjetunion keine Tradition. Im paralympischen Sport hat Putin weniger Verbündete als in den olympischen. Das IPC ist unabhängiger.

Die Leidtragenden sind die russischen Athleten. Wie so oft beim Doping waren nicht oder zumindest nicht unbedingt sie die Täter, sondern Ärzte, Trainer – oder, wie im Fall Russland – auch Politiker und der Geheimdienst. Die Paralympier Russlands tragen nun ein doppeltes Handicap. Cravens aufrechter Entschluss kennt aber auch Sieger: den sauberen Sport, die sauberen Athleten.