Das war's noch nicht. Uli Hoeneß hat es selbst angekündigt. Mit diesen kämpferischen Worten verabschiedete er sich vor zweieinhalb Jahren von den Mitgliedern des FC Bayern, bevor er seine Haft antrat. Schon der Tag, als er seine Strafe akzeptierte, war der erste Schritt zum Comeback. Leute, die ihn kennen, hatten nie ernste Zweifel, denn es ist sein Verein. Der FC Bayern ist der FC Hoeneß.

Der FC Bayern hat auch ohne ihn Titel geholt. Doch er braucht Hoeneß. Die Leute im Verein wissen, es gibt keinen zweiten deutschen Fußballmanager seines Formats. Wenn sich Hoeneß im Herbst zum Präsidenten wählen lassen will, tritt kein Gegenkandidat an. Seine Rückkehr ins Amt ist das Beste, was dem Verein passieren kann. Der FC Bayern hat seine Größe Hoeneß zu verdanken und die Zukunft hängt an ihm, zumindest die nähere.

Man muss mit einem Irrtum aufräumen, um das zu verdeutlichen. Zwar war der FC Bayern ohne den Präsidenten Hoeneß sehr erfolgreich, er wurde seit dessen Haftantritt im Frühjahr 2014 dreimal Meister. Doch gehen diese Titel wesentlich auf Hoeneß' Einfluss zurück. Es war großteils seine Mannschaft und es war sein Trainer, die sie gewannen. Pep Guardiola war Hoeneß' Wahl. Entscheidende Spieler hat Hoeneß geholt oder sie sind unter ihm groß geworden.

Hoeneß wirkt wie ein Choleriker, doch kann er Menschen führen und mit Macht verantwortungsvoll umgehen. Zudem versteht er gleichzeitig etwas von Wirtschaft und Fußball. Seine großen Qualitäten sind seine Intuition und seine Entscheidungsstärke. Für welchen Spieler geben wir Millionen aus, welchen sollten wir abgeben? Hat unser Trainer noch den Rückhalt in der Kabine, welcher Trainer bringt uns weiter? Darauf hat Hoeneß oft die richtige Antwort.

Klingt banal, doch das ist der Kern des Fußballgeschäfts, die hohe Kunst des Managements. Ganz viele scheitern daran. Hoeneß macht zwar auch Fehler, aber insgesamt gelingt ihm der Job seit Jahrzehnten auf sehr hohem Niveau. Ein paar Beispiele: Manuel Neuer hat Hoeneß gegen den Widerstand des damaligen Trainers Louis van Gaal durchgesetzt. Thomas Müller sollte zu Zeiten von Jürgen Klinsmann verkauft werden, Hoeneß hielt ihn. Franck Ribéry und Arjen Robben waren sehr teure Spieler, riskante Transfers. Heute weiß man: Alle Entscheidungen waren vortrefflich.

Der Patriarch, ein Diener des Vereins

Der Patriarch Hoeneß ist ein Diener des Vereins, persönliche Interessen stehen hinten an. Leute, die mit ihm verhandelt haben, sagen Sätze wie: "Spricht man mit Hoeneß, ist das, als würde man mit dem Vereinsbesitzer sprechen." Alles andere als selbstverständlich in dieser Branche, wollen sie damit sagen. Sie sagen auch: "Es gibt keinen Manager in der Bundesliga, der Hoeneß annähernd gewachsen wäre."

Beim FC Bayern, wo viele arbeiten, die ihren Job Hoeneß zu verdanken haben, hat man das nicht vergessen. Der Präsident Karl Hopfner macht selbstverständlich Platz. Matthias Sammer trat zurück. Er merkte offenbar, dass er als Führungskraft nicht gebraucht wird. Auch stachen seine wenigen Transfers nicht. Der Technische Direktor Michael Reschke hat keinen Anspruch auf den Fahrersitz. Bleibt Karl-Heinz Rummenigge, der den Verein aber nicht ohne den Unverzichtbaren führen will und kann.

Wichtige Entscheidungen werden bald anstehen. In den vergangenen zwei Jahren sind welche ohne Hoeneß getroffen worden. Bei den Transfers von Joshua Kimmich, Arturo Vidal, Douglas Costa, Kingsley Coman, Mats Hummels oder der Verpflichtung des Trainers Carlo Ancelotti konnte er allenfalls beraten. Es wird sich zeigen, ob sie lange bleiben und der FC Bayern mit ihnen zu den drei besten Clubs Europas zählen wird. Es gibt Zweifel.

Zweifel werden auch gegen den Präsidenten und Aufsichtsratschef Hoeneß ins Feld geführt, vereinzelt sogar unter den Mitgliedern. Sie sind moralischer Art. Er ist durch sein Gezocke nicht nur seiner Rolle als Führungskraft nicht gerecht geworden. Er hat vor allem ein Verbrechen gegen das Gemeinwohl begangen. Allerdings hat er es verbüßt. Man kann darüber diskutieren, ob zu kurz. Kurios ist auch, dass bald die Aufsichtsräte Hoeneß und Winterkorn die FC Bayern München AG kontrollorieren werden. Jedenfalls gilt aber das Prinzip der Resozialisierung auch für Fußballpräsidenten. Man darf nicht vergessen: Der Mann arbeitet in der Showbranche.

Ohnehin ist das kreative Steuermodell beim FC Bayern eine von vielen Traditionen. Karl-Heinz Rummenigge ist vorbestraft, weil er Luxusuhren nicht verzollte. Franz Beckenbauer musste schon als Spieler Millionen Mark ans Finanzamt zurückzahlen. Selbst Boris Becker durfte in den Verwaltungsbeirat, obwohl er wegen Steuerhinterziehung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde. Nicht die einzigen Beispiele.

Für die Zukunft sollte der FC Bayern einen integreren Weg einschlagen. Wenn nicht alles täuscht, tut er das bereits. Hoeneß, der durch seine Haft etwa drei Jahre Zeit verloren hat, muss einen Nachfolger suchen und einarbeiten, der zeitgemäßeren Ansprüchen genügt. Philipp Lahm gilt als aussichtsreichster Kandidat. Die wichtigste Aufgabe für den 64-jährigen Hoeneß ist es, sein großes Erbe zu übergeben.