Was tat Usain?

Usain gewann über 200 Meter, was sonst. Jedoch nicht in persönlicher Bestzeit und ohne Weltrekord. Eigentlich kein Grund zu Meckern, tat er aber doch ein bisschen. Der nun achtfache Olympiasieger Usain Bolt kam gut aus dem Block, lief die ersten 100 Meter locker runter, dazwischen ein paar verkrampfte Schritte, am Schluss die gewohnt raumgreifenden Schritte. Da müssen andere eine höhere Frequenz laufen. Der Kanadier Andre De Grasse zum Beispiel. Er lief wie eine surrende Nähmaschine zu Silber, tack, tack, tack, jeder Schritt saß. Knapp, aber umso schöner war es beim Franzosen Christophe Lemaitre. Seine Brust verschaffte ihm Bronze, sein größter Erfolg. Er lag mit dem Bauch auf dem Tartan, als er langsam begriff, dass er eine Medaille gewonnen hatte. Ungläubig schlug er seine Hände vors Gesicht, hob die Arme und sendete Küsse ins Publikum. Er rettete die Ehre der europäischen Sprinter.

Was machten die anderen Leichtathleten?

Der Amerikaner Ryan Crouser holte überraschend Gold im Kugelstoßen der Männer. Emotionen sind nicht sein Ding. Brav absolvierte er beim letzten Stoßen seine Kür, reckte die Arme kurz in die Höhe, seine Mundwinkel bewegten sich leicht, aber wirklich nur sehr leicht nach oben. Dann verschwand er von der Bildfläche. "Beschissen", sagte der Kugelstoßer David Storl, deutsche Goldhoffnung, nach Platz sieben. Die Speerwerferin Linda Stahl schickte ihren Würfen ein "Mann" hinterher. Darauf folgte ein "Mannomann". Sie und Christin Hussong schafften’s nicht ins Finale. Bei Christina Obergföll sah es nicht wesentlich besser aus, Platz acht. Die neue Wegwerfgesellschaft ist Kroatien. Sara Kolak schraubte den Speer am weitesten in Rios Nachthimmel, 66,81. Gold.

Der Deutsche Kai Kazmirek belegte Platz vier im Zehnkampf. Gold ging an den Wiederholungstäter Ashton Eaton. Über 400 Meter Hürden lief Dalilah Muhammad flockig als Erste ins Ziel.

Was war der schönste Moment?

Brasiliens Seglerinnen holten am Zuckerhut die Goldmedaille im 49er. Das gab Tränen, Umarmungen im Wasser und Jubelrufe. Am Ende saßen Martine Grael und Kahena Kunze umschlungen auf ihrem umgedrehten Boot. Das Duo war das erste Mal bei Olympia und glitt kurz vor der Segelnation Neuseeland über die Ziellinie.

Wer hatte sonst noch Badelust?

Bronze holten die deutschen Segler Erik Heil und Thomas Plößel im 49er Rennen. Sie feierten mit einem Rückwärtssalto vom Boot und tauchten per Rückwärtssalto ein. Zuvor hatten die Deutschen Max Rendschmidt und Marcus Groß die Goldmedaille im Rennkajak über 1.000 Meter gewonnen. Danach verpassten sie sich eine Ladung Wasser ins Gesicht. Weniger Lust zu Planschen hatten Ronald Rauhe und Tom Liebscher. Im Zweier-Kajak über 200 Meter gab es für die Hoffnungsträger keine Medaille. Grund zur Freude hatten die deutschen Hockeyspieler, die gegen Holland die Bronzemedaille ergatterten. Im Penaltyschießen, da gab es mit den Holländern seit dem Halbfinale der Frauen noch eine offene Rechnung.

Wer sprang elegant ins Wasser?

Die Eleganz hatten die Chinesen für sich gepachtet. Zwei Mal Edelmetall gab es für das chinesische Duo vom Zehnmeterturm. Ren Qian sprang zu Gold. Am spektakulärsten waren ihre Handstandsprünge: Schraube, Schraube und fast kein Spritzer. Dafür gab’s prompt zwei Mal die Höchstnote 10. Damit ist die Fünfzehnjährige die zweitjüngste Olympiasiegerin im Turmspringen. Die zwei Jahre ältere Si Yajie stand mit der Silbermedaille neben ihr auf dem Treppchen.

Wo flossen die Tränen?

In der Ringerhalle und zwar nicht zu knapp. Die Legende Saori Yoshida musste sich im Freistil Bantamgewicht geschlagen geben. Die US-Amerikanerin Helen Maroulis rang ihr nicht nur den Rang, sondern auch etliche Tränen ab. Yoshida konnte gar nicht mehr aufhören zu weinen. Drei Olympische Spiele in Folge hatte sie diese Gewichtsklasse für sich entschieden und jetzt gab’s nur Silber. Tränen der Freude liefen auch über das Gesicht von Risako Kawai: Gold für die japanische Ringerin im Freistil. Vor Freude schmetterte sie ihren Trainer Kazuhito Sakae auf die Matte. Die Goldmedaille im Schwergewicht ging an die Kanadierin Erica Elizabeth Wiebe.

Was gab es für Kuriositäten?

Eine 4x100-Meter-Frauenstaffel durchquerte ohne Konkurrenz das Leichtathletikstadion. Wo ist der Rest geblieben? Den US-Amerikanerinnen wurde der Re-run genehmigt. In der Qualifikation fürs Finale lugte der Ellenbogen einer Brasilianerin während der Übergabe auf die amerikanische Bahn. Aber sowas. Die Olympiasiegerinnen von 2012 schafften die Qualifikation in 41,76 Sekunden, die beste Zeit bisher. Die deutsche Staffel qualifizierte sich ohne fremde Arme.

Wer gewann Gold?

Kanu, 1000 m Kajak Zweier, Männer: Max Rendschmidt, Marcus Gross (Deutschland)
Kanu, 200 m Canadier Einer, Männer: Juri Tscheban(Ukraine)
Kanu, 200 m Kajak Zweier, Männer: Saul Craviotto, Cristian Toro (Spanien)
Kanu, 500 m Kajak Einer, Frauen: Danuta Kozak (Ungarn)
Triathlon, Männer: Alistair Brownlee (Großbritannien)
Badminton, Doppel, Frauen: Misaki Matsutomo, Ayaka Takahashi (Japan)
Segeln, 470er, Frauen: Hannah Mills, Saskia Clark (Großbritannien)
Segeln, 470er, Männer: Sime Fantela, Igor Marenic (Kroatien)
Segeln, 49er, Männer: Peter Burling, Blair Tuke (Neuseeland)
Segeln, 49er FX, Frauen: Martine Grael, Kahena Kunze (Brasilien)
Boxen, Halbschwergewicht, Männer  (bis 81 kg): Julio Cesar La Cruz (Kuba)
Wasserspringen, Turmspringen, Frauen: Qian Ren (China)
Hockey, Männer: (Argentinien)
Ringen, Freistil Bantamgewicht, Frauen  (bis 53 kg): Helen Louise Maroulis (USA)
Ringen, Freistil Mittelgewicht, Frauen  (bis 63 kg): Risako Kawai (Japan)
Ringen, Freistil Schwergewicht, Frauen  (bis 75 kg): Erica Elizabeth Wiebe (Kanada)
Leichtathletik, 400 Meter Hürden, Männer: Kerron Clement (USA)
Leichtathletik, 400 Meter Hürden, Frauen: Dalilah Muhammad (USA)
Leichtathletik, Kugelstoßen, Männer: Ryan Crouser (USA)
Leichtathletik, Speerwurf, Frauen: Sara Kolak (Kroatien)
Leichtathletik, 200 Meter, Männer: Usain Bolt (Jamaika)
Taekwondo, Gewichtsklasse bis 57 kg, Frauen: Jade Jones (Großbritannien)
Taekwondo, Gewichtsklasse bis 68 kg, Männer: Ahmad Abughaush (Jordanien)

Olympische Spiele in 360