Es sprach Franz Beckenbauer im Jahr 2006: "Der Fußball braucht eine generelle Reinigung. Man sollte über die Grenze des Geldverdienens reden. Wenn man merkt, dass jeder die Hand aufhält, dann macht mich das traurig." Amen.

Worüber ist man mehr erstaunt? Über Beckenbauers Scheinheiligkeit oder darüber, dass er sich erwischen ließ? Unser Kaiser, der ewige Sieger, der bislang auch das wahre Spiel im Fußball so gut beherrschte. Das, das nach Abpfiff gespielt wird, dessen wichtigste Regel heißt: Nimm das Geld und renn, aber rette deinen Arsch!

Obwohl er mehr als ein Jahrzehnt lang hoch, heilig und majestätisch schwor, für das Sommermärchen ehrenamtlich tätig gewesen zu sein, hat Beckenbauer 5,5 Millionen Euro kassiert – durch eine bislang unbekannte Nebenvereinbarung mit dem Wettanbieter Oddset. Das hat erneut der Spiegel herausgefunden.

Zwar verteidigen seine Anwälte diese Zahlung mit der Begründung, Beckenbauer habe sie nicht für seine Tätigkeit im WM-OK erhalten, sondern für Werbefilmchen. Doch das ist verlogen. Nur weil Beckenbauer Millionen kriegt, heißt das noch lange nicht, dass er kein Ehrenamtler mehr ist, wollen sie einem erzählen. Natürlich war das Geld ein verkapptes Honorar des DFB an Beckenbauer, Oddset hat schließlich nicht mehr an den DFB gezahlt als alle anderen Sponsoren. Hinzu kommt, dass eine Stellungnahme von Oddset darauf hindeutet, dass Beckenbauer vom DFB nicht aus dem Sponsorenvertrag hätte bezahlt werden dürfen.

Möglich, dass die neuen Beweise juristisch irrelevant sind. Möglich auch, dass die Beckenbauer-Seite recht hat und er seine Einnahmen im Gegensatz zum Vorwurf des Spiegel korrekt versteuerte. Der Ruf und das Denkmal des geschäftstüchtigen Celebritys Beckenbauer, der stets über allen Gesetzen stand, sind jedenfalls weiter beschädigt.

Der Skandal bekommt eine neue Dimension. Beckenbauer und seine Bande standen bislang nur im Verdacht, das Sommermärchen gekauft zu haben. Doch nicht nur weil der letzte Beleg fehlte, kamen sie bei vielen Fans damit durch, auch bei Rudi, Wolfgang, Uwe und den Fußballkameraden. Man ließ es Beckenbauer durchgehen, ihn wieder Bild-Kolumnen schreiben, nach dem Motto: Es musste eben sein, er tat es für sein Land. 

Doch jetzt geht es um anderes, um persönliche finanzielle Vorteile. Dabei hätten Beckenbauer und der DFB mit Verständnis rechnen können, wenn sie ehrlich gewesen wären. Beckenbauer hat den Job als CEO des WM-Organisationskomitees hervorragend gemacht. Er war das Geld wert. Doch angesichts der Heimlichtuerei darf sich Beckenbauer nicht wundern, wenn mancher nun fragt, ob das, was man weiß, alles war.

Der DFB will schon die nächste EM

Was ist zum Beispiel dran an der Story, die jüngst im Schweizer Tagesanzeiger stand? Danach flossen von 2008 bis 2011 Löhne und Boni der Fifa in Höhe von umgerechnet fünf Millionen Franken an ihr Exekutivmitglied Beckenbauer – das ganze über seinen windigen Berater Fedor Radmann, der seiner Bank aber den wahren Empfänger verschwiegen haben soll. Die Schweizer Behörden ermitteln dem Bericht zufolge wegen Urkundenfälschung und Geldwäsche. Und warum lief der dubiose Millionentransfer an Katar, mit dem angeblich der DFB eine Schuld beim ehemaligen Adidas-Boss Robert Louis-Dreyfus begleichen wollte, über ein Konto, das auch auf Beckenbauers Namen lief?

Fragen stellen sich auch an den DFB, den Mitvertuscher. Warum haben Theo Zwanziger, Wolfgang Niersbach und Horst Schmidt nie ein Wort über die Zahlung von Oddset an Beckenbauer verloren? Wieso lief sie über den Verband? Warum wendete sich die Finanzbehörde, die Beckenbauers säumige Steuern eintreiben wollte, an den DFB? Weshalb sind all diese Verträge und Geldtransfers so wahnsinnig verwinkelt und kompliziert?

Und was ist mit der neuen Führung? Es ist ja schön und gut, dass sich Reinhard Grindel von Beckenbauer distanziert. Aber ist es auch hässlich und schlecht, dass sich der DFB für die EM 2024 bewerben will und dafür sogar den suspekten Kandidaten Russlands unterstützt, ohne die Hintergründe und Geldflüsse der letzten WM in Deutschland aufgeklärt zu haben.

Der DFB hat zwar mehr als fünf Millionen Euro für die Untersuchungen der Freshfields-Kanzlei bezahlt. Doch die hat die 5,5-Millionen-Zahlung an Beckenbauer in ihrem Report nicht beanstandet. Der Verband hatte die Kanzlei nicht über die Einwände der Steuerbehörde informiert. Die DFB-Spitze scheint es nicht so genau zu nehmen mit der neuen Transparenz.