Seit wann gibt es die Paralympischen Spiele?

Seit 1948. Damals wurden "Sportspiele für Rollstuhlfahrer" parallel zu den Olympischen Sommerspielen ausgetragen. Es gab einen Wettkampf: Bogenschießen. Ab 1960 starten die gehandicapten Sportler immer einige Wochen nach den Spielen der nichtbehinderten zu ihren Wettbewerben. Vielleicht sollte man die Spiele wieder gleichzeitig stattfinden lassen, große Geschichten erlebt man bei beiden.

Welche Sportarten gibt es?

Da sind zum einen die olympischen Klassiker: Schwimmen, Radfahren und viel Leichtathletik. Dazu kommen Disziplinen, bei denen es scheppert und kracht. Rollstuhlrugby zum Beispiel. Querschnittgelähmte Kanadier erfanden den Sport 1977 und gaben ihm den treffenden Namen Murderball. Wer mal Videos gesehen hat, weiß, dass das nur eine leichte Übertreibung ist. Die Rollifahrer haben großen Spaß an Frontalcrashs. Nicht selten kippt einer um.

Gespielt wird in gemischten Teams viermal acht Minuten auf einem Basketballfeld. Der Ball darf zehn Sekunden lang im Schoß behalten werden, ein Spielzug darf nicht länger als vierzig Sekunden dauern. Wer mit dem Ball in die Torzone des Gegners fährt, macht einen Punkt. Vier Spieler rasen pro Team über das Feld, am besten sind darin die Australier, die US-Amerikaner, die Briten und die Erfinder aus Kanada.

Gemächlicher agieren die Bocciaspieler. Das Wurfspiel mit den Kugeln ist seit 1984 paralympisch. Fußball wird auch gespielt. Goalball klingt nach einer FC-Bayern-Strategie, ist aber ein Spiel für Sehbehinderte. Sie versuchen, Bälle in ein Tor zu werfen, das von drei Spielern bewacht wird. Es ist eine der populärsten paralympischen Sportarten. Neu dabei sind in Rio Triathlon und Kanu.

Sieht man die Athleten öfter?

Ja. Gerade bei den Leichtathleten und den Schützen treten viele in mehrere Disziplinen an. Weitspringer sind auch gute Sprinter und wer aus dem Rolli eine Kugel werfen kann, dem gelingt das auch mit einem Speer. Frühere Schwimmer, wie der deutsche Martin Schulz, gehen nun im Triathlon an den Start. Und die größten Multitalente treten sogar bei Winter- und Sommerspielen an: Die deutsche Andrea Eskau gewann dreimal mit dem Handbike und 2014 in Sotschi Gold im Langlauf und im Biathlon.

Wer sind die Stars?

Der Italiener Alex Zanardi war früher Formel 1-Fahrer, bis er bei einem Rennen seine Beine verlor. Seitdem ist er noch ehrgeiziger, fährt wieder Autorennen, quält sich durch Ironmans und gewinnt mit dem Handbike. Der Ire Jason Smith, der an einem Augendefekt leidet, lief bei der WM 2011 gegen Usain Bolt und gewinnt bei den Paralympics ebenso regelmäßig wie der Jamaikaner bei Olympia. Laut wird es wohl in der Schwimmhalle, wenn der Brasilianer Daniel Dias ins Becken steigt. Er gewann in London bereits sechs Goldmedaillen. 

Auch bei den Deutschen gibt es einige Bekannte: In London vor vier Jahren gewannen 18 deutsche Sportler Goldmedaillen. Für die Spiele in Rio gibt es zwar keine Medaillenziele, aber viele Favoriten. Die beiden bekanntesten sind Markus Rehm und Heinrich Popow, zwei Leichtathleten. Beide holten bereits Gold in London, wollen in ihren Disziplinen, Weitsprung und Sprint, wieder siegen. Auch David Behre gilt als Hoffnung über alle Sprintstrecken, die Weitspringerin Vanessa Low ist Weltrekordhalterin. Und es gibt die Altstars: Daniela Schulte (Schwimmen), Marianne Buggenhagen (Leichtathletik) und Michael Teuber (Bahnradfahren) zählen zu den erfolgreichsten Sportlern aller Zeiten.