Den deutschen Nationaltrainer erreicht man in Ochtrup, in der nordrhein-westfälischen Provinz, sieben Kilometer von der niederländischen Grenze entfernt. Paul Schomann, 65, ist Jugendobmann des SC Arminia Ochtrup. Und er ist der Nationaltrainer der deutschen Futsalmannschaft. Ein freundlicher Mann im Rentenalter, der am Sonntag das deutsche Team bei seinem ersten offiziellen Länderspiel auf das Feld schicken wird. So sieht er aus, der Entwicklungsstand dieses Sports im Land des Weltmeisters.

Am Sonntag und am Dienstag wird das deutsche Team in zwei Freundschaftsspielen gegen England in der Hamburger Inselparkhalle antreten. Die Länderspiele sind der vorläufige Höhepunkt einer noch sehr jungen Geschichte. Für Schomann, seit 2001 DFB-Junioren-Nationaltrainer in wechselnden Altersklassen, ein Meilenstein. Futsal steckt in Deutschland noch in der Entwicklungsphase, nur wenige kennen den Sport.

Futsal ist eine Fußballvariante in der Halle, bei der auf Handballtore mit einem kleineren, schwereren und weniger sprunghaften Ball gespielt wird. In vielen anderen großen Fußballnationen ist der Sport seit Jahrzehnten etabliert. In Brasilien werden die besten Spieler zu Stars oder finden ihren Weg auf den Rasen zum Nationalteam. Ein Sponsor ließ mal für einen Spot den großen Ronaldinho die Moves aus dessen Futsalkindheit nachmachen, das Video wurde ein Internethit. Von Falcão, dem besten Futsalspieler der vergangenen 15 Jahre, gibt es unzählige Videos, in denen er spektakuläre Dinge mit dem kleinen Ball anstellt.

Mats Hummels gilt als großer Fan der Künste von Falcão, regelmäßig unterhält er seine Social-Media-Gemeinde mit den Auftritten des Brasilianers. Das Endspiel um die Futsal-WM 2016 bestritten Russland und Argentinien. Argentinien gewann mit 5:4 vor 8.559 Zuschauern im kolumbianischen Cali, auch Fifa-Präsident Gianni Infantino war da. Und Deutschland, aktueller Fußballweltmeister, hat noch nicht ein offizielles Länderspiel bestritten. Wie ist das möglich?

"Deutschland ist ein Hallenfußballland", sagt Schomann, und erinnert an die Indooranfänge Ende der sechziger Jahre, als Turnhallen gebaut wurden, in die auch der Fußball einzog. Allerdings nur zur Überbrückung der Winterwartezeit. Den Ball von draußen nahm man mit rein und importierte Regeln und Spielweise auf die kleinere Fläche. Futsal, die wesentlich schnellere Variante, kannte kein Mensch.

Erst Anfang des neuen Jahrtausends brachten Studenten der Uni Münster Futsal in deutsche Hallen. 2006 fand in Mülheim an der Ruhr eine erste offizielle Endrunde für Vereinsmannschaften statt, doch der sogenannte DFB-Futsal-Cup hatte zunächst keine wirkliche Aussagekraft, weil einfach zu wenige Mannschaften für einen angemessenen Vergleich zur Verfügung standen. Seit 2014 treten die besten Vertreter aller 21 Landesverbände zu einer Endrunde an, die erste offizielle deutsche Meisterschaft findet seit 2015 statt.

Der Sport unternimmt kleine Schritte, nicht nur auf dem Platz. Der DFB verweigerte sich dem Futsal standhaft. Erst seit 2016 müssen Hallenturniere, die über die Verbände organisiert werden, in der Futsalvariante und nicht mehr als Hallenfußball ausgetragen werden. Das wiederum verärgerte einige veranstaltende Vereine und Verbände, schließlich benötigt es für Futsal kleinere Tore, andere Bälle und zwei Schiedsrichter. Der DFB fand eine Lösung: Privat ausgetragene Turniere dürfen weiterhin als klassischer Hallenfußball ausgetragen werden.