Wenn am Wochenende in Saarbrücken die Bitburger Open zu Ende gehen, steht dem deutschen Badminton ein tiefer Einschnitt bevor. Einige der wichtigsten deutschen Spieler werden zum letzten Mal am Netz stehen. Spieler, die im von Asiaten dominierten Badminton Erfolge feierten, wie Birgit Michels und Michael Fuchs, die bei den Olympischen Spielen 2012 den fünften Rang im Mixed-Doppel holten. Auch Johannes Schöttler und Karin Schnaase werden aufhören. 

Es geht eine ganze Generation, deren Ära mit dem U19-Europameistertitel im Mixed-Doppel für Birgit Michels und Marc Zwiebler 2003 begann. Das deutsche Badminton steht nun an einem Wendepunkt: Was passiert, wenn diese Generation zurücktritt? Die meisten Spieler, die in der Nationalmannschaft bleiben, sind gerade mal Anfang 20 und haben nicht die Erfahrung der Zwiebler-Generation.   

Nur einer bleibt

Zwiebler ist der Einzige, der bleiben wird. Seit elf Jahren ist er unangefochtener deutscher Meister. "Dass ich mich so lange auf dieser Position halten kann, ist leider kein gutes Zeichen, was den Nachwuchs angeht", sagt der 32-Jährige. Er ist seit Jahren das Aushängeschild des deutschen Badmintons. "Als wir uns für den Profisport entschieden, gab es noch keine Spieler in Deutschland, die uns Selbstvertrauen vermitteln konnten. Wir wussten gar nicht, dass es möglich ist, sich international zu behaupten", sagt Zwiebler über die Anfänge seiner Karriere. Unter anderem durch den EM-Titel 2010 ebnete er den Weg für eine kommende Generation. 

Die jetzt abtretenden Spieler nutzen ihren letzten Auftritt in Saarbrücken diese Woche zum Wissenstransfer. Sie spielen bei dem hoch dotierten Bitburger Open Grand Prix mit Nachwuchsspielern in neuen Paarungen zusammen. Michels spielt mit dem 20-jährigen Marvin Seidel. "Sie hat die Qualität, kleine Fehler des Partners auszugleichen. Das gibt Selbstvertrauen", sagt der. Michels langjähriger Doppelpartner Fuchs geht mit Linda Efler (21) an den Start.

Drei Schulstunden, vierzig Sportstunden

Das ist immerhin ein Anfang. Badminton gilt in Deutschland noch immer als Freizeitsport. Federball im Garten hat mit den bis zu 500 Kilometer pro Stunde schnellen Ballwechseln der Profis jedoch nicht viel zu tun. Der Sport kämpft um den Nachwuchs.

Neidisch blicken die Deutschen nach China und Dänemark, zu zwei der führenden Nationen im Badminton. Während in China jede der 23 Provinzen 40 Profispieler hat, spielen in Deutschland insgesamt etwa 40 Profis. Das Reservoir an Talenten ist deutlich geringer. Hinzu kommt, dass der Sport in China einen ganz anderen ideellen Stellenwert genießt. "Die Menschen gehen dort morgens um sechs auf den Sportplatz. Sport und Bewegung ist ein Teil ihrer Kultur", erzählt der Damen-Doppel-Bundestrainer Diemo Rhunow. Mehrfach hielt er sich zum Training in China auf. 

Die chinesischen Spieler beginnen das intensive Training mit etwa neun Jahren. In Deutschland fängt das Training durchschnittlich erst sieben Jahre später an. Alles ist auf Sport getrimmt. Ein typischer Stundenplan eines chinesischen Talents enthält drei Schulstunden und vierzig Sportstunden pro Woche. Trotzdem erwirbt man mit dieser Schulausbildung eine Hochschulberechtigung. "So kann man viel früher ein Weltklasseniveau erreichen, und 19-jährige Athleten haben bereits das Potenzial, die großen Turniere zu gewinnen", sagt Ruhnow.

Wie machen es die Dänen?

Klar ist, dass für Deutschland ein Wochenplan mit drei Schulstunden ein nicht umsetzbares Konzept ist. Schon eher infrage kommt das dänische Modell. Regelmäßig landen dänische Spieler an der Weltspitze, und das trotz der geringen Einwohnerzahl von nur 5,5 Millionen Dänen. Dänemark gilt auch in der Jugendausbildung als führende Nation in Europa.

Badminton ist Volkssport. Nahezu in jedem Dorf steht eine Badmintonhalle. Die Spiele laufen zur Primetime im Fernsehen, die Trainer sind in örtlichen Vereinen fest angestellt. So hält das Land gute Trainer bei sich. Wagt doch ein Däne den Sprung ins Ausland, wie Jacob Øhlenschlæger, kann er eine lukrative Stelle wie die des deutschen Bundestrainers im Herren-Einzel annehmen. Ist das dänische Modell ein Vorbild für Deutschland?