Jedes Kind weiß, wo München, Dortmund oder Gelsenkirchen liegen. Blaubach oder Diedelkopf muss so gut wie jeder googeln. Das sagt einiges aus über den Weltmeister Miroslav Klose und was ihn von anderen, jüngeren Fußballern unterscheidet. Mit 20 Jahren kickte er noch für den Siebtligisten SG Blaubach-Diedelkopf. Die Mitspieler, mit denen er vor zwei Jahren in Brasilien triumphierte, waren in diesem Alter längst nicht mehr bei ihren Heimatvereinen.

Es ist noch gar nicht lange her, dass Klose im Nationaltrikot Tore schoss. Doch er ist ein Fußballer aus einer anderen Epoche. Klose stieg vom Bezirksligastürmer zum Weltmeister auf. Ganz früher war das nicht ungewöhnlich. Heute, in Zeiten von Fußballinternaten, ist das eine undenkbare Karriere. Wenn man nicht im Alter von 14 oder 15 in einem Nachwuchszentrum der Profivereine gelandet ist, kann man eigentlich kaum noch Profi werden. Vielleicht schafft es eine Ausnahme wie Jonas Hector zum Mitläufer, doch WM-Rekordschütze wie Klose wird ein solcher Spieler nicht mehr.

Als Klose in der Bundesliga, in Kaiserslautern, auftauchte, spielte Deutschland noch "Rumpelfußball", wie Franz Beckenbauer despektierlich, aber korrekt sagte. In der Bundesliga kickten Lothar Matthäus und andere Altweltmeister von 1990, an der Seitenlinie stand Werner Lorant. Sein erstes Länderspiel bestritt Klose im März 2001 unter Rudi Völler, zusammen mit Oliver Bierhoff. Sie kämpften damals Albanien 2:1 nieder.

Seither hat der deutsche Fußball eine Revolution und Evolution hinter sich. Diese große Fußballnation hat ein Comeback erlebt, das sie zurück an die Weltspitze führte. Und trotzdem war Klose bis zu seinem Abschied immer ein wichtiges Mitglied der Nationalelf. Als einer von wenigen deutschen Fußballern stand er in zwei WM-Finals, 2002 und 2014.

Zwar hatten die Kritiker durchaus recht mit ihren Einwänden. Seine meisten Tore schoss Klose gegen Teams wie Österreich und Saudi-Arabien. Als Mittelstürmer fühlte er sich im traditionellen 4-4-2 am wohlsten, einem überholten System. Mit moderneren Varianten tat er sich schwer. Im anspruchsvolleren Vereinsfußball war er nie der Star, der er ein Jahrzehnt lang in der Nationalmannschaft war. Die Champions League gewann er nicht. Und zum WM-Titel 2014 trug er bloß punktuell bei.

Doch konnte er wahnsinnig gut Gegenspielern von hinten den Ball klauen. Vor allem sprechen zwei Zahlen – 71 und 16 – für sich. Kein anderer hat mehr Tore für die deutsche Elf geschossen (71), kein anderer weltweit mehr bei Weltmeisterschaften (16). Mit dem Tor zum 2:0 beim historischen 7:1 gegen Brasilien überholte der damals 36-jährige Klose Ronaldo in der ewigen Torjägerliste.

Einzige Extravaganz: der Torsalto

Eine glänzende Rolle spielte der leise, schüchterne Teamopa in Brasilien auch neben dem Platz. Kaum ein Spieler war in der Mannschaft so beliebt wie er. Im Endspiel wurde er ausgewechselt für Mario Götze, dem er ein paar nette Worte mit auf den Weg gab, die für dessen Siegtor vielleicht genauso wichtig waren wie die Anweisungen Joachim Löws. Klose verkörperte Werte wie Teamgeist und Disziplin, Macht beanspruchte er nie.