Donald Trump mag Patrioten. Und Patrioten mögen Donald Trump. Auch das Footballteam der New England Patriots macht seinem Namen alle Ehre. Tom Brady, Superstar-Quarterback der Patriots, sagte schon vor einem Jahr, dass er alle seine Freunde und damit auch Donald Trump unterstütze. Den Satz nutzte Trump im Wahlkampf – wie auch einen Brief von Bradys Trainer Bill Belichick. Der hatte Trump zu seiner "gelungenen und tapferen Kampagne" gratuliert. In der NFL sorgte das für überraschtes Stirnrunzeln. Belichick, seit Jahren die Trainer-Ikone der NFL, galt nicht nur in Taktik- und Personalfragen, sondern auch in der Politik als open minded.

Bereits 2015 hatte Trump Brady und dessen Patriots in einem Interview mit der Washington Post für seine Popularität im liberalen Nordosten verantwortlich gemacht: "Ich stehe in Massachusetts bei 48 Prozent. Wisst ihr, warum? Tom Brady sagt, dass Trump der Größte ist. Er sagt das zu jedem, der ihn fragt."

Das Thema ist in den USA heikel – vor und nach der Wahl stellen Fans und Journalisten Fragen. Die Ehefrau von Brady, Top-Model Gisele Bündchen, verneinte öffentlich, dass sie und ihr Mann Trump unterstützen würden. Belichick erklärte, dass es sich nicht um einen politischen, sondern um einen persönlichen Brief an einen Freund gehandelt habe. Weitere Nachfragen zu Trump beantwortete er nicht.

Donald Trump hat das Land beschämt und verängstigt, aber ebenso begeistert und euphorisiert – und er trifft damit auch den Sport. Footballspieler äußern sich politisch, viele berichten von Streit, von Rissen in Teams. Am Sonntag tritt der Lieblingsquarterback des künftigen Präsidenten zur Primetime an: Die New England Patriots aus Foxborough spielen gegen die Seattle Seahawks, eine Mannschaft, deren größte Stars die Politik der Demokraten öffentlich unterstützten. Für manche ist es deshalb auch ein Duell Rot gegen Blau.

Obwohl das Spiel mitten in der Saison stattfindet, erklären es einige US-Medien ohnehin zum Spiel des Jahres. Vor allem aus sportlichen Gründen. Es ist das erste Wiedersehen beider Teams nach dem grandiosen Endspiel im Februar 2015, das New England in letzter Sekunde verdient mit 28:24 gewann. Brady, 39, spielt noch immer den elegantesten und besten Football der Liga, sein Gegenüber Russell Wilson wird von Experten für sein explosives Passspiel gelobt.

Mit den Tight Ends Rob Gronkowski und Jimmy Graham betreten zudem zwei der imposantesten Athleten des US-Sports das Spielfeld. Das Aufeinandertreffen der Teams ist eine epische Kollision von Talent, in diesem Jahr mit klaren Vorteilen für die Patriots, die ihre Spiele bisher überzeugender und mit weniger Schiedsrichterglück als die Seahawks gewannen.

Proteste bei den Hymnen im Stadion

Dass dieses Spiel politisch aufladbar ist, liegt an Seahawks wie Russell Wilson. Waren die wichtigsten Patriots – gewollt oder ungewollt – Teil des republikanischen Wahlkampfs, setzte sich Wilson als schwarzer Quarterback offen für die demokratische Kandidatin ein. Im Barack-Obama-Kostüm überreichte er seiner als Hillary Clinton verkleideten Ehefrau symbolisch die Präsidentengeschäfte. Schon die Hochzeit des Paares im Sommer war ein Politikum. Wegen der verschärften Gesetze gegen Homosexuelle und Transgender heirateten sie nicht wie geplant in North Carolina, sondern in Europa. "Ich glaube, dass Jesus alle Menschen liebt", sagte Wilson.

Auch Teamkollegen ergriffen Partei. Receiver Doug Baldwin strebte nach den Hymnen-Protesten schwarzer Spieler gegen Polizeigewalt als Gründer einer Taskforce einen engeren Austausch mit der Polizei an. Für die US-Wahl ließ er sich in seinem umkämpften Heimatstaat Florida als Wähler registrieren, um Trump zu verhindern. "Es ist entmutigend und es wird die Menschen weiter entzweien", sagte Baldwin nach Trumps Wahlerfolg.

Weitere Seahawks wie Michael Bennett, Richard Sherman oder Jon Ryan hatten sich zuletzt kritisch zu Trump oder konservativen Strömungen geäußert. "Es gab jetzt keinen Aufstand", kommentierte Carroll knapp das erste Team-Meeting nach der US-Wahl.