Papst Franziskus gilt als großer Fußballfan. Und er ist Argentinier. Nun traf der Papst die Akteure, die vor gut zwei Jahren in Rio de Janeiro verhinderten, dass sein Heimatland den WM-Titel gewinnen konnte: Franziskus empfing die deutsche Fußballnationalmannschaft am frühen Montagmorgen zu einer Privataudienz.

"Es war sehr schön", sagte Bundestrainer Joachim Löw nach der Audienz. "Er hat uns alle erreicht." Das DFB-Team berichtete auf Twitter über die Begegnung. Angeführt wurde die Delegation von DFB-Präsident Reinhard Grindel, der im Apostolischen Palast einige Worte an den Papst richtete. Die Mannschaft schenkte dem Kirchenoberhaupt zudem ein Tuch, das von Kindern und Jugendlichen aus dem Kinderhaus Manus bemalt wurde. Es wird von der Stiftung des DFB-Kapitäns Manuel Neuer betrieben.

Thomas Müller und Mats Hummels überreichten dem Papst ein gerahmtes Nationaltrikot mit den Unterschriften des Teams. Franziskus schien die Begegnung mit den Fußballstars sichtlich zu genießen. Die per Twitter verbreiteten Fotos zeigten ihn lächelnd, unter anderem bei der Begrüßung von Bundestrainer Löw.

Er freue sich sehr, die amtierenden Weltmeister im Vatikan begrüßen zu dürfen, sagte Franziskus laut italienischen Medienberichten. Im Sport gehe es nicht nur um Disziplin und persönliche Opfer, sondern auch um gegenseitigen Respekt und Mannschaftsgeist. Nicht umsonst habe das DFB-Team den Namen "Die Mannschaft" bekommen. "Das alles bringt euch zum Erfolg als 'Mannschaft' und gleichzeitig auch dazu, eure Verantwortung außerhalb des Platzes zu erkennen, besonders gegenüber den Jugendlichen, die euch oft zum Vorbild nehmen", wird Franziskus zitiert. Der Papst lobte zudem das soziale Engagement der Sportler und dankte ihnen für die Unterstützung der Kinderhilfsaktion Die Sternsinger.

Nach der Audienz sagte Jungprofi Serge Gnabry: "Das war schon beeindruckend. So eine Gelegenheit bekommen nicht viele Menschen, den Papst zu erleben." Gnabry war am Samstag beim 8:0-Sieg in der WM-Qualifikation gegen San Marino als Länderspielneuling mit einem mutigen Spiel und drei Toren aufgefallen.

Teammanager Oliver Bierhoff bezeichnete die Audienz im Vorfeld als "besondere Ehre". An der Begegnung nähmen alle Mitglieder des DFB-Teams teil, "auch die Spieler muslimischen Glaubens", sagte Bierhoff der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Der Gang in den Vatikan sei nicht zwingend mit der Glaubensfrage oder einer Religionszugehörigkeit verbunden: "Denn wir besuchen zwar das Oberhaupt der katholischen Kirche, aber eben auch einen Menschen, der über alle religiösen Unterschiede hinweg für Frieden und Menschlichkeit einsteht, für Nächstenliebe und – um an den Sport zu denken – für Fair Play."

Die Audienz war der Höhepunkt und Abschluss des knapp zweitägigen DFB-Besuchs in Rom. Nach dem Besuch reiste die Mannschaft direkt nach Mailand. Dort steht am Dienstagabend ein Testspiel gegen Italien auf dem Programm. Im letzten DFB-Länderspiel des Jahres kann die deutsche Mannschaft ihren dritten Sieg in Serie gegen das italienische Team einfahren. Das gelang in bislang 34 Spielen seit 1923 noch nie.