Unbedingter Siegeswillen und bestimmte Spielphilosophie: Das sind die beiden Dinge, die Guardiola in der Bundesliga hinterlässt. In den drei Jahren vor seiner Ankunft war die Bilanz der Bayern durchwachsen. Zwar holte das Team unter Heynckes 2013 das Triple, aber in den beiden Spielzeiten davor gewann der FC Bayern keinen größeren Titel, sieht man einmal vom deutschen Supercup 2012 ab.

Jupp Heynckes rückte in der Saison 2012/2013 die Hierarchie im deutschen Fußball wieder zurecht und Guardiolas Beitrag bestand darin, dem Erfolg Kontinuität zu verleihen und den Einbruch nach dem Triple-Gewinn zu verhindern. (Tatsächlich befürchtete man in der Vorstandsriege der Bayern, die Mannschaft könnte nach dem Triple 2013 oder dem WM-Titel 2014 abstürzen.)

Guardiola übte maximalen Druck auf die Spieler aus, um besagten Absturz zu vermeiden. Mit dieser Einstellung sorgte er dafür, dass Bayern dreimal in Folge deutscher Meister wurde und dabei alle historischen Rekorde der Clubgeschichte brach. Der unbedingte Siegeswille erstreckte sich auf alle Wettbewerbe, mit glänzenden Ergebnissen in der Liga (dreimal Meister, zweimal Double-Gewinner) und weniger glänzenden in der Champions League (zweimal Halbfinale).

Der Sportjournalist Martí Perarnau, 61, nahm als Hochspringer an den Olympischen Spielen in Moskau 1980 teil. Er gibt die digitale Sportzeitschrift „The Tactical Room“ heraus. Sein erstes Buch über Pep Guardiola, „Herr Guardiola“, erschien 2014. © ecowin

Vielerorts habe ich gelesen, dieser unbedingte Siegeswille sei nicht so wichtig gewesen, schließlich habe die Mannschaft der Bayern weit mehr Qualität gehabt als alle anderen Teams. Das stimmt natürlich, wenngleich man differenzieren muss. Es stimmt, weil die Qualität der Mannschaft außer Frage steht: Als Guardiola kam, besaß Bayern bereits einen ausgezeichneten Kader, mit Spielern, die den Kern der deutschen Nationalmannschaft bildeten; unter Guardiola verbesserte sich dieser Kader noch einmal durch Spieler wie Douglas Costa, Xabi Alonso, Lewandowski, Thiago, Vidal, Kimmich und Coman. Differenzieren muss man, indem man folgende Frage stellt: Was taten die Bayern, und was taten ihre Gegner in dieser Zeit?

  • Bayern München investierte 53,4 Millionen Euro netto in Spieler (Verpflichtungen abzüglich Verkäufe) und gewann dreimal die Meisterschaft.
  • Borussia Dortmund investierte 44,15 Millionen Euro netto und holte in den drei Spielzeiten 62 Punkte weniger als die Bayern.
  • Der VfL Wolfsburg investierte 27 Millionen netto und holte in den drei Jahren 72 Punkte weniger.

Unbedingter Siegeswille

Die Summe der Investitionen liegt nicht weit genug auseinander, um den riesigen Punkteabstand zwischen den Bayern und ihren größten Rivalen erklären zu können. Natürlich sind die Nettoinvestitionen nicht der einzige Faktor: Auch die Gehälter spielen eine große Rolle (und die sind bei den Bayern wesentlich höher als bei ihren nationalen Konkurrenten, allerdings auch um einiges niedriger als bei ihren großen europäischen Rivalen); und ebenso die Tatsache, dass Bayern den BVB mit der Verpflichtung von Götze und Lewandowski schwächte.

Aber all dies reicht nicht aus, um den immensen Abstand zwischen den Bayern und ihren direkten Konkurrenten zu erklären. Wie der BVB unter Thomas Tuchel in der vergangenen Saison gezeigt hat, gibt es noch andere Gründe als das Geld, und die wichtigsten sind die Spielphilosophie und der unbedingte Siegeswille, den ein Trainer seinem Team einzuimpfen vermag. Und natürlich ein gutes Händchen bei Spielerkäufen.