Ob in der Zeit ohne ihn so gut gearbeitet wurde, ist dagegen fraglich. Bayern kaufte viel Mittelmaß. Ribéry und Robben wurden nicht ersetzt, die Leistungsträger der Mannschaft sind über den Zenit, es gibt keinen Mittelfeldspieler von höchstem Format. In den Vorjahren kaschierte Guardiola die Schwächen, in dieser Saison werden die Versäumnisse sichtbar. Der FC Bayern kann zwar wieder Meister werden. Doch eine neue Mannschaft, die den Verein die nächsten fünf Jahre prägt, ist nicht in Sicht.

Das scheinen nicht alle so zu sehen. Karl-Heinz Rummenigge strahlte wie immer Optimismus aus. Der neue Vizepräsident Walter Mennekes, ein Hoeneß-Kandidat, schwärmte vom "FC-Bayern-Geschäftsmodell erfolgreicher Fußball". Großen Applaus nahm der anwesende Carlo Ancelotti entgegen. Ein Mitglied mit schwäbischem Akzent sagte am Mikro, er habe die Borussia aus Dortmund dann besonders lieb, wenn deren Mannschaft an den Trophäen vorbeimarschiere, die sodann in den Händen der Bayern landeten.

Der instinktsichere Hoeneß hingegen scheint mindestens zu ahnen, dass einiges in die falsche Richtung läuft. In der Pressekonferenz sprach er von einer "sportlichen Delle", kritisierte die Nachwuchsarbeit im Verein, deren Niveau in seiner Abwesenheit gelitten habe. Als er von einem Journalisten gefragt wurde, ob der Verein sich ohne ihn geändert habe, sagte Hoeneß, er wolle das nicht beantworten, denn seine Antwort könne "Sprengstoff" enthalten.

Hoeneß wird mitreden

Er scheint zu sehen, dass Bayern in den nächsten ein bis zwei Jahren einige neue Spieler braucht, mindestens fünf, vielleicht auch zehn. Und einen Sportdirektor. Philipp Lahm gilt als erster Kandidat. Es ist übrigens bereits in den ersten Stunden nach dem Hoeneß-Comeback in München keine Frage, wer bei diesen Entscheidungen mitreden, sie vielleicht sogar wieder allein treffen wird. Und das, obwohl Hoeneß als Präsident des FC Bayern München e.V. formal gar nicht verantwortlich für das operative Geschäft der Bayern München AG ist. Da kann er noch so bescheidene Selbstbeschreibungen wählen wie "Kümmerer, Ratgeber und Bindeglied".

Auf der anderen Seite probte er, wenn auch zart, die Attacke. "Die Fähigkeit in einer klaren Sprache die Dinge auszusprechen", sagte Hoeneß, "ist nicht verloren gegangen". RB Leipzig nannte er "unseren zweiten Feind, neben Dortmund". Auch rügte er generell die Journalisten für ihre angebliche Schlagzeilensucht. Karl-Heinz Rummenigge verstieg sich sogar zu der nicht weiter begründeten These, 2016 sei ein schwarzes Jahr für die Medien, man denke an "Brexit, US-Wahl und Guardiola". Die "Kampagnenmuster" seien dieselben, sagte der wegen Schmuggels vorbestrafte Vorstand der AG. Dafür dass sie es mit Gesetzen nicht immer so genau nahmen, fallen die Moralpredigten der beiden sportlich aus.

Angreifbarer als früher

Nach Außen dürfte Hoeneß leiser auftreten als früher. Seine kriminelle Vorgeschichte macht ihn angreifbar. Innerhalb des Vereins ist er wegen seiner Erfahrung unantastbar. Doch ob seine zweite Karriere als Bayern-Boss so erfolgreich wird wie die erste? Mit Geld allein wird Leipzig, das während der Versammlung mit dem Sieg in Freiburg den Vorsprung auf die Bayern ausbaute, nicht zu bekämpfen sein. Eine sportliche Vision wäre besser. Durch eine solche fiel Hoeneß bislang aber nicht auf.

Die entscheidenden Fragen für den bald 65-Jährigen lauten nun: Kann er ein Team von neuen Führungskräften finden, einen Nachfolger aufbauen? Kann er seine Rolle neu interpretieren? Unbeantwortet ist vor allem, ober er Macht abtreten kann, Macht abtreten will.