Frage: Herr Konietzko, zählen olympische Rennen von Zweier-Canadier oder Kajak-Vierer zur Grundversorgung, wie sie ARD und ZDF als Aufgabe vorgeschrieben ist?

Thomas Konietzko: Ich glaube schon, dass es Aufgabe der Öffentlich-Rechtlichen ist, die gesamte Bandbreite des Sports in Deutschland abzudecken. Noch dazu, wenn es sehr erfolgreiche Disziplinen wie der C2 und der K4 sind. Das Publikumsinteresse ist ja da, die Einschaltquoten sind gut. Immerhin haben sich sieben Millionen Menschen die letzten Finalrennen der Kanuten in Rio de Janeiro angeschaut, an einem Samstag im August.

Frage: Wie bewerten Sie als Präsident eines großen und erfolgreichen Sportverbandes, dass die Olympischen Spiele künftig nicht mehr bei ARD und ZDF zu sehen sein werden, sondern bei Eurosport und anderen Sendern der Discovery-Gruppe?

Thomas Konietzko: Wir sind natürlich traurig, weil wir einen bewährten, zuverlässigen und guten Partner verlieren. Bei ARD und ZDF wussten wir, dass die Berichterstattung immer sehr objektiv war. Aber wir müssen mit der Situation umgehen. Es macht mehr Sinn, in die Zukunft zu schauen.

Frage: Können Sie die Konsequenzen für Ihre Sportart schon absehen?

Thomas Konietzko: Ich befürchte, dass die Berichterstattung nicht mehr so sehr auf das deutsche Publikum zugeschnitten sein wird wie bei ARD und ZDF. Da gab es bislang immer auch eine persönliche Story, unsere Gesichter wurden bekannt. Für uns ist es sehr wichtig, dass nicht nur die anonymen Boote gezeigt werden, sondern auch die Gesichter hinter dem Erfolg. Das könnte bei Discovery deutlich schlechter werden.

Frage: Weil die Reporter nicht zu den Kanuten ins Training nach Potsdam oder Kienbaum kommen, sondern nur in Tokio an der Olympia-Strecke stehen?

Thomas Konietzko: Genau. Im olympischen Jahr konnten wir bisher einen großen Spannungsbogen knüpfen, die Öffentlich-Rechtlichen haben uns vom ersten Trainingslager bis zur Ehrung der Sportler nach der Rückkehr von den Spielen begleitet. Unsere öffentliche Wahrnehmung würde sehr darunter leiden, wenn sich das ändern sollte. Ich hoffe natürlich, dass die Seitenberichterstattung weiterhin von ARD und ZDF durchgeführt wird.

Frage: Was wird sich für einen Kanuten wie den dreimaligen Olympiasieger Sebastian Brendel ändern, der nur alle vier Jahre öffentlich wahrgenommen wird?

Thomas Konietzko: Wir verlieren an Wahrnehmung und Anerkennung. Der Sport verkauft sich über Gesichter und Köpfe und Persönlichkeiten. Die Leute müssen sehen, was dazugehört, um alle vier Jahre beim Höhepunkt erfolgreich zu sein. Dieser Wahrnehmungsverlust wird uns als Sportart nicht gerade voranbringen. Und wir werden noch mehr tun müssen, um unsere Sportler in die Öffentlichkeit zu bringen.

Frage: Wie viele andere Randsportarten haben auch die Kanuten Nachwuchsprobleme. Werden diese nun noch größer?

Thomas Konietzko: Vielleicht lassen sich künftig tatsächlich weniger Kinder dafür begeistern, in ein Kanu zu steigen. Aber zurzeit bewegen wir uns noch im Ungefähren. Ich hoffe, dass die Öffentlich-Rechtlichen trotz allen Frustes die olympischen Sportarten auch zwischen den Spielen begleiten.