Und wieder kam der Rettungshubschrauber. Beim Abschlusstraining am Donnerstag stieg er bei strahlender Sonne und Minusgraden wieder mal auf, um einen Skifahrer zu bergen. Der Deutsche Klaus Brandner hatte, wie fünf weitere der besten Speedfahrer vor ihm, die Gewalt über seine Skier verloren. Der Abriss der Patellasehne im linken Knie bedeutet für ihn das Ende der Saison.

Auch der Trainingsschnellste des Vortags, der Amerikaner Steven Nyman, krachte in die Fangnetze. Er gab aber Minuten später schon wieder Interviews im Zielraum. Einige zerlegt es, andere kommen mit blauen Flecken davon. So war es hier schon immer.

Willkommen in Kitzbühel, am Hahnenkamm, auf der Streif, wo an diesem Samstag um 11.30 Uhr (live im ZDF) die legendärste, spektakulärste und gefährlichste Abfahrt des Weltcupzirkus stattfindet. Und wo schon der kleinste Fahrfehler verheerendste Folgen haben kann.

Von null auf 90 Sachen beschleunigen die Abfahrer am Start in wenigen Sekunden, überwinden bis zu 85 Prozent Gefälle in der steilen "Mausefalle"-Passage, springen teils mehr als 80 Meter weit. Geht alles gut, brauchen die besten Abfahrer für die 3.312 Meter nur wenig mehr als 111,58 Sekunden. 20 Jahre steht der Streckenrekord des Austria-Helden Fritz Strobl nun schon. Die Pistenführung ist inzwischen leicht verändert worden, nachts wird sie künstlich vereist. Millionen verfolgen das grenzwertige Abenteuer im Fernsehen.

Skier zerbrechen

Der seit 2016 amtierende, einheimische Rennleiter Axel Naglich sagt: "Uns ist nicht daran gelegen, dass sich jemand brezelt und der Helikopter ständig fliegt." Da seien aber auch die Fahrer gefordert, selbst einzuschätzen, wie weit sie gehen können. "Manchmal kann man eben nicht 120 Prozent riskieren."

Die Historie der Streif belegt, dass das mit der Risikoeinschätzung der Fahrer so eine Sache ist. Die Liste der Abfahrer, die trotz vieler sicherheitstechnischer Verbesserungen in den letzten Jahren schwer verunglückten, ist lang. Erinnert sei an den Horrorsturz des Amerikaners Scott Macartney 2008, den der Wind im Zielsprung aushob. Er krachte auf den Rücken. Bewusstlos rutschte er über die Ziellinie, erlitt ein Schädelhirntrauma.

2009 geriet der Schweizer Daniel Albrecht im Training bei 140 Sachen an gleicher Stelle in Rücklage, aus mehreren Metern Höhe schmetterte es ihn auf die harte Piste. Sein linker Ski zerbrach durch die Wucht des Aufschlags. Mit schweren Kopf- und Lungenverletzungen wurde Albrecht in die Klinik geflogen. Dreieinhalb Wochen lag er im künstlichen Koma. Danach musste er das Sprechen wieder lernen, erkannte zunächst nicht mal seine Frau.