Es gab in den vergangenen Jahren Momente, da wurde Roger Federer nicht nur von seinen Kritikern, sondern sogar von vielen seiner Fans der Rücktritt von der Tennisbühne nahegelegt. Seit seinem Erfolg in Wimbledon im Sommer 2012 hatte der Schweizer kein Grand-Slam-Finale mehr gewonnen. Gegen seine jüngeren Konkurrenten Rafael Nadal, Novak Đoković und Andy Murray zog Federer meist den Kürzeren. Auch gegen vermeintlich schwächere Gegner schied er in großen Turnieren in den vergangenen vier Jahren oft frühzeitig aus.

Nun aber hat es der 35-Jährige allen gezeigt. Mit 6:4, 3:6, 6:1, 3:6, 6:3 besiegte er im Finale der Australian Open den Spanier Rafael Nadal. In dem mitreißenden Spiel machte er ein Break im fünften und letzten Satz wett. Dabei hatte er sich nach dem Ende des vierten Satzes für einige Minuten medizinisch behandeln lassen müssen.

Für Federer war es der fünfte Titel in Melbourne und der 18. Titel seiner Karriere bei einem Grand-Slam-Turnier. Damit baute er seine Führung in der ewigen Rangliste aus. Zugleich revanchierte er sich für die Finalniederlage gegen Nadal vor acht Jahren.

Für Nadal wäre es, hätte er gewonnen, der zweite Sieg in Australien gewesen und der insgesamt 15. Grand-Slam-Titel.

Federer erhielt umgerechnet 2,6 Millionen Euro Preisgeld, Nadal die Hälfte.

Sympathien für die beiden langjährigen Rivalen

Dass die beiden erfolgreichsten Spieler des vergangenen Jahrzehnts nach langwierigen Verletzungen im letzten Jahr überhaupt im Endspiel standen, war eine Überraschung. Entsprechend euphorisch wurden beide von den 15.000 Zuschauern in der Rod-Laver-Arena begrüßt.

Im ersten Durchgang spielte Federer nach dem 3:3 dominant und sicherte sich den Durchgang mit einem Ass, Nadal konterte mit einer 4:0-Führung im zweiten und glich aus. Er zeigte dabei keine sichtbaren Spuren von Müdigkeit, obwohl er nach seinem fünfstündigen Halbfinale einen Tag weniger Pause hatte als sein langjähriger Rivale. Im dritten Satz dominierte wieder Federer, auch weil Nadal zu Beginn drei Breakchancen nicht nutzen konnte. Federer spielte und servierte zunehmend fehlerfrei und sicherte sich den dritten Satz mit 6:1.

Federer war seine halbjährige Zwangspause wegen Knieproblemen ebenso wenig anzumerken wie Nadal dessen langwierige Beschwerden am linken Handgelenk im vorigen Jahr. Im vierten Satz schaffte Nadal, seit 2014 ohne Grand-Slam-Titel, das erste Break und erspielte sich schnell eine 4:1-Führung. Am Ende ging der Satz mit 6:3 an den Spanier.

Break und Re-Break

Wie schon im Halbfinale gegen Stan Wawrinka – dort wegen einer kleinen Blessur am Bein – verließ Federer für eine Behandlungspause vor dem fünften Satz den Platz. Danach bewahrte ihn auch sein sonst exzellenter Aufschlag nicht vor dem nächsten Break. Federer stemmte sich gegen die drohende Niederlage und schaffte zum 3:3 schließlich erst den Ausgleich und wenig später selbst das Break zum 5:3.

Nach gut dreieinhalb Stunden verwandelte der Schweizer bei eigenem Aufschlag seinen zweiten Matchball und triumphierte mit Tränen in den Augen.

In den vergangenen Jahren hatte er immer betont, weiter angreifen zu wollen. Kaum jemand hatte erwartet, dass er es noch einmal bei einem Grand-Slam-Turnier ganz nach oben schaffen würde. Jetzt hat Federer seine Kritiker Lügen gestraft. Das Tennisjahr 2017, es hätte überraschender nicht anfangen können.