Einer ist überall. Auf Plakaten. Zwischen den Lippen. Auf dem Rücken.

Auf den Plakaten ist sein Gesicht zu sehen. Zwischen den Lippen klingt das langgezogene Pieeeerrrrrre, wenn die Menschen in Gabun über ihn sprechen. Und auf den Trikots der Nationalmannschaft, die so viele auf den Straßen der Hauptstadt Libreville tragen, steht sein Name: Aubameyang.

Gabun, im Westen Zentralafrikas, das Land des Pierre-Emerick Aubameyang. Südlich von Kamerun gelegen, knapp 6.000 Kilometer weit weg von Aubameyangs Arbeitsplatz in Dortmund. Die Borussia mögen sie hier mehr als Real Madrid, erzählen sie einem immer wieder, wenn man sagt, dass man aus Deutschland angereist ist, wie der Superstar des Landes.

Elf Spieler haben deutsche Vereine in diesem Januar für den dreiwöchigen Afrika-Cup abgestellt. Alle zwei Jahre findet das Turnier der besten 16 Mannschaften des Kontinents statt. Am Sonntag ist das Finale des vielleicht größten Sportereignisses des Jahres. Und kaum jemand bekommt es mit.

Dabei ist es das nächste in einer Reihe umstrittener Sportevents in autoritären Regimen. Und das nächste Beispiel dafür, wie der Sport von Mächtigen und Politikern missbraucht wird.

Es herrscht eine gespaltene Stimmung in Gabun. Im Fanbus oder auf dem Markt, vor dem Stadion oder im Armenviertel, bei Demonstrationen oder im Präsidentenpalast. Die einen wollen nichts mit dem Afrika-Cup zu tun haben, die anderen einfach nur feiern. Und beide haben dieselben Gründe: Gabun ist  in einer wirtschaftlichen und politischen Krise. Der Afrika-Cup ist ein großes Ablenkungsmanöver.

Schlechte Zustände in Schulen und Krankenhäusern

60 Prozent der Staatseinnahmen kommen durch das Öl, das Gabun vor seiner Küste fördert. Da der Ölpreis in den letzten Jahren stark gesunken ist, hat der Staat ein Problem, also auch viele Gabuner. Die Arbeitslosigkeit ist in die Höhe geschossen, sie soll irgendwo zwischen 20 und 40 Prozent liegen, die Jugendarbeitslosigkeit sogar darüber.

Es ist Spieltag. In einem der Viertel weit weg vom Stadion in Libreville steht ein Mann unter dem Basketballkorb auf einem Schulhof und ruft in sein Megafon. Dutzende Menschen hören ihm zu. Es ist eine Demonstration der Gewerkschaften des Öffentlichen Diensts. Viele hier sind in den vergangenen Monaten entlassen worden. Das Schuljahr hat im Herbst einen ganzen Monat später begonnen als geplant, weil die Lehrer vom Staat monatelang kein Gehalt bekommen hatten.

Teilweise unterrichten sie 150 Schüler in einer Klasse, sagt Jean-Remy Yama, der Präsident der Gewerkschaften. "Seit fünf Jahren hat der Staat nichts mehr gemacht, die Schüler sitzen zu fünft auf Bänken, die für zwei gedacht sind, oder gleich auf dem Boden." In den Krankenhäusern, sagt Yama, fehle es an Medikamenten. Frauen brächten Kinder auf dem Boden zur Welt. "Und gleichzeitig investiert der Staat so viel Geld in den Afrika-Cup. Das kann man doch niemandem erklären."