Wer spielte wie gegen wen?

VfL Wolfsburg – Werder Bremen 1:2
FC Bayern München – Hamburger SV 8:0
SC Freiburg – Borussia Dortmund 0:3
RB Leipzig – 1. FC Köln 3:1
SV Darmstadt 98 – FC Augsburg 1:2
Bayer Leverkusen – FSV Mainz 05 0:2
Hertha BSC – Eintracht Frankfurt 2:0
FC Ingolstadt – Borussia Mönchengladbach 0:2
FC Schalke 04 – TSG Hoffenheim 1:1

Welches Spiel durften Sie auf keinen Fall verpassen?

Bayern gegen HSV. In Hamburg hatte man nach ein paar guten Ergebnissen gedacht, die Ära der Klatschen und der Witze wäre vorbei. Doch auf den HSV ist in unruhigen Zeiten wie diesen Verlass. Auch wenn die Welt sich aus den Angeln hebt, die Hamburger wahren die Tradition und holen sich in München eine Abfuhr ab. Das sind die letzten sieben Ergebnisse: 6:0, 5:0, 9:2, 3:1 (kleiner Ausreißer), 8:0, 5:0, 8:0. Macht in der Summe 44 Gegentore, mehr als 6 pro Spiel. Zum Vergleich hat der Kicker die Ergebnisse der Bayern in der ersten Pokalrunde aus diesen Spielzeiten herangezogen, dort schossen sie insgesamt nur 28 Tore. Die Gegner hießen Jena, Nöttingen, Münster, Rehden, Regensburg, Braunschweig und Windeck, das liegt im Osten des Rhein-Sieg-Kreises. Man weiß, es wird ernst, wenn selbst der Kicker über einen lacht. Der HSV-Fan kann die Aufregung über die Oscar-Verleihung nicht verstehen, er fühlt sich jedes Jahr im falschen Film.

Die Bayern hatten in diesem Jahr noch nicht ein überzeugendes Bundesliga-Spiel hingelegt, doch sie nutzten ihr Talent und den Rückenwind aus dem Erfolgserlebnis von Berlin sowie die aberwitzigen Angriffs- und die bizarren Abwehrversuche der Gegner, um sich in Frühlingslaune zu schießen. Der HSV erwies sich als hierarchieloser Haufen, Spieler sprachen später von "Blamage" und "unerträglich". Filip Kostić hatte übrigens vor dem Spiel gesagt: "Wir können auch die Bayern packen." Und der Verteidiger Mergim Mavraj ergänzte nach dem Abpfiff: "Jetzt hauen wir Gladbach aus dem Pokal!" Das mag möglicherweise nur halb ernst gemeint gewesen sein, doch gegen den HSV ist selbst Monty Pythons schwarzer Ritter aus dem Klassiker Die Ritter der Kokosnuss ein bescheidener Kämpfer.


Überhaupt sollten sich die Hamburger überlegen, ob sie das Viertelfinale am Mittwoch gegen die Borussia wirklich gewinnen sollten. Im Halbfinale könnte eine weitere Reise nach München anstehen.

Welches Spiel konnten Sie mit gutem Gewissen verpassen?

Hertha gegen Frankfurt. Berlin bleibt die heimstärkste Mannschaft, die Eintracht immerhin die beste Tretertruppe der Liga. Diesmal sah Haris Seferovic Rot und versetzte seinem Gegenspieler einen Ellenbogenhieb, der Schiri schickte ihn dann runter. Die rund 43.000 Zuschauer im Olympiastadion sahen nur wenige zielführende Aktionen und zwei Teams, die sich wohl selber am meisten darüber wunderten, warum ausgerechnet sie das Topspiel bestreiten. Offenbar hatten einige Fans schon vorher damit gerechnet. Sie sparten sich den Kick und tauschten ihre teuren Karten gegen einen kostenlosen Aufenthalt auf der Polizeiwache. In Moabit musste die Polizei Stunden vor dem Spiel bei einer Massenschlägerei zwischen Anhängern beider Teams eingreifen und wurde selbst zum Ziel. 96 Personen wurden festgenommen, 73 von ihnen stammen offenbar aus Hessen. Videos zeigen entsetzte Anwohner, vermummte Chaoten, Schlägereien und Jagdszenen, sprich: die hässliche Fratze der Fans. Und bevor wieder jemand in den Kommentaren schreibt, dass das ja keine wahren Fußballfans gewesen seien – doch, das waren Fußballfans, gewalttätige Fußballfans. Es gibt auch unter Fans solche und solche.


Wer stand im Blickpunkt?

Die Schiedsrichter, die unauffällig blieben, obwohl sie der Frage ausgesetzt sind: Gibt es einen zweiten Fall Robert Hoyzer? Der Berliner "Unparteiische" verursachte vor gut zehn Jahren einen der größten deutschen Sportskandale. Im Auftrag der Wettmafia verpfiff er Spiele, musste dafür ins Gefängnis. Nun hat die Uni Bielefeld in einer Studie mit statistischen Methoden Bundesliga-Spiele zwischen 2010 und 2015 untersucht. Ihr Fazit: Bei Partien von drei Schiris soll deutlich mehr Geld gesetzt worden sein, sie könnten durch falsche Entscheidungen Tore begünstigt haben. "Diese Auffälligkeit würde man auch erwarten, wenn es sich um einen Wettbetrug handeln würde", sagt einer der Verantwortlichen. Ein anderer, der Gutachter in Wettbetrugsprozessen war, sagt: "Man kann kaum mehr von Zufall sprechen." Beweise sind das allerdings nicht, Namen nennen die Forscher keine. Plausibel scheint das nicht. Erstens ist es unwahrscheinlich, dass gleich drei Schiris involviert gewesen sein sollen. Zweitens ist es alles andere als einfach und effektiv, ausgerechnet Tore "herzupfeifen". In der Bundesliga fallen drittens Fehlentscheidungen (gerade bei Toren) besonders auf. Viertens verdienen Schiedsrichter dort inzwischen sehr gut.

Entsprechend glauben der DFB und seine Elite-Schiris nicht, dass an dem Verdacht was dran sein könnte. Aber es fällt auf, dass die im Fußballgeschäft übliche Empörung ausbleibt. Der Fall Hoyzer wirkt noch nach, es möchte sich niemand die Hand verbrennen, die er für andere ins Feuer gelegt hat. Aus DFB-Kreisen hört man auch: Die Schiris dürfen sich nicht wundern, dass man sie gegen solche Verdächtigungen nicht in Schutz nimmt. Hoyzers Assistent, der damals Geld von ihm angenommen hat, hat seitdem eine steile Karriere hingelegt und ist auf bestem Weg, Deutschlands Nummer eins zu werden.