Wide Receiver entscheiden Footballspiele. Sie empfangen die Pässe der Quarterbacks und hecheln in die Endzone, um zu punkten. Sie müssen schnell sein, agil und vor allem: anpassungsfähig. Das trifft auf Mohamad Sanu zu, einen der Receiver der Atlanta Falcons. Wenn in der Nacht auf den Montag der 51. Super Bowl in Houston beginnt, wird Sanu genauer als die anderen beobachtet werden. Sanu ist der einzige Muslim im Finale und hat sich daher gerade am meisten an das neue Trump-Land anzupassen. 

Das ist aufgewühlt. Im ganzen Land protestieren Amerikaner gegen Trumps Beschlüsse. Nie zuvor war ein Präsident so schnell so unbeliebt. Die USA sind nach zwei Trumpwochen gespalten. Denkt man an den Super Bowl, hat man sofort Trump vor Augen. Wird der Sport dazu schweigen? Er wäre jedenfalls der einzige in der Unterhaltungsindustrie. Meryl Streeps Rede von den Golden Globes hallt noch immer nach. Im Februar werden noch die Grammys und Oscars verliehen, Trump-Kritik gilt auch dort als sehr wahrscheinlich. Der iranische Filmemacher Asgahr Farhadi wird wegen Trump nicht zu den Oscars reisen, obwohl sein Film als bester nicht-englischsprachiger Streifen nominiert ist.

Footballer schweigen, das funktioniert besser

Muslime werden gerade landesweit in Schutz genommen. Amerika gründe sich auf genau jene Vielfalt, die auch Muslime beinhaltet. Doch Sanu erfährt bisher nur wenig Solidarität. 2014 wurde das NFL-Team von Husain Abdullah, auch er Muslim, für Abdullahs Jubel bestraft. Er betete nach einem Touchdown. Wahrscheinlich fühlt sich Sanu von den Ereignissen gerade etwas überrumpelt. Er stammt aus Sierra Leone, wo seine Mutter noch lebt. Sie wird für das Finale eingeflogen. Sanu, 1,88 Meter groß und seit März 2016 bei den Falcons, sagt: "Mein Name ist Mohamad und viele wissen, dass ich Muslim bin." Doch er sei dort wegen seines Footballtalents, nicht wegen seiner Religion.

Damit hatte er mehr gesagt als die anderen. Es ist die klassische Strategie der Footballer. Nur selten äußern sich die Spieler politisch, weil sie bisher am meisten profitieren, wenn sie schweigen. Anecken, borstig sein, das gehört nicht dazu. Nur Russel Wilson, aufstrebender Quarterback der Seattle Seahawks sagte am Dienstag, die zehn Trump-Tage seien schon sehr verrückt gewesen und fügte hinzu: "Barack, come back! Come back, Barack, come back!" Wilsons Team aber schied schon im Januar aus, er kann sich den Protest leisten. Wer es als Spieler wagt, wie Colin Kaepernick im September 2016, der gegen die Polizeigewalt gegen Schwarze protestierte, indem er während der Nationalhymne niederkniete, wird angefeindet.

Ein politisches Endspiel

Das NFL-Finale ist das wichtigste und patriotischste Sportereignis der USA. "Nichts verbindet unsere Nation mehr als der Super Bowl, nirgends atmen wir alles so sehr ein, was wir an unserem Land lieben", sagte der Soziologe Dennis Deninger dem Sportsender ESPN. 180 Millionen Zuschauer werden allein in den USA am Fernsehen sitzen, weltweit werden es über 800 Millionen sein.

Die Inszenierung der Nationalhymne vor dem Spiel ist die ultimative Liebeserklärung an die USA, das gesungene Manifest der wieder great zu machenden Nation. Doch seit Trump das Amt übernahm, wird dem Super Bowl enorme politische Brisanz beigemessen. Es wird ein politisches Endspiel.

Die Trump-Freunde bei den New England Patriots

Das hat auch mit Atlantas Gegner zu tun: Mit dem großen Favoriten New England Patriots zogen drei Trump-Freunde ins Finale ein. Der Quarterback Tom Brady hing sich schon 2015 die rote "Make America Great Again"-Mütze an den Spind. Der Trainer Bill Belichick schrieb Trump am Abend vor der Wahl einen gefühligen Brief: "Du hast bewiesen, dass du der ultimative Wettkämpfer bist. Deine Führungsstärke ist beeindruckend." Trump las den Brief bei einem seiner letzten Wahlkampfauftritte vor. Und Pats-Besitzer Robert Kraft lauerte am Tag nach der Wahl im Trump-Tower auf einen Posten im Regierungsteam. Vergeblich.

Alle drei wollen sich nun nicht mehr äußern. "Ich rede nicht über Politik", sagte Brady, obwohl er am Medientag wie die anderen Spieler von einer Journalistentraube mit monothematischen Trump-Fragen belagert wurde. Pats-Besitzer Kraft sagte, es gebe passendere Zeiten, um über Politik zu reden. Und Trainer Belicheck war bereit, über Rituale bei der Wahl seiner Unterwäsche zu plaudern, nicht aber über seine Freundschaft zu Donald Trump.