Ausgerechnet Lukas Podolski hat Fußballweltmeister Deutschland in seinem Abschiedsspiel einen 1:0-Heimsieg gegen England beschert. Der 31 Jahre alte Kapitän erzielte vor 60.109 Zuschauern in Dortmund in der 69. Minute per Fernschuss ein Traumtor für die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw.

Podolski führte die DFB-Auswahl in seinem 130. und letzten Länderspiel als Kapitän an. Ihm gelang sein 49. Treffer für die Nationalmannschaft, die am Sonntag im WM-Qualifikationsspiel in Baku gegen Aserbaidschan vor ihrer nächsten Herausforderung steht. Im Fußballklassiker gegen England musste Löw auf Torhüter Manuel Neuer sowie Sami Khedira, Mesut Özil, Julian Draxler und Mario Gómez verzichten.

Unter tosendem Applaus beendete Podolski seine Länderspiellaufbahn mit der schwarz-rot-goldenen Kapitänsbinde am Arm, ging grinsend vom Feld und umarmte nach seiner Auswechslung Bundestrainer Löw. Der Kölner bedankte sich über das Stadionmikrofon für "13 geile Jahre mit dem Adler auf der Brust": "Danke, Dortmund, danke, Köln und danke, Deutschland!" Am Ende der Partie stand nicht nur der erste Heimsieg gegen die Three Lions seit 30 Jahren, sondern auch ein Rekord in der Länderspielgeschichte. Seit 648 Minuten ist Deutschland nun ohne Gegentor.

"Ein Drehbuch, das ich nicht besser hätte schreiben können"

Das perfekte Drehbuch für den Lieblingsschüler von Löw war lange in Gefahr. England war gegen die DFB-Elf das klar bessere Team mit den deutlich besseren Chancen. Mehrfach musste Marc-André ter Stegen in höchster Not retten. Gegen das ungewohnte 5-2-2-1-System der disziplinierten Three Lions tat sich die deutsche Vierer-Offensive lange schwer. Bei nur einer Trainingseinheit fehlte die Abstimmung, im Mittelfeld machte sich das verletzungsbedingte Fehlen mehrerer Stammkräfte bemerkbar.

Beim Blick zu seinen Nebenleuten Leroy Sané (21), Julian Brandt (20) und Timo Werner (21) erkannte auch Podolski, dass der Umbruch im Team des Weltmeisters weit fortgeschritten ist. Neben dem Kölner, der im Sommer von Galatasaray Istanbul nach Japan zu Vissel Kōbe wechselt, standen mit Mats Hummels und Toni Kroos nur zwei Titelhelden von Rio in der Anfangsformation.

Teamkollege Thomas Müller sagte nach dem Spiel: "Es ist ein Drehbuch, das ich nicht besser hätte schreiben können. Mir als Regisseur wäre das nur zu kitschig, das glaubt dir ja keiner. Ich habe vor dem Spiel zum Toni (Kroos) gesagt, dass wir ihn in Position bringen müssen. Ich weiß nicht, wie viel er bezahlt hat, dass der Torhüter von den Engländern den reingelassen hat."

Für die Engländer war das Sportliche angesichts des Anschlags in London schon vor dem Anpfiff in den Hintergrund gerückt. "Wir sind in Gedanken bei den Familien, die Angehörige verloren haben", sagte Trainer Gareth Southgate. "Da wird Fußball natürlich zur Nebensache."