Wer spielte wie gegen wen?

1. FC Köln – TSG Hoffenheim 1:1
FC Bayern München – FSV Mainz 05 2:2
FC Ingolstadt – Werder Bremen 2:4
Eintracht Frankfurt – FC Augsburg 3:1
Hertha BSC – VfL Wolfsburg 1:0
Hamburger SV – SV Damrstadt 98 1:2
Borussia Mönchengladbach – Borussia Dortmund 2:3
SC Freiburg – Bayer Leverkusen 2:1
FC Schalke 04 – RB Leipzig 1:1

Welches Spiel durften Sie auf keinen Fall verpassen?

Alle. Wenn Sie wissen wollen, warum deutsche Vereine im Europapokal ausscheiden, hätten Sie sich diesen Spieltag anschauen müssen. In der Bundesliga muss man als Stürmer gar nicht viel leisten, man bekommt von den überaus zuvorkommenden Abwehrspielern Geschenke, als hätte man jedes Wochenende Geburtstag. Es fielen 30 Tore, fast allen gingen mittlere bis grobe Fehler des Gegners voraus. Und zwar nicht erzwungene, sondern vermeidbare, im Tennis würde man von unforced errors sprechen. Wir haben sie mal in Kategorien eingeteilt:

Leichte Ballverluste im Spielaufbau

  • Mainz 0:1 (Arturo Vidal)
  • Dortmund 0:1 (Andreas Christensen)
  • Gladbach 1:1 (Mikel Merino)
  • Darmstadt 0:2 (Mergim Mavraj)
  • Augsburg 0:1 (Ante Rebić)
  • Frankfurt 3:1 (Kevin Danso)

Sofortiger Ballverlust nach Ballgewinn

  • Bayern 2:2 (Leon Balogun)
  • Gladbach 2:2 (Jannik Vestergaard)
  • Hoffenheim 1:1 (Yuya Osako)
  • Leverkusen 1:1 (Aleksandar Ignjovski)

Unnötiges Foul zum Elfmeter

  • Mainz 1:2 (Joshua Kimmich)

Stürmer kommt trotz Überzahl der Abwehr frei zum Abschluss

  • Hertha 1:0
  • Bremen 2:3

Eigentore

  • Gladbach 2:1 (Marcel Schmelzer)
  • HSV 1:2 (Fabian Holland)

Torwartfehler

  • Bremen 2:2 (Martin Hansen)
  • Frankfurt 1:1 (Marwin Hitz)
  • Leipzig 0:1 (Ralf Fährmann, der sein Tor verließ)

Empty net goal

  • Bremen 2:4

Taktischer Fehler der Abwehr

  • Ingolstadt 1:0 (Lamine Sané ließ den Torschützen im Rücken davonziehen.)
  • Köln 1:0 (Niklas Süle deckte den falschen Gegenspieler.)
  • Freiburg 1:0 (Leverkusens Abwehr stand zu hoch.)
  • Schalke 1:1 (Leipzigs unnötige Abseitsfalle ging schief.)
  • Freiburg 2:1 (Ömer Toprak ließ sich rauslocken, Wendell war nicht an seinem Platz.)
  • Und dann war da noch das symptomatische 1:1 von Bremen: Vier Ingolstädter Verteidiger stürzten sich in einer harmlosen Szene an der Mittellinie ohne Chance, den Ball zu erobern, auf den ballführenden Gegner. Dadurch öffneten sie ohne Not riesige Räume, die Werder dann zum Konter nutzte. Deutschland steht auf Gegenpressing und kollektives Verschieben zum Ball. Das sieht dann aber oft, wie in dieser Szene, aus wie E-Jugend.

Bestimmt kann man über dieses oder jenes Tor und die Schwere des eines oder anderen Fehlers streiten, manches könnte man aber auch gleich zwei dieser Kategorien zuordnen. Bei einigen Toren waren auch starke Einzelleistungen der Stürmer nötig, etwa genaue Schüsse (Aubameyang, Thiago, Kruse) oder ein genauer Pass oder eine schöne Flanke. Doch das einzige niveauvolle Tor dieses Spieltags, dem ein Spielzug über mehrere Stationen vorausging, war das von Arjen Robben (1:1). Allerdings war auch das ein Konter. Mainz lud wie schon im Hinspiel in Führung liegend die Bayern zum Kontern ein. Taktisch klug war das nicht.

Der Vollständigkeit halber: Auch nach zwei Standards landete der Ball im Netz (Dortmund 2:3, Darmstadt 0:1). Frankfurts 2:1 entstand im Gewurschtel. Einmal half sogar der Schiri, Ingolstadt bekam trotz einer Schwalbe einen Elfer (2:1). Es fielen also nicht nur Scheißtore, sondern – das ist ein Unterschied – auch Kacktore. Ein Fall für Arnd Zeigler:

Welches Spiel konnten Sie mit gutem Gewissen verpassen?

Schalke gegen Leipzig. Nach dem Unentschieden der Bayern am Samstag bestand plötzlich die Möglichkeit, die Meisterschaftsfrage neu zu stellen. Mit einem Sieg hätte der nach Kaiserslautern 1998 zweitbeste Aufsteiger aller Zeiten den Rückstand auf den Meister innerhalb von vier Spieltagen von 13 auf 6 Punkte verkürzen können. Mit dem Ausblick auf den vorletzten Spieltag, wenn Leipzig die Bayern empfängt, war das nicht mehr nur eine theoretische Aussicht. Doch Leipzigs Konter waren trotz früher Führung an diesem Tag schwach. Und steht ein Gegner hinten drin, wie Schalke am Ende des Spiels, fällt Leipzig nicht viel Gutes ein. Ab dem kommenden Spieltag muss man mit dem Vollzug des Üblichen rechnen: Gewinnt Leipzig am Samstagnachmittag nicht gegen Ingolstadt, ist Bayern mit einem Sieg im Abendspiel in Wolfsburg Meister. Gleichwohl, wegen ihres Spirits sind die Leipziger schon jetzt die Sieger der Saison.

Wer stand im Blickpunkt?

Max Kruse. Der kam nach und über Ingolstadt. Vier Tore erzielte er, das gelang einem Bremer Spieler zuletzt vor mehr als drei Jahrzehnten (Frank Neubarth). Nun wird Kruse gefragt, ob Joachim Löw bald wieder anruft, und offenbar wird er das bald. Der DFB-Trainer hatte ihn wegen sittlicher Unreife rausgeworfen. Der 29-Jährige hat in der Endgeschwindigkeit (im Gegensatz zu seinen Autos) ein paar Stundenkilometer zu wenig und ein paar Gramm zu viel. Doch Kruse verfügt über Rafinesse, Übersicht und die nötige Coolness. Die hilft ihm auch beim Pokern, vor allem macht sie den ehemaligen Abstiegskandidaten Werder zu einem Aspiranten für den Europapokal.