3 Laufen

In Deutschland ist die Laufleistung ein Fetisch. Am meisten lief aber Atlético Madrid, nämlich durchschnittlich 116,8 Kilometer pro Spiel. Dann folgt das Jugendensemble BVB (113,3). Die Bayern belegen Rang vier (109,4), Schlusslicht ist der FC Barcelona (106,6). Das liest man auch nicht alle Tage. Aber das ist ja nichts Neues, dort lässt man vorzugsweise Ball und Gegner laufen.

Laufleistungen der Spieler pro Team

Atlético ist das laufstärkste Team der Champions League.


Überhaupt bewegte sich die Mehrheit der Viertelfinalisten gerade so viel wie eben nötig. Fünf von acht Mannschaften legten im Durchschnitt pro Spiel weniger Kilometer zurück als der Gegner, darunter die Titelfavoriten Barcelona, Real Madrid und Bayern München. Dortmund pflegt einen anderen Stil und lief im Schnitt knapp 3 Kilometer mehr als der Gegner. Spitze ist auch hier Atlético (3,8). Das Team von Diego Simeone ist deswegen eine Ausnahme, weil es als einziges der vier Titelfavoriten auf Laufen und Verteidigen setzt. Real, Bayern und Barca suchen ihr Heil eher im Sturm.

Laufleistungen dieser CL-Saison

Real lief als Team im Schnitt pro Spiel sechs Kilometer weniger, als ihre Gegner. Der BVB dafür rund drei Kilometer mehr.

In der Einzelwertung liegt Reals Lucas Vázquez auf dem ersten Rang (fast 13 Kilometer pro Spiel). Wahrscheinlich musste er für seinen Sturmkollegen Cristiano Ronaldo (9,4) mitlaufen, dessen Wert ist, wohlwollend betrachtet, durchschnittlich. Vielleicht gelten für Superstars aber einfach andere Regeln. Lionel Messi gönnt sich ohne Ball gerne mal eine Pause. Kein Feldspieler läuft so wenig wie er (7.9), wie eh und je. Macht ja nichts, er ist trotzdem der beste Spieler der Welt.

Sogar Bayerns Innenverteidiger Jérôme Boateng (9.1), Javi Martínez (9.3) und Mats Hummels (9.3) liefen deutlich mehr als Messi. Und trotzdem gehörten sie noch zu den zehn lauffaulsten Spielern. Fleißigster Deutscher war übrigens Joshua Kimmich (12,8). Der aktivste Keeper ist Manuel Neuer (4,8).

4 Ballbesitz

Eine Glaubensfrage im Fußball ist der Ballbesitz: wichtig oder nicht? Pep Guardiola war er heilig, seinem Nachfolger Carlo Ancelotti weniger. Dennoch hatte man den Eindruck, die Bayern wollten die Kugel am liebsten gar nicht mehr hergeben. Mehr Ballbesitz (65,4 Prozent) hatte nicht mal Barcelona (60,2). Wie sagte Philipp Lahm neulich im Stern? "Ancelotti würde gerne noch defensiver spielen. Doch Guardiola steckt noch in uns." Was die Statistik nicht sagt: Die Bayern greifen unter Ancelotti nicht mehr mit so vielen Spielern an wie unter Guardiola.

Bayern und Barca hielten sich auch nicht lange damit auf, den Ball quer durch die Abwehr zu schieben. Dort verbrachten sie von allen Viertelfinalisten am wenigsten Zeit, dafür hatte kein anderes Team mehr Ballbesitz im Angriffsdrittel als Bayern und Barca (je 33 Prozent). Mal zum Kontrast ein kleines, chancenloses Team, das in der Vorrunde ausschied: Dinamo Zagreb hatte den Ball meist nur in der eigenen Abwehr.

5 Nationenwertung

Ob die Spanier wirklich den ansehnlichsten Fußball spielen, kann die Statistik nicht beantworten. Sicher ist, dass sie Europa seit Jahren dominieren. 15-mal standen in den vergangenen fünf Spielzeiten, die jetzige eingerechnet, Teams aus Spanien im Viertelfinale. Die vergangenen drei Endspiele erreichte nur ein nichtspanisches Team, Juventus 2015. Dagegen konnte Spanien fünf Finalteilnahmen verzeichnen. 2014 und 2016 war das Endspiel sogar eine rein madrilenische Angelegenheit.

Zuletzt gewann 2013 ein nichtspanisches Team die Champions League. Das war der FC Bayern, er schlug Borussia Dortmund 2:1. Damals hoffte manch einer auf eine kommende deutsche Ära. Die blieb aus. Aber immerhin reicht es für Rang zwei, was vor allem an den Bayern liegt. Die sind seit 2012 immer mindestens im Halbfinale. Die große Zeit der Italiener ist dagegen schon länger vorbei. Auch für die Engländer, die vor etwa zehn Jahren den europäischen Fußball dominierten, sieht es nicht gut aus. Sie schafften nur 5-mal den Einzug ins Viertelfinale, sogar die Franzosen waren öfter dabei. Leicester City wird die Statistik wohl nicht aufhübschen, der englische Überraschungsmeister aus dem Vorjahr ist der oberkrasse Außenseiter dieses Viertelfinals.