Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat einem Medienbericht zufolge positive Ergebnisse bei nachträglichen Dopingtests zu den Olympischen Spielen 2008 verschwiegen. In Urinproben jamaikanischer Sprinter sei die verbotene Substanz Clenbuterol nachgewiesen worden, wie die ARD unter Berufung auf IOC-Kreise berichtet. Das IOC habe davon gewusst, die Ermittlungen jedoch absichtlich eingestellt. Die Athleten hatten bei den Wettkämpfen in Peking elf Medaillen gewonnen.

Das IOC räumte in einer Stellungnahme ein, dass es eine "Anzahl von Fällen von Athleten mehrerer Länder und verschiedener Sportarten mit einem sehr geringen Level von Clenbuterol" gegeben habe. Diese Athleten seien aber unschuldig. Die Entscheidung, nicht weiter gegen sie zu ermitteln, sei gemeinsam mit der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) gefällt worden. Die nachgewiesenen Mengen von Clenbuterol seien so gering gewesen, dass sie durch eine Fleischkontaminierung entstanden sein könnten. Zudem habe die Wada "keine konstanten Muster des Missbrauchs mit Clenbuterol" entdecken können.

Der Wada-Generaldirektor Olivier Niggli sagte der ARD, seine Organisation könne akzeptieren, Fälle nicht zu melden, wenn die Clenbuterol-Werte in Proben mit Lebensmittelkontamination erklärbar seien. Er sagte aber auch: "Wenn man dopt, ein Betrüger ist, ist das eine perfekte Ausrede, sofern man erwischt wird. Aber so ist das eben."

Die ARD schreibt in ihrem Bericht, dass die Qualität der Lebensmittel bei den Olympischen Spielen in Peking akribisch überwacht worden sei. Die jamaikanische Delegation selbst habe sich zum vorolympischen Trainingslager heimische Nahrungsmittel mitgebracht. Es sei daher sehr unwahrscheinlich, dass die Athleten über ihre Nahrung Clenbuterol bekommen hätten. Zudem führt die ARD den Fall des Polen Adam Seroczyński an. Weil bei dem Kanuten Clenbuterol nachgewiesen worden war, sperrte ihn das IOC für zwei Jahre – obwohl er die verbotene Substanz seiner Ansicht nach über das Essen erhalten hatte. "Gelten für die nun aufgefallenen Sportler andere Maßstäbe?", fragt die ARD.

Betroffene Athleten werden bei den nächsten Olympischen Spielen besonders stark kontrolliert

Clenbuterol ist in China als Tiermastmittel verbreitet. Im Vorfeld der Spiele 2008 war vor verseuchtem Fleisch gewarnt worden. Allerdings hat die Wada für Clenbuterol laut ARD keinen Grenzwert vorgeschrieben. Jeder Fund – unabhängig von der Menge – gelte damit als auffälliger Dopingtest und müsste nach den Anti-Doping-Bestimmungen weiter untersucht werden. "Es scheint mir sehr ungewöhnlich, dass man in diesem Fall nicht den korrekten Abläufen folgt", zitiert die ARD den Wada-Gründungspräsidenten Richard Pound. Dem Funktionär zufolge ist gerade Jamaika dafür bekannt, mit Doping ein Problem zu haben.

Das IOC hat zwar die Clenbuterol-Fälle wegen der niedrigen Werte nicht geahndet, nimmt aber die auffälligen Proben zum Anlass für Nachkontrollen der betreffenden Athleten. Zuerst würden alle Proben dieser Sportler von den Sommerspielen 2012 in London Nachtests unterzogen, teilte die Organisation mit. Außerdem würden diese Athleten auch zielgerichtet für die Zeit vor und während der Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro überprüft.