Worüber reden nach dem Spieltag alle?

Das Derby. Sportlich war es rasant und spannend. Moralisch enthielt es Stoff für drei Leitartikel. Der erste handelt von Pierre-Emerick Aubameyang. Der zog sich nach seinem Tor eine Maske auf. Man dachte erst an eine Kinderei, doch es stellte sich als geschicktes Ambush Marketing heraus. Auch noch für Nike, den Konkurrenten von Puma, dem Sponsor des BVB. Aubameyang war bereits vor wenigen Wochen von der Vereinsführung gewarnt worden, weil er eine Nike-Botschaft in seiner Frisur trug. Die Aufregung über das Ding mit der Maske wollte Aubameyang später als Ausbruch der Individualität verkaufen, dabei ging es doch nur um Geld. Pfui!

Da war auch noch Erwin, das Schalker Maskottchen. Er zeigte dem Schiedsrichter Felix Zwayer nach dem Spiel die Rote Karte. Ein Zuschauer hatte eine auf den Platz geworfen. Lustig im Grunde, dieser Rollentausch. Doch Erwin erfährt nun Strenge. Der Schiriexperte im TV regte sich auf, vielleicht muss Erwin sogar vor's Sportgericht. Der DFB ermittelt.

Korinthenkacker, sagen nun viele, humorloses Preußentum, typisch Schiris. Doch ist schon was dran an ihrer Befürchtung, dass solche Szenen ihre Autorität untergraben. Auch an ihrer Sorge, dass sich auf den vielen Dorfsportplätzen, wo Schiris oft Schlimmeres droht als ein Scherz, bald viele weitere Erwins finden.

Rot für Zwayer war wohl wirklich zu hart, eine Gelbe hatte er aber verdient. Er hatte ein Dortmunder Handspiel im Strafraum übersehen, vielleicht hatte er auch nicht den Mut, in der allerletzten Minute einen Elfmeter gegen die große Borussia zu verhängen. Hand ist ja oft so eine Sache, doch diesmal war es eigentlich klar: Marc Bartra hatte den Ball nicht unbedingt absichtlich, aber oberhalb des Kopfes mit der Hand gespielt. Als wäre er ein Volleyballer, der zum Block hochsteigt. Neun von zehn Schiedsrichtern, mindestens, sagen da: klarer Elfmeter. Fußballer sehen das genauso. Alleine an diesem Spieltag gab es zwei Handelfmeter wegen geringerer Delikte, gegen Berlin und Gladbach.

Bezeichnend aber, was nach dem Schalker Nicht-Elfmeter geschah. Zwayer wurde offenbar protegiert. Er ist Zög- und Liebling Hellmut Krugs. Der Schiri-Berater der DFL bestimmt Karrieren und hat gute Medienkontakte. Macht Zwayer Fehler (und er macht einige), greift Krug zum Telefon. Das weiß jeder Schiri in der Bundesliga, das ist sogar bis in die Kreisliga bekannt.

Und so sprach die sonst so strenge Sportschau Zwayer von einem Fehler frei, auch andere nahmen ihn in Schutz. Diese Praxis ist nicht nur Zwayers Konkurrenten gegenüber, die sich in solchen Fällen anderes anhören müssen, ungerecht. Sie verwässert auch die Regeln und ihre Auslegung. Mit der Folge, dass immer mehr Spieler, Trainer und Fans und selbst Schiedsrichter nicht mehr wissen oder wissen wollen, was Hand ist und was nicht.

Was machten die Frauen?

Wolfsburg schlug Hoffenheim 4:0 und kletterte an die Tabellenspitze. Dank Charline Hartmann, der Stürmerin der SGS Essen, die gegen die Spitzenreiterin Turbine Potsdam den Endstand zum 1:1 schoss. Das wievielte Bundesliga-Tor es in der langen Karriere der 31-jährigen war, ist nicht klar. "So genau weiß ich das gar nicht mehr", sagte sie vor nicht allzu langer Zeit, als sie mal nach einer Zahl gefragt worden war. Hartmann arbeitet als Bürokauffrau. Wolfsburg und Potsdam haben übrigens nicht nur gleich viele Punkte, sondern auch die gleiche Tordifferenz, bloß hat Wolfsburg ein Tor mehr erzielt.

Was war sonst noch wichtig?

Der nächste Spieltag, der steht schon am Dienstag und Mittwoch an. Englische Woche, die fast überall so heißt, nur in England nicht, dort spricht man von einer Three Game Week. Dortmund trifft auf den HSV, zwei Teams, die zurzeit ziemlich gleich gut sind. Leverkusen sollte mit Tayfun Korkut in Darmstadt endlich siegen, um nicht ernsthaft in Abstiegsgefahr zu geraten. Ingolstadt könnte mit einem weiteren Erfolg in Augsburg auf vier Punkte ran an den Relegationsrang. Und die TSG Hoffenheim will dem FC Bayern ein Gegner sein, bevor bald zwei ihrer Besten (Niklas Süle und Sebastian Rudy) nach München wechseln. Und vielleicht sogar der Trainer, der sich vorige Woche schon hinter Uli Hoeneß ablichten ließ. Ein Anfängerfehler, sollte Julian Nagelsmann am Dienstag vermeiden.

Was war das Zitat des Wochenendes?

"Ich denke, was vermutlich die meisten von uns denken: dass Deutschland nicht rechts werden darf. Dass nicht die Falschen, die Populisten, mehr Macht bekommen dürfen."

Philipp Lahm in der Welt am Sonntag