Wer spielt wann gegen wen?

Eintracht Frankfurt – Borussia Dortmund (Samstag, 20 Uhr)

Dürfen Sie das Spiel verpassen?

Auf keinen Fall. Der Hype ist real. Sowohl die Eintracht (2006) als auch der BVB (2016) verloren ihr letztes Pokalfinale gegen die Bayern. Beide Teams können deshalb ihr Glück kaum fassen: Ein Titel ist möglich. Für Thomas Tuchel und Niko Kovač wäre es der erste als Trainer, für Marco Reus nach seiner bestandenen Führerscheinprüfung der erste Titel überhaupt und für die Anhänger der Grund zum Weiterfeiern. Über 500.000 Ticketanfragen bekam allein der DFB, bei den Vereinen werden ähnlich viele Anfragen eingegangen sein. Manche waren bereit, sich für Tickets von den Viagogo-Schwindlern für sehr viel Geld abzocken zu lassen. Für den einen oder anderen Eintrachtfan lag die Schmerzgrenze jenseits der 500 Euro. Etwa 35.000 Frankfurter werden in Berlin erwartet, fast ganz Hessen (außer Offenbach und Darmstadt) ist auf den Beinen. Berliner Spätis sollten Bembel in die Regale stellen.

Und der BVB? Auch der mobilisiert, allerdings mittlerweile sehr routiniert. Nach Berlin fahren hat in Dortmund Tradition, der BVB könnte sein viertes Finale in Folge verlieren. Zweimal ist er an den Bayern gescheitert, einmal an Wolfsburg. Nun soll es klappen und der Gedanke daran sorgt für echtes Hoffen. In Berlin ist gerade auch der Evangelische Kirchentag. Interessant wäre es zu wissen, wie sehr sich die beiden Besuchergruppen überschneiden. So oder so: Die Stadt ist beseelt und das ist schön.

Wer wird gewinnen?

Wenn es normal läuft, der BVB. Zu viel Talent schwemmt, schäumt und schwappt aus dem Ruhrgebiet nach Berlin, als das die Eintracht dem viel entgegenhalten könnte. Aber auch Dortmund musste auf dem Weg ins Finale zweimal ins Elfmeterschießen, einmal gegen Union Berlin und dann sogar auch gegen die Hertha. Pisczeck, Aubameyang, Reus und Schmelzer spielen das vierte Finale in Folge und wollen ungern noch mal verlieren. Es wäre für den BVB nach dem Anschlag auf den Teambus, den Krawallen vor dem Leipzigspiel und Mario Götzes seltsamer Diagnose auch ein versöhnliches Ende einer bewegten Saison. Auch wenn es das vielleicht letzte Spiel von Thomas Tuchel sein wird

Doch die Eintracht hofft. Der Königstransfer, der von Real Madrid geliehene Innenverteidiger Jesús Vallejo, wird trotz einer Verletzung doch spielen können. Mit ihm ist zumindest die Verteidigung dem BVB ebenbürtig. Schlimmer sieht es im Sturm aus. Nur fünf Tore schoss die Eintracht auf dem Weg ins Finale. Kein anderes Team kam mit so einem Knauserfußball durch. Das letzte Eintracht-Tor im Berliner Olympiastadion schoss Alex Meier im August 2013, beim 1:6 gegen die Hertha. Auch 2017 sah nicht schön aus: Die Eintracht wurde vom Europapokal-Aspiranten nach der Hinrunde zum Letzten der Rückrundentabelle. Doch die Frankfurter glauben wirklich an ihre Chance. Manche raunten sich in diesen Tagen den Namen Lajos Détári zu, um sich Mut zu machen. 1988 schoss er die Eintracht zum Pokalsieg gegen Bochum, manche sagen, er war der beste Spieler aller Zeiten. Der letzte Frankfurter Titel heißt Fuji-Pokal, das war 1992. Doch da ist noch etwas Größeres, der Glaube der Fans. Viele Eintracht-Anhänger wurden mit Jay-Jay Okocha, Tony Yeboah und Uwe Bein sozialisiert und warten nun darauf, dass das Versprechen, das sie zu Fans machte, eingelöst wird. Sie hatten keinen Klopp, keine Epoche. Vielleicht beginnt diese ja heute, ein bisschen träumen darf man ja.

Wer ist nicht dabei?

Die Bayern. Der HSV. Und Dortmunds Passautomat, Julian Weigl, Knöchelbruch. Frankfurts Makoto Hasebe und Marius Wolf kurieren noch Verletzungen aus und dann ist da noch Guillermo Varela. Betrachtet man ihn, könnte man meinen, an seinem Körper sei kein freier Platz mehr für noch ein Tattoo. Eigen- und Fremdwahrnehmung gehen aber wie oft auseinander und Varela ließ sich am Montag den ersten Teil eines großen Tattoos auf den rechten Unterarm stechen. Natürlich entzündete es sich und natürlich verpasst er nun das Finale. Varela war von Manchester United ausgeliehen. SGE-Sportvorstand Fredi Bobic sagte nun: "Guillermos Weg bei der Eintracht ist mit dieser Aktion beendet." Den Preis für die dümmste und unnötigste Verletzung der Saison hat er sicher.

Wie wird die Halbzeitpause?

Helene Fischer singt ein Medley aus zwei Songs. Gehen Sie also Bier holen, lange pinkeln oder beten Sie in der Pause zum Fußballgott, Hauptsache Sie verpassen es. Außer sie mögen auch die Schinkenstraße, dann bleiben Sie dran. Zu befürchten ist, dass es vielen im Stadion gefallen wird. Wir hingegen hoffen auf 'ne schaurig schöne Invasion, um Helene Fischer zu überbieten:

Was machen die Frauen?

Spielen ihr Pokalfinale. Ab 16.15 Uhr treffen der VfL Wolfsburg und der SC Sand aufeinander. Es ist die Neuauflage des 2016er Finales, damals gewann VW. Hoffentlich setzt VW nun nicht auch noch das in den Sand. Wolfsburg wurde Meister und ist deswegen auch Favorit, in der Liga aber trotzte Sand dem VfL ein 0:0 ab. Vielleicht gibt’s ja eine Überraschung. Schon seit 2011 wird das Endspiel nicht mehr in Berlin, sondern in Köln ausgetragen. Also nur, falls die europapokalbesoffenen Effzeh-Jecken noch Rasen und Tore übrig gelassen haben.

Was ist sonst noch los?

Einiges. Um 11 Uhr findet das Juniorenpokalfinale statt, Braunschweig oder Jena können gewinnen. In Frankreich spielen Angers und Paris St. Germain um den Cupsieg, in England Arsenal und Chelsea, in Spanien Barcelona und Deportivo Alavés. Und der DFB eröffnet am Samstag auch die Blindenfußballsaison. Ab 11 Uhr spielen die Teams vor dem Olympiastadion. Anspielungen auf das, was ab 20 Uhr im Stadion passiert, verbieten sich natürlich.