Wie ging es aus?

Dänemark – Deutschland 1:1 (1:0)
Tore: 1:0 Eriksen (18.), 1:1 Kimmich (87.)
Zuschauer: 15.488
Ort: Bröndby Stadion, Kopenhagen

Worum ging es?

Einen irrelevanten Zeitvertreib. Streng genommen war es ein Testspiel für einen Kick gegen San Marino (am Samstag) und ein Turnier, das keinen interessiert: den Confed Cup in Russland, der Ende nächster Woche beginnt. Dafür werden die Stars der Deutschen geschont, also waren sie auch nicht in Dänemark dabei. Zum Einsatz kamen dagegen sechs Spieler ohne Länderspielerfahrung, angeblich ein "Perspektivteam". Allerdings ist Sandro Wagner schon 29 Jahre alt, Lars Stindl 28, Kevin Trapp 26, Marvin Plattenhardt 25, und Amin Younes und Kerem Demirbay werden immerhin auch bald 24. Die wenigsten dieser Debütanten dürften eine große Zukunft in der DFB-Elf haben.

Das gilt wohl auch für Antonio Rüdiger und Matthias Ginter. Symptomatisch das Gegentor, eine einzige Fehlerkette: Niklas Süle lief sich nicht frei, Kimmich schlug den Ball quer, Ginter brachte Rüdiger in Not, der köpfte den Ball zum Gegner. Rüdiger ist ein Athlet, hat aber manchmal zwei Gedanken auf einmal, provoziert bei seinen Trainern und Fans ähnliche Genervtheit wie bei Florentine Böllemann in Die Rache der Enterbten, einer Kultkomödie aus den Achtzigern. Die, dargestellt von Didi Hallervorden, kommandiert ihren Gatten, einen Staubsaugervertreter, stets mit dem Satz herum: "Rüdiger, du bringst mich noch ins Grab!" Bis der sie tötet, übrigens. So weit sollte es hier nicht kommen.

Für wen lief es gut?

Für Leon Goretzka, den Noch-Schalker, der wohl bald zu Bayern geht. Er war der aktivste und gefährlichste der Jogi-Elf. Das hätten locker zwei Tore werden können. Auch was das Riesentalent Julian Draxler zeigte, diesmal Kapitän, war ganz nett. Was ein Fortschritt war, denn was er früher gezeigt hatte, war ja auch schon mal unnett. Kimmich werden wir auch wiedersehen. Er war für den Ausgleich zuständig. Einen Abpraller beförderte er fast schon spektakulär mit dem Rücken zum Tor und im Fallen ins selbige. Dann stand er auf und fiel wieder hin. Ein experimenteller Jubel? Nein, ein Krampf.

Wie war Dänemark?

Fast auf den Tag genau vor 25 Jahren besiegte der kleine Nachbar den Weltmeister Deutschland im EM-Finale 2:0. Die Mannschaft hatte den Ruf einer Freizeittruppe, weil sie aus politischen Gründen kurzfristig für Jugoslawien eingesprungen war. Die zwei Tore liefen nun noch mal im Fernsehen und man musste sich fassungslos fragen: Was bitte macht der junge Effenberg vor dem ersten Tor? Hatte er geglaubt, er gehört zu denen, denen Dänen alles durchgehen lassen?

Die Dänen waren aber mal noch stärker. Der Sieg 1992 war ein Außenseitersieg. 1986 jedoch besiegten sie die Deutschen in der WM-Vorrunde völlig verdient 2:0. Überhaupt hatten sie in den Achtzigern die besseren Fußballer, etwa den kettenrauchenden Preben Elkjaer-Larsen, Sören Lerby oder die Laudrup-Brüder, wunderbare Offensivfußballer. Als Gutmensch musste man sie lieber haben als die deutschen Panzer.

Inzwischen ist Dänemark auf Rang 51 der Weltrangliste gefallen, war zuletzt 2012 bei einem großen Turnier. Selbst gegen die deutsche B-Elf muss die Mannschaft mauern, obwohl sie fast in Bestbesetzung antrat. Beim Ausgleich der Deutschen befanden sich neun der zehn Feldspieler Dänemarks im eigenen Strafraum. Der zehnte stand knapp davor.

Was war das Zitat des Abends?

"Wir sind mehr oder weniger vom Strand gekommen."

Sandro Wagner