LeBron James muss gerade kämpfen. In der Finalserie der NBA hat der beste Basketballer der Welt mit seinen Cleveland Cavaliers in der Nacht zum Donnerstag das dritte Spiel hintereinander verloren. Seine Gegner, die Golden State Warriors, brauchen jetzt nur noch einen Sieg, um NBA-Champion zu werden. Doch nicht weniger dürfte James und Sportamerika derzeit ein anderes Thema umtreiben.

Unbekannte hatten kurz vor Beginn der Finals ein rassistisches Graffiti auf das Einfahrtstor seines Anwesens in Brentwood, Los Angeles, gesprüht. Offiziell wurde die Schmiererei als Hasskriminalität klassifiziert, von einem beleidigenden Schriftzug war meist die Rede. Nun: "NIGGERS" war im Plural in weißen Großbuchstaben auf schwarzem Grund zu lesen. Eine Bezeichnung, die, so viel ist klar, nicht nur James gilt, sondern sich unmissverständlich an alle Afroamerikaner richtet.

James weiß, dass auch er, als einer der berühmtesten Sportler der Welt, den Effekten des Rassismus schwer entkommen kann. Aber er kann sich zumindest gegen Rassismus aussprechen und dagegen ankämpfen. Deshalb hat er sich auf großer Bühne mit dem Vorfall auseinandergesetzt. "Ganz egal, wie viel Geld du hast, wie berühmt du bist, wie viele Menschen dich auch bewundern – schwarz zu sein in Amerika, ist schwierig. Wir haben noch einen weiten Weg vor uns, als Gesellschaft und wir als Afroamerikaner, bevor wir uns in Amerika gleichberechtigt fühlen", sagte er. "Es zeigt sich einfach, dass Rassismus immer ein Teil der Welt und ein Teil Amerikas sein wird. In Amerika ist Hass, besonders für Afroamerikaner, eine Alltagserfahrung. Auch wenn er meistens verborgen erscheint – die Leute verdecken ihre Gesichter, sagen Dinge über dich, und wenn sie dich sehen, lächeln sie dir ins Gesicht – ist er täglich präsent."

Ein selbstbewusster schwarzer Mann in einem wohlhabenden weißen Vorort

Als machtbewusster und meinungsstarker schwarzer Sportler solidarisiert er sich so mit den zahllosen Menschen, die alltäglich Diskriminierung erfahren, dabei weniger privilegiert sind und kaum Gehör finden. Bei seiner Pressekonferenz brachte er auch Emmett Till ins Gespräch. Den schwarzen Jungen, der 1955 in Mississippi mit 14 Jahren brutal ermordet wurde und seither emblematisch für rassistische Hassverbrechen und weißen Terror steht. "Genau genommen denke ich zurück an Emmett Tills Mutter", sagte James. "Einer meiner ersten Gedanken kreiste um sie; der Grund dafür ist, dass sie auf einen offenen Sarg bestand, weil sie der Welt zeigen wollte, was ihr Sohn hinsichtlich des erlittenen Hasses und als Schwarzer in Amerika durchmachen musste."

Wie dieser Mutter geht es James nun darum, zu sensibilisieren, sichtbar zu machen, welcher Hass Afroamerikanern, ihren Körpern und Besitztümern, seit jeher entgegenschlägt. "Wenn es jemanden braucht, der mein Tor ansprüht, diese abwertende Bezeichnung benutzt, meine Familie dem Hass aussetzt, um ein Licht auf ein wirkliches Problem zu werfen, dann sei es so."

James ist kein Prototyp des politischen Athleten, kein zweiter Muhammad Ali, dessen T-Shirt er bei dem Pressegespräch anzog und nach dessen Tod er vor einem Jahr sagte: "Menschen vergessen die Meisterschaften und all die anderen Dinge, die du erreicht hast. Aber sie werden niemals vergessen, welche Gefühle du ihnen gegeben hast." Aber James ist immerhin einer, der sich einbringt und auf seine Weise aktivistisch tätig wird. Nicht zuletzt als selbstbewusster schwarzer Mann, der in Brentwood lebt, einem wohlhabenden, weißen Wohnort am Fuß der Santa Monica Mountains. Einer exklusiven Nachbarschaft, in der einst auch das gefallene amerikanische Sportidol O. J. Simpson wohnte.

James ist nicht der erste prominente Sportler, dem in der weißen Vorstadt eine Auseinandersetzung mit Rassismus aufgezwungen wurde. Dem Schwergewichtsweltmeister Jack Johnson blieb in den 1910er Jahren in Wisconsin der Hauskauf verwehrt. Dem Baseballpionier Jackie Robinson passierte das in den 1950er Jahren in Connecticut und New York. Bill Russell, der mit dem Basketballrekordmeister der Celtics in 13 Jahren elf NBA-Meisterschaften feierte, zog Mitte der 1960er in einen Bostoner Vorort. Es folgten Proteste, eine Petition, in sein Haus wurde eingebrochen, das N-Wort an die Wände gesprüht und weiterer Sachschaden angerichtet. Um ihn aus der Gemeinde zu drängen, vergifteten die Nachbarn des Basketball-Hall-of-Famers Lenny Wilkens in St. Louis gar dessen Hund.

Nicht nur der Trump-Effekt

Auch in späteren Jahren waren derartige Konfrontationen und Übergriffe oft Realität. Der NBA-Profi Dee Brown, der 1990 mit seiner Partnerin in einer weißen Vorstadt auf Haussuche war, wurde gewaltsam festgenommen, weil er mit einem gesuchten Straftäter verwechselt worden war. Nach der US-Wahl 2016 verwüsteten Unbekannte das Haus des Footballprofis Nikita Whitlock, sprühten "Trump", "KKK", Hakenkreuze und "Geh zurück nach Afrika" an die Wände. Whitlock gab daraufhin zu Protokoll: "Wenn du schwarz bist, wird dir so etwas passieren. Das steht uns 2017 bevor: Unterdrückung, Gewalt, Rassismus, Hass."

Doch es ist nicht nur der Trump-Effekt. Schwarze Sportstars erhalten schon seit mehr als hundert Jahren Hassbriefe und Morddrohungen. Im vergangenen Jahrzehnt hat sich der Effekt durch Social Media verstärkt. Sportler wie James oder der Footballer Colin Kaepernick, der sich vor den Spielen weigerte, sich während der Nationalhymne zu erheben und damit gegen Polizeigewalt und Rassismus demonstrierte, polarisieren, weil sie gesellschaftspolitisch Stellung beziehen und aussprechen, was vielen weißen Amerikanern nicht gefällt.

Smarte schwarze Männer mit sozialem und ökonomischem Kapital gelten aus der Sicht einiger weißer Männer als Projektionsfläche ihrer eigenen Unterlegenheit. Sie gilt es, in die Schranken zu weisen. An den allgegenwärtigen Stars können Apologeten des weißen Amerikas ihre Komplexe und Ressentiments frei ausleben.