Der Trainer ist angeblich die wichtigste Person in einem Fußballverein. Das sagen ganz viele in der Bundesliga. Er ist so wichtig, könnte man dieser Tage frotzeln, dass er stets als erster fliegt. Wie in Schalke, wo nun Markus Weinzierl entlassen wurde. Oder in Dortmund, wo Thomas Tuchel vorige Woche rausflog. Leverkusen hat an diesem Freitag Tayfun Korkut durch Heiko Herrlich ersetzt. Korkut war wohl ohnehin nur ein kurzfristiger Ersatz für Roger Schmidt, von dem sich der Verein vor wenigen Monaten getrennt hatte.

Dortmund, Schalke und Leverkusen sind nicht irgendwelche deutschen Vereine. Sie sind die drei Großen nach den Bayern. Im vergangenen Jahrzehnt nahmen sie je alle zwei Jahre an der Champions League teil, öfter war aus Deutschland nur Bayern dabei. In der Bundesliga könnten Dortmund, Schalke und Leverkusen Bayernjäger sein. Doch sie stehen unter Druck. Das Bundesliga-Mittelfeld aus Köln, Berlin und Frankfurt ist besser geworden, Leipzig und Hoffenheim sind neue Konkurrenten.

Die drei Fälle haben natürlich unterschiedliche Facetten, aber auch etwas Gemeinsames: Sie stehen für die fragliche, aber im Fußball beliebte Methode von Versuch und Irrtum. Eine Strategie ist was anderes. Gleichzeitig sind sie ein Beleg dafür, dass sich die Bundesliga schwer tut, Spitzenqualität zu erreichen.

In Schalke warf Christian Heidel seinem Trainer vor, er habe kein Konzept erkannt. Das Konzept des Managers war ebensowenig zu erkennen. Auch unter ihm feuert Schalke Trainer und kann Talente nicht halten. Max Meyer verlängert seinen Vertrag nicht, Leon Goretzka wird wohl bald gehen. Und von Heidels teuren Einkäufen stachen die wenigsten heraus. Der ehemalige Mainzer muss erkennen: Es ist schwerer, eine Spitzenmannschaft zu verstärken, als ein Team aus dem Mittelfeld. Schalke ist nicht Mainz. Eine Floskel mit Tiefe.

Leverkusen erreichte unter Schmidt zwar zweimal die Champions League, aber da war spätestens im Achtelfinale Schluss. In den Titelkampf ist der Verein mit ihm nicht eingestiegen. Mit Korkut wäre Bayer 04 sogar fast abgestiegen. Und der BVB schien überrascht, was für ein Typ Tuchel ist. Der Verein hat es dann nicht geschafft, gemeinsam mit seinem Trainer die Dortmunder Talentsammlung zu Größerem zu führen. Mängel im Zusammenspiel zwischen Vorstand und Trainer – ein generelles Problem der Bundesliga. Für die Güteklasse fehlt in den Führungsetagen offenbar das Know-how.

Wer redet noch von Slomka, Stanislawski, Babbel, Oenning?

Das müssen sich auch die deutschen Trainer sagen lassen. Tuchel, Schmidt und Weinzierl wurden ihrem hohen Ruf allenfalls zum Teil gerecht. Bei den ehemaligen Meistertrainern Veh, Schaaf und Magath meldet sich eh kaum einer mehr, auch nicht bei der Generation, die sie vor etwa einem Jahrzehnt abzulösen schien. Wer redet noch von Slomka, Stanislawski, Babbel, Pezzaiuoli oder Oenning? Von Jürgen Klopp vielleicht abgesehen gibt es keinen deutschen Trainer, den man zur ersten internationalen Liga zählt. Vermutlich werden sie einfach deshalb so oft entlassen, weil sie nicht gut genug sind.

Daher ist es ein hoffnungsfrohes Zeichen, dass am Tag der großen Trainerrotation einer seinen Vertrag verlängert: Julian Nagelsmann. Dass er tatsächlich bis 2021 in Hoffenheim bleibt, wie es das Papier besagt, glauben zwar die wenigsten. Aber er hätte längst woanders unterschreiben können, auch Dortmund war offenbar an ihm interessiert. Anfangs als "Schnapsidee" bespöttelt, ist überall bekannt, dass der immer noch erst 29-Jährige mit seinem Fachwissen und seiner lebensfrohen Art den ganzen Verein zum Guten verändert hat. Es spricht aber auch für die TSG, die auch lange ein Trial-and-Error-Club war, dass er dort reifen konnte.

Jetzt kann man das Spiel "Such den Nagelsmann!" beobachten. Wie man hört, ist Schalke an Domenico Tedesco interessiert. Noch ein Junger aus der Hoffenheim-Schule, noch einer mit Einser-Diplom. Das kann gut gehen, ist jedoch riskant. Tedesco hat den Zweitligisten Aue gerettet. Aber Schalke ist nicht Aue. Schon seine Leistungen bei der U19 von Hoffenheim waren eher mittelprächtig. Dortmund versucht es mit einem Holländer, Peter Bosz, Leverkusen mit Heiko Herrlich, der mit Regensburg zweimal nacheinander aufstieg, Jahre zuvor aber in der Bundesliga mit Bochum gescheitert war.

Neues Spiel, neues Glück. Doch nur Fans dürfen glauben, dass eine neue Saison bei null beginnt. Leistung entsteht auch im Fußball meist, wenn Menschen klug angeleitet und längere Zeit zusammenarbeiten. Den Reset-Knopf gibt es nicht.