Jedes Jahr im Frühjahr geht sie bei vielen Erstligisten um: die Abstiegsangst. Alles, wirklich alles wird versucht, um die Liga zu halten. Wenn es nicht klappt, fließen Tränen bei Fans, Spielern und Verantwortlichen. Als ob die Vereine nun am Höllentor stünden, dabei geht es nur in die Zweite Liga. Und dort kann es netter sein, als viele vermuten.

Wenn am Freitagabend Bochum und St. Pauli die neue Saison der 2. Bundesliga eröffnen, geht die Liga in ihr 44. Jahr. Sie ist erfolgreicher und beliebter denn je. Was die Gunst der Zuschauer angeht, hat sie nicht nur alle anderen deutschen Sportligen abgehängt, sondern kann auch mit europäischen Fußball-Spitzenligen konkurrieren. Klar, Sponsoren und TV-Sender zahlen Zweitligavereinen deutlich weniger, aber zumindest atmosphärisch braucht niemand Angst vor dem Abstieg zu haben.

Als die 2. Bundesliga 1974 gegründet wurde, sollte sie die Lücke zwischen Profi- und Amateurbereich schließen. Vor allem sollte sich so etwas wie der Bundesliga-Skandal 1971 nicht wiederholen. Damals manipulierten zahlreiche Spieler, Trainer und Funktionäre verschiedener Vereine die Spiele. Ein wichtiger Grund: die Angst vor dem wirtschaftlichen Ruin nach einem möglichen Abstieg. Von der Bundesliga ging es damals noch direkt in den Amateurbereich, in eine der fünf Regionalligen. Wer von dort wieder aufsteigen wollte, musste nach der regulären Saison in eine Relegationsrunde, nur zwei Vereine stiegen am Ende auf.

Manchmal auch 46 Spieltage

1974 wurde die Zweite Liga zunächst in einer Nord- und einer Südstaffel mit jeweils 20 Mannschaften ausgespielt. Die Tabellenführer stiegen direkt auf, die Zweitplatzierten spielten den dritten Aufsteiger untereinander aus. Erst 1981 wurde die Liga eingleisig und professionalisierte sich. Wer sich qualifizieren wollte, musste technische Voraussetzungen erfüllen. Die Stadien mussten mindestens 15.000 Zuschauer fassen und Flutlicht haben. An diesem Modell änderte sich bis 1991 nichts.

Als die Mannschaften der ehemaligen DDR-Oberliga in die Bundesligen integriert wurden, erhöhte sich die Teilnehmerzahl zeitweise auf 24 Mannschaften. Um zu viele Spieltage zu vermeiden, wurden wieder zwei Staffeln gebildet. Auf Wunsch der Vereine wurde schon 1992 wieder eingleisig gespielt – an 46 Spieltagen. Erst in der Saison 1994/95 erreichte die Liga schließlich ihre heute noch aktuelle Zahl von 18 Mannschaften.

Weil seit Mitte der neunziger Jahre zahlreiche Erstligavereine wie Eintracht Frankfurt, Kaiserslautern, Köln oder Mönchengladbach ab- und nur teilweise wieder aufstiegen, wurde das Interesse an der Zweiten Liga größer. Seit einigen Jahren etablieren sich ostdeutsche Vereine wie Union Berlin oder Dynamo Dresden in der Liga. Auch deren viele Fans tragen zum Erfolg der Liga bei.

Mittlerweile gehört die 2. Bundesliga damit zu den beliebtesten europäischen Fußballligen. In der vergangenen Saison besuchten durchschnittlich 21.747 Zuschauer ein Zweitligaspiel. Damit ist die 2. Bundesliga besser besucht als die französische Ligue 1 (21.080) und kommt in die Nähe von Italiens einst glanzvoller Serie A (22.007). Die meisten Zuschauer zog übrigens im vergangenen Jahr der VfB Stuttgart an, durchschnittlich 50.717 pro Heimspiel. Damit gehört der VfB zu den 20 bestbesuchten Clubs Europas – und das als Zweitligist.

Im Vergleich ist die 2. Bundesliga den Zweiten Ligen anderer europäischer Länder mittlerweile mit Abstand voraus. Einzig die englische Championship kann diesem Trend folgen (22.119). Die Zweiten Ligen aus Italien, Spanien und Frankreich konkurrieren bei den Zuschauerzahlen inzwischen eher mit der deutschen Dritten Liga, obwohl diese erst seit 2008 besteht.

Andere deutsche Bundesligen im Basketball oder Handball sind im direkten Vergleich weit abgeschlagen. Ein Spiel der Basketball-Bundesliga wollten in der vergangenen Saison im Schnitt 4.424 Zuschauer sehen. Ein Handballspiel nur 4.884.