"Sei dabei!", heißt es auf der Mitgliederseite von Hannover 96. "Niemals allein – wir gehen Hand in Hand", ist dort weiter geschrieben. Das scheint nicht für jeden zu gelten. Überhaupt nicht willkommen sind derzeit 120 Fans, die unbedingt beim Bundesliga-Aufsteiger Mitglied werden wollen. Aber nicht dürfen. Es scheint, sie sind nicht erwünscht, weil sie eine andere Meinung vertreten als der Clubboss Martin Kind.

Die Fans wurden zum Ende der vergangenen Saison von der IG Pro Verein 1896 geworben, ihre Anträge nach dem Aufstieg Ende Mai gebündelt in der Geschäftsstelle von Hannover 96 abgegeben. Normalerweise werden die Anträge innerhalb weniger Wochen bearbeitet, in diesem Fall aber gab lange keine Rückmeldung. Am Donnerstag bekamen jedoch so gut wie alle der 120 Antragsteller überraschend einen Ablehnungsbescheid. "Vielen Dank für Ihren Mitgliedsantrag, den wir erhalten und satzungsgemäß geprüft haben. Wir haben uns dazu entschieden, Ihren Aufnahmeantrag abzulehnen." Eine offizielle Begründung gab es nicht.

Martin Kind, der Boss von 96, sagte dem Sportmagazin Sportbuzzer lediglich: "Wir bestätigen, dass wir im Interesse des Vereins Hannover 96 die Entscheidung getroffen haben, 119 Mitgliedsanträge abzulehnen." Darüber hinaus möchte sich der Club auch auf Nachfrage nicht äußern.

Wer eins und eins zusammenzählt, erkennt recht schnell, was "im Interesse des Vereins" bedeutet. Es geht wohl um die sogenannte 50+1-Regel. Die Regel besagt, dass der Einfluss von Investoren in Fußballclubs beschränkt ist und der Verein das letzte Wort hat. Um die Regel wird im deutschen Fußball stets viel gestritten, besonders Fans ist sie heilig, sie fürchten sonst einen Ausverkauf ihres Vereins, ja ihres Sports.

In Hannover aber könnte diese Regel bald fallen. Wenn sich ein Investor nämlich mehr als 20 Jahre im Verein engagiert, greift eine Ausnahmeregelung. Martin Kind ist seit 1997 dabei. An den Plänen des Hörgeräteherstellers, Ernst zu machen, zweifelt kaum jemand. Ende Juni hatte Kind dem kicker gesagt, wenn möglich noch in diesem Jahr die restlichen Anteile an der Lizenzfußball-Gesellschaft von Hannover 96 kaufen zu wollen.

Nur: Letztendlich entscheiden darüber die Vereinsmitglieder. Ein auf der letzten Mitgliederversammlung eingebrachter Antrag, die Satzung zu verändern, um eine Mehrheit für Kind zu verhindern, scheiterte zwar knapp an der erforderlichen Zweidrittelmehrheit. Angenommen wurde allerdings ein weiterer Antrag, der besagt, dass Kind seinen Übernahmeantrag noch einmal den Mitgliedern zu Abstimmung und Freigabe vorlegen muss.

Ein Großteil der 120 abgelehnten Mitglieder gilt jedoch als Gegner der Kind'schen Übernahme. "Selbstverständlich ist die '50+1'-Regel eines der Hauptanliegen der Interessengemeinschaft, aber viele unserer Mitglieder wollen prinzipiell erst einmal das Beste für unseren Verein", sagt ein Sprecher der IG Pro Verein. Im Raum steht nun, dass der Club kritische Fans bewusst aussperrt, um die Pläne von Martin Kind nicht zu gefährden.

Der Rechtsanwalt Andreas Hüttl, der die Ablehnungen via Twitter publik machte, sagt: "Das ist eine unglaubliche Situation, die an der grundsätzlichen Eignung der Verantwortlichen zweifeln lässt."