American Football ist nicht gut für das Gehirn. Die National Football League (NFL) hat eingeräumt, dass ein Zusammenhang zwischen der Sportart und CTE, einer degenerativen neurologischen Erkrankung, besteht. Eine Studie von US-Forschern liefert neue Erkenntnisse, wie groß die Verbindung zwischen dem Sport und der Erkrankung sein könnte: Bei 99 Prozent der untersuchten NFL-Spieler konnten die Wissenschaftler eine Erkrankung nachweisen, wie die New York Times berichtete.

Ann McKee, Chefin der Neuropathologie des Krankenhausverbunds VA Boston Healthcare System und Direktorin des CTE Centers an der Boston University, leitete die Studie, die im Journal of the American Medical Association veröffentlicht wurde. Mithilfe der weltweit größten CTE-Hirndatenbank untersuchten Wissenschaftler die Gehirne von 202 verstorbenen ehemaligen Footballspielern. Darunter sind neben den 111 Profispielern aus der US-amerikanischen Liga auch Spieler aus anderen Ligen, etwa aus der kanadischen Football-Liga oder auch aus College- und Highschool-Teams. In 87 Prozent der Gehirne zeichnet sich die Erkrankung mit CTE ab, unabhängig von der Spielerposition.

Unter CTE versteht man eine Chronisch-traumatische Enzephalopathie. Diese degenerative Gehirnerkrankung wird auch Boxer-Syndrom genannt und durch wiederholte Blutungen im Gehirn hervorgerufen. Kleinere Verletzungen sammeln sich im Lauf der Zeit an und können Gedächtnisverlust, Verwirrung, Depressionen und Demenz verursachen. Die Symptome können noch Jahre nach Ende einer Sportlerkarriere auftreten. Mit Sicherheit feststellen lässt sich CTE erst nach dem Tod eines Menschen. Bei der Erkrankung wird ein bestimmtes Protein im Gehirn aufgebaut.

Die Studie könne nicht als repräsentativ gewertet werden, sagte McKee, da die Gehirne den Wissenschaftlern von Angehörigen der Sportler zur Verfügung gestellt werden müssten. Das sei wahrscheinlicher, wenn es zu Lebzeiten der Betroffenen bereits Auffälligkeiten in Verbindung mit einer CTE-Erkrankung gegeben habe. Dennoch sei das Ergebnis der Analyse eindeutig: Insgesamt sind seit Beginn der Untersuchungen der Boston University rund 1.300 ehemalige NFL-Spieler gestorben. Selbst wenn alle nicht untersuchten Spieler keine degenerative Gehirnerkrankung vorweisen würden – was auszuschließen sei –, läge der Anteil an Erkrankten bei neun Prozent und damit deutlich über dem Durchschnitt der Gesamtbevölkerung. Man könne nicht länger diskutieren, ob es ein Problem im Football gebe, sagte McKee. Das Problem sei offensichtlich.