Es ist ein faszinierendes Bild. Ein junger Mann hält in seiner linken Hand eine bengalische Fackel. Ihre bläulich-weiße Flamme erhellt die dunkle Umgebung. Die Finger seiner rechten Hand hält der Mann direkt in die Flamme. Ihm passiert nichts.

Der junge Mann heißt Lasse Bauer und ist Fanbeauftragter des dänischen Erstligisten Brøndby IF. Mit einer Fanvertreterin aus Schweden und Norwegen sitzt er in der vorvergangenen Woche auf der Bühne des Europäischen Fußballfankongresses in Gent, der Vizepräsident des MLS-Clubs Orlando City ist per Skype zugeschaltet. Es geht um alternative Pyrotechnik.

Pyrotechnik polarisiert. Für Fans und Ultras ist sie ein Teil ihrer Identität und Kultur. Mit bengalischen Feuern drücken sie Gefühle aus und sehen sie als legitimen Teil raffinierter Stadionchoreografien. Für Polizei und Verbände ist Pyrotechnik dagegen ein Gefahrenherd, eine potenzielle Waffe, die mit Verboten und Strafverfahren verfolgt werden muss. Für die Vereine ist Pyrotechnik lästig, weil sie stets zahlen müssen, wenn ihre Fans zündeln, auch wenn einige Vereinsvertreter hinter vorgehaltener Hand von der durch die Feuer erzeugte Stadionatmosphäre schwärmen. Dass der DFB 2011 Gespräche mit Fans über eine mögliche Legalisierung bestimmter Arten von Pyrotechnik platzen ließ, ist bis heute ein Grund dafür, warum das Verhältnis zu den organisierten Fans derzeit schwieriger ist denn je.

Pyro? Selbstverständlich!

Ob Pyrotechnik zur Fankultur gehört, wird in Gent nicht diskutiert. Das ist für alle Anwesenden selbstverständlich. Man sucht nach Lösungen. Die neueste Idee ist Lasse Bauers "kalte" Fackel. Sie ist ein Zufallsprodukt. Ein dänischer Pyrotechniker verfolgte vor zwei Jahren die Debatte. Weil er selber keine Spiele besuchte, ihn die Kreativität der Choreografien aber begeisterte, bot er einem dänischen Fanverband eine Lösung an, die es den Fans erlaubt, kreativ zu sein, aber gleichzeitig die Gefahren minimiert.

Bauer kontaktierte den Mann und teilte ihm Brøndbys Interesse mit: "Brøndby ist der dänische Verein mit den meisten Strafen für Pyrotechnik, deswegen war mein Geschäftsführer offen für alle Vorschläge."

Den Prototypen gab Bauer den Brøndby-Ultras zum Test. Er war ihnen zunächst nicht hell und intensiv genug. Der Verein entwickelte mit dem Pyrotechniker ein stärkeres Modell, achtzehn Monate dauerte das. "Wir haben es getestet und sind zum Schluss gekommen, dass das eine Fackel ist, die wir zu unseren Spielen verwenden können", sagt Bauer. Sofort nach der Produktvorstellung bekam er massenhaft Aufträge von Fanverbänden, Vereinen und Ligen aus Dänemark und Schweden.

Scandinavia on fire

Wie Rauchdosen gehört die neue Fackel nach dänischem Gesetz zur Gruppe "kalter Pyrotechnik". Nach Anmeldung können sie legal im Stadion angewandt werden, ohne dass Gesetze geändert werden müssen. "Und sie ist sicher", sagt Bauer. Vor Kurzem hat sie von der deutschen Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung sogar eine CE-Kennzeichnung erhalten, genügt so den geltenden Anforderungen und Harmonisierungsrechtsvorschriften der Europäischen Union. Sie ist europaweit zugelassen. Noch in diesem Jahr soll es einen Stadiontest mit Tausenden dieser Fackeln im Brøndby-Stadion geben.

Auch andernorts hat man gute Erfahrung mit alternativer Pyrotechnik gemacht. In den USA hat Orlando City mit den lokalen Behörden und der örtlichen Feuerwehr das Konzept einer Smoke Device Area ins Leben gerufen. Fans, die zuvor an einem Sicherheitstraining teilgenommen haben, dürfen vor dem Anpfiff bunten Rauch eines zertifizierten Anbieters zünden, der nicht krebserregend oder toxisch ist.

Ausgewiesene Pyrotechnikbereiche, in denen Fans nach Anmeldung legal zünden dürfen, gibt es seit 2005 auch in Norwegen. Während die Polizei von Anfang an ihre Zustimmung gab, haderte die Feuerwehr. Die von den Fans bevorzugten Fackeln werden sonst eigentlich als Notsignale auf hoher See verwendet, für das Stadion sind sie nicht vorgesehen. Um dieses Hindernis zu umgehen, haben die norwegischen Fans einfach Fackeln im Ausland zu "Stadionfackeln" umetikettieren lassen und wieder importiert.