Gut zu sehen war es an Hasan Salihamidžić. Eigentlich soll der neue Bayern-Sportdirektor mahnen und streng sein. Glaubt man Uli Hoeneß, macht er seinen Job auch. Der attestierte Salihamidžić vor Kurzem, mehr zu sammern als sein Vorgänger Sammer selbst. Nach nur sechs Wochen. Und Hoeneß legte vor dem Bundesligastart noch nmal nach: Salihamidžić sei auf dem Weg zur Königslösung. Das Schöne an diesem Abend war: Man konnte es sofort überprüfen.

Als Salihamidžić nach dem mühsamen 3:1-Auftaktspiel gut gelaunt ins ZDF-Studio kam, sagte er: "Der Trainer wird schon sagen, was falsch lief." Er dagegen verschwieg es, lachte nur und wippte von einem Fuß auf den anderen. Man müsse sich halt noch steigern, hehe. Mehr Vokabeln standen offenbar noch nicht auf dem Sportdirektoren-Stundenplan. Selbst Bayernfans schämten sich dafür.

Dabei spielten die Bayern so, als würden sie nach der Sammer'schen Strenge lechzen. Zwar gewannen sie das Auftaktspiel der Bundesliga gegen Leverkusen mit 3:1. Doch es kann auch Salihamidžić nicht entgangen sein, dass ein Remis und sogar ein Leverkusener Sieg in der Allianz-Arena rumlagen. Bayer griff nur nicht zu.

Die Gäste schossen häufiger und besser aufs Tor, hatten eine bessere Passquote und annähernd so viel Ballbesitz wie die Münchner. Die Zeit, als selbst Bayernfans gähnten, weil Pep Guardiola sein Team zu 80 Prozent und mehr Ballbesitz trieb, ist nun wirklich vorüber. Es beginnt die Ära der Wurschtelsiege. Wurschteln sagt der Bayer, wenn es stottert, aber trotzdem klappt.

Nur die erste halbe Stunde des Eröffnungsspiels kannte man aus den Vorjahren: 2015 schickten die Bayern den HSV am ersten Spieltag mit 5:0 zurück in den Norden, 2016 dann Werder Bremen mit 6:0. 2017 genügten erst mal zwei Freistöße. Die beiden Neuzugänge Niklas Süle und Corentin Tolisso trafen. Und Süles Tor war made in Hoffenheim, der zweite Neuzugang aus Hoffenheim, Sebastian Rudy, bereitete nämlich vor.