Die neue Saison beginnt und natürlich ist manches gleich geblieben: Alle lachen über den HSV, der Ball ist rund und Peter Neururer sucht immer noch seine Bestimmung. Aber es gibt auch viel Neues. Hier das Wichtigste.

Neue Clubs

Zwei Traditionsclubs kehren zurück. Der VfB Stuttgart scheint den Unfall zweite Liga gut vekraftet zu haben. Mit Hannes Wolf trainiert ein junger Coach ein junges Team und noch bevor die Saison losging, gab es einen maximal zittrigen DFB-Pokal-Auftritt, erste Intrigen und einen Sportdirektoren-Wechsel. Stuttgart scheint bereit für die Daily Soap Bundesliga. 

Etwas schwerer über die Lippen kommt das Wörtchen Traditionsverein, wenn von Hannover 96 die Rede ist. Sicher, die ruhmreiche Vergangenheit kann sich der Hörgerätebauer Martin Kind nicht einverleiben. Das scheint aber das einzig Unverkäufliche zu sein. Klappt Kinds Kalkül, ist 96 bald ein lupenreiner Investorenclub. Zwar klagen Fans gegen das Ende von 50+1, doch bisher ist Kind im Recht. Gerhard Schröder sitzt ja zudem als Vorsitzender im Aufsichtsrat. Hannover hat gute Chancen, bald die Tabelle der Fieslinge anzuführen. 

Neue Spieler

204 Neuzugänge leisteten sich die 18 Erstligisten bislang. 483 Millionen Euro haben die bislang gekostet. Bis zum 31. August darf noch eingekauft werden, der Transferrekord aus dem vergangenen Sommer, als 547 Millionen zwischen Vereins-, Berater- und sonstigen Konten hin- und hertransferiert wurden, wird wohl fallen. Noch mal: eine halbe Milliarde Euro! Am teuersten war übrigens Corentin Tolliso, ein 22-jähriger Franzose, für den der FC Bayern 41,5 Millionen Euro nach Lyon überwies. Wer gute Spieler möchte, muss halt blechen. Vor allem, wenn sie aus der reichen Premier League kommen. Der VfB Stuttgart gibt dem Nationaltorhüter Ron Robert Zieler (4 Millionen) eine Chance, nachdem der bei Leicester kaum spielte. Und Havard Nordtveidt (8 Millionen) ist jetzt Hoffenheimer, zwischendurch trug der frühere Gladbacher das West-Ham-Leibchen. Kann ja mal passieren. Man freut sich sogar auf echte Stars. Auf den Kolumbianer James, den die Bayern aus Madrid ausliehen. Die zehn Millionen Euro, also ein ungefähr unversteuerter Ronaldo-Stundensatz, bewerten viele als Schnäppchen. Oder zeigt der Preis doch nur das, was er wert ist? In Dortmund ist der Trainer Peter Bosz der interessanteste Neuzugang. RB Leizpig konnte es sich leisten, einen möglichen Gewinn jenseits der 80 Millionen Euro auszuschlagen, in dem er Naby Keita nicht verkaufte. Ein ganz normaler Bundesliganeuling halt.


Neue Anstoßzeiten

Man muss es sich ja nur mal woanders vorstellen. In der Kirche zum Beispiel. Statt um 09:30 Uhr fängt der Gottesdienst an jedem dritten Sonntag und an den Tagen mit abnehmenden Halbmond um 11 Uhr an. Oder der Tatort. Im Juni um 20:30, im November bei Regen um 20:45 und den Rest des Jahres dann doch wieder um 20:15 Uhr. Anstrengend, oder? Genauso geht es Fußballfans gerade. Es gibt neue Anstoßzeiten. Bislang wurde am Freitag um 20:30 angepfiffen, am Samstag um 15:30 Uhr und um 18:30 Uhr und am Sonntag um 15:30 Uhr und 17:30 Uhr. Das bleibt weitestgehend. Sonntags wird ab jetzt um 18 Uhr gespielt, doch zusätzlich fünfmal um 13:30 Uhr. Ebenso oft am Montag um 20:30 Uhr. Ätzend, sagen viele Fans, noch nicht genug, sagte die DFL und vergab auch noch die TV-Rechte neu. Sky verlor sein Exklusivrecht auf die Livespiele, Eurosport übernimmt nun den Freitag, die 13:30-Uhr-Spiele am Sonntag und den Montag. Wäre der Fan nicht so ein hoffnungslos verliebter Fall und würde trotzdem immer wieder einschalten, könnte man fast meinen, dass man ihm übel mitspielt.

Neue Regeln

Schon George Orwell wusste in 1984: "Wer die Vergangenheit beherrscht, beherrscht die Zukunft. Wer die Gegenwart beherrscht, beherrscht die Vergangenheit." So gesehen sind die Bundesligaschiedsrichter der Weltherrschaft ein ordentliches Stück näher. Der neue Videoschiedsrichter hilft in Gegenwart und Vergangenheit gleichermaßen. Ab dieser Saison sitzen Referees vor einem Bildschirm in Köln und dürfen in strittigen Szenen (Tor, Elfmeter, Rote Karte oder Spielerverwechslungen) dem Schiri auf dem Feld soufflieren. Dann, wenn auf dem Bildschirm etwas zu erkennen ist, was dem Unparteiischen auf dem Feld entgangen ist. Die letzte Entscheidung trifft der im Stadion. "Unfug! Macht den Fußball kaputt! Zerstört den Spielfluss!", nölten viele. Kann sein, dass es nun etwas dauert, bis Entscheidungen getroffen werden, aber: In der Testphase lag der Mann am Schirm immer richtig. Der Videobeweis folgt dem hehren Ziel, das Spiel gerechter werden zu lassen. Es gibt Schlimmeres.

Neue Schiedsrichter

Nicht wenige glauben ja, das die Hitzköpfigkeit 22 schwitzender junger Männer am einfachsten von einer Dame eingefangen werden kann. Vielleicht haben sie Recht. Bibiana Steinhaus pfeift ab dieser Saison in der ersten Liga. Und auch für diese Herren kann für diverse Gesänge der Parkplatz des Autos recherchiert werden: Martin Petersen, Sven Jablonski und Sören Storks. Herzlich Willkommen in der Bundesliga.