Noch bis zum Sonntag läuft die Leichtathletik-WM in London. Wie viel die Siege dort wert sind, wird man erst in ein paar Jahren wissen. Zuletzt mussten viele Gewinner ihre Medaillen wieder zurückgeben, weil sie mit Dopingmitteln erwischt worden waren. Das ist schlimm, aber etwas Schönes hat die Doperei ja: So kreativ, wie betrogen wird, so kreativ sind die Ausreden. Wir haben die zehn schönsten gesammelt.

Platz 10: Dieter Baumann 

Längst eine Legende ist Dieter Baumann, der "weiße Kenianer", allerdings nicht nur wegen seines Olympiasiegs 1992 über die 5.000 Meter. Sieben Jahre später wurde er positiv auf den Wirkstoff Nandrolon getestet. In seiner Zahnpasta wurde später Norandrostendion gefunden, die "Zahnpastaaffäre" war geboren. Der Deutsche Leichtathletik-Verband sprach Baumann vom Vorwurf des Dopings frei, der Internationale Leichtathletik-Verband sperrte ihn jedoch für etwa anderthalb Jahre. Aber wie das so manchmal ist bei abstrusen Ausreden, einige könnten auch stimmen. Der Doping-Experte Werner Franke jedenfalls, der nicht dafür bekannt ist, allzu zimperlich mit Dopingsündern umzugehen, erklärte, er glaube an Baumanns Unschuld. Möglicherweise habe jemand Baumann, der sich immer energisch gegen Doping ausgesprochen hat, etwas untergejubelt. Dieter Baumann selbst trat nach seiner Karriere als Kabarettist auf. Seine Tochter Jackie ist Hürdensprinterin und schied im Vorlauf der WM 2017 in London aus.

Platz 9: Alberto Contador

Ein Klassiker, das Essen war‘s. Der berühmteste Fall ist wohl der von Alberto Contador. Der spanische Radprofi wurde 2010 mit dem Kälbermastmittel Clenbuterol im Blut während der Tour de France erwischt. Ein Stück Fleisch sei Schuld gewesen, behauptete Contador. Die Argumentation verfing nicht, auch weil hinterher bekannt wurde, dass ihn spanische Radsportfunktionäre persönlich auf diese Verteidigungsstrategie hingewiesen hatten. Contador wurde knapp zwei Jahre gesperrt, sein Tour-Titel 2010 wurde ihm aberkannt. Nach seinem Comeback 2015 gewann er den Giro d'Italia, in diesem Jahr wurde er Neunter bei der Tour de France, am Montag gab er sein Karriereende bekannt. Der deutsche Tischtennisspieler Dimitrij Ovtcharov wurde dagegen vom Vorwurf des Dopings freigesprochen. Auch bei ihm wurde Clenbuterol gefunden. Er gab an, in China verunreinigtes Fleisch gegessen zu haben. Der deutsche Tischtennisbund und schließlich auch die Wada glaubten ihm. Indizien sprachen für ihn und: Clenbuterol kann zittrige Hände verursachen, für Tischtennisspieler wenig optimal.

Platz 8: Mario De Clercq

Du hast gedopt? Blöderweise Wachstumshormone dabei und Notizbücher mit Trainingsplänen und Hämatokritmesswerten und bist zusammen mit einem Tierarzt in einen großen Dopingskandal verwickelt? Sag einfach, du schreibst ein Buch! Wie der belgische Radsportler Mario De Clercq. Als er 2003 mit fünf Sportlern aufflog, behauptete er, er arbeite an einem Roman zum Thema, deshalb die Unterlagen. Es nützte nichts. De Clercq wurde 2005 für zwei Jahre gesperrt und musste 10.000 Schweizer Franken Strafe zahlen. Nach einem zusätzlichen Strafprozess wurde er zu einer Haftstrafe von zehn Monaten auf Bewährung verurteilt und musste 2.500 Euro zahlen. Ein Roman ist nie erschienen.

Platz 7: Floyd Landis

Und Schuld war doch nur der Wein, sangen schon die Wildecker Herzbuben. Auch Floyd Landis schien ein großer Fan der zwei Herzileins zu sein. Als er 2006 bei der Tour de France nach einer fulminanten Solo-Etappe positiv auf Testosteron getestet worden ist, sagte er, der Wert sei auf überhöhten Alkoholkonsum zurückzuführen. Am Tag davor war Landis, einer der Favoriten, nämlich eingebrochen und hatte viel Zeit verloren. Grund genug zum Frustsaufen. Zwei Bier und vier Whiskey seien es gewesen, er verwies auf eine entsprechende Studie, wonach Alkohol den Testosteronwert steigert. Nur glauben wollte Landis niemand. Sein Tour-de-France-Sieg wurde ihm aberkannt, er wurde für zwei Jahre gesperrt. Nicht wirklich vertrauensbildend war auch, dass Landis und sein Manager für einen Hackerangriff auf ein französisches Dopinglabor verantwortlich gemacht wurden. Erst 2010 gab Landis zu, die meiste Zeit seiner Karriere gedopt zu haben. Sein Lebensthema: Heute betreibt er das Floyd‘s of Leadville, einen Laden in Denver, Colorado, in dem er Marihuana und auf Marihuana basierende Produkte verkauft. Seine Zielgruppe sind Sportler.

Platz 6: Justin Gatlin 

Der Bad Boy der Leichtathletik schlug erst am Wochenende Usain Bolt über 100 Meter und wurde vom Londoner Publikum genüsslich ausgebuht. Gatlin wurde gleich zweimal wegen Dopings gesperrt, entsprechend flexibel musste er auch mit seinen Ausreden agieren. 2001, nachdem er positiv auf Amphetamine getestet worden war, gab er an, der Grund seien Medikamente, die er seit seiner Kindheit nehmen müsse, weil er an ADHS leide. Er wurde dennoch für zwei Jahre gesperrt. 2006 wurde er dann erneut positiv getestet. Dieses Mal soll ein hinterhältiger Masseur Schuld gewesen sein, der sich mit Gatlin verkracht hatte und quasi als Sabotageakt Testosteron in den Hintern Gatlins knetete. Hihi, Hintern. Um einer lebenslangen Sperre zu entgehen, kooperierte Gatlin  mit dem amerikanischen Antidopingbehörden, wurde Kronzeuge. Seine Sperre wurde auf acht Jahre reduziert, später auf nur vier Jahre halbiert. Seit 2010 läuft er wieder. Meist schneller als zuvor.