Chinas U20

Die Nachricht, dass Chinas U20 außer Konkurrenz am Spielbetrieb der Regionalliga Südwest teilnimmt, verursachte in der Sommerpause Aufruhr. Amateurvereine wie der FK Pirmasens, die aufgrund des komplizierten Regionalligasystems absteigen mussten, fühlen sich vom Verband im Stich gelassen. Waldhof Mannheim und andere Vereine werfen dem DFB Bevormundung vor. Der hatte seine Entscheidung getroffen, ohne sie mit den Vereinen diskutiert zu haben.

50+1-Regel

Die Angst vieler Fans, dass ihre Vereine an Investoren verkauft werden, soll durch die 50+1-Regel gebannt werden. Sie sichert den Vereinen Entscheidungsgewalt zu, auch wenn sie mehrheitlich im Besitz von Investoren sind. In Hannover kann man sehen, wie verbissen die unterschiedlichen Interessengruppen um Vereine kämpfen. Während der Mäzen Martin Kind bereits den Kauf zu seinen Gunsten vermeldet, wehren sich Fans juristisch. Dietmars Hopps Hoffenheim und Dietrich Mateschitz’ Leipzig sind weitere Beispiele mäzengeführter Vereine, die die 50+1-Regel untergraben, aber von den Verbänden hofiert werden. Hüter der 50+1-Regel ist eigentlich die DFL. Vor allem in der Anfangsphase von RB Leipzig hat aber auch der DFB in seinem Landesverband Sachsen immer wieder seine Regeln zugunsten von RB und zu Ungunsten der Konkurrenten außer Kraft gesetzt.

WM 2006

Das Sommermärchen ist nicht sauber. Viele Indizien sprechen sogar dafür, dass die WM 2006 gekauft war. Franz Beckenbauer kann oder will nicht erklären, wozu 6,7 Millionen Euro in dunklen Kanälen nach Katar floss. Dennoch behauptet der DFB-Chef Reinhard Grindel, dass die WM 2006 nicht gekauft war. Die Fans werfen dem DFB vor, nicht genügend für die Aufklärung zu tun, während er Fehlverhalten an anderer Stelle schnell und übertrieben bestraft.

Worum es in dem Protest nicht ging: Pyrotechnik, das traditionelle Thema der Ultras. Sie wissen wohl, dass die Fronten festgefahren sind. Auch wenn Andreas Rettig, der Geschäftsführer des FC St. Pauli, im Deutschlandfunk feststellte, dass man trotz immer härterer Strafen Pyrotechnik in den Stadien nicht verhindern könne und man sich vielmehr Gedanken machen solle, wie bei deren Nutzung der Schaden für alle anderen so gering wie möglich bleibe.

Auch der DFB-Chef Grindel war auf die Fans zugegangen. Mit seinem Dialogangebot vom vergangenen Mittwoch versuchte er die Proteste vor dem Start der neuen Spielzeit zu beschwichtigen. Auch die Rücknahme eines Gästeverbots an Hansa Rostock sollte die Situation entkrampfen. Das klappte nicht.

Innerhalb der Ultraszene haben die Proteste breite Zustimmung erhalten, sie werden jedoch nicht von allen geteilt. Die Ultras Gelsenkirchen veröffentlichten in ihrem Spieltagsflyer eine Erklärung, in der sie die Proteste als "blinden Aktionismus ohne ein klares Konzept und vor allem ohne eine notwendige Selbstreflektion in den eigenen Reihen" bezeichneten. Da sich jedoch Gruppen wie das Stuttgarter Commando Cannstatt oder die Ultras Nürnberg beteiligen, die jahrelange Erfahrung mit lokaler, regionaler und überregionaler Politik haben, kann man davon ausgehen, dass die Schalker Kritik ins Leere läuft. Wer sich in der Szene umhört, weiß: Das war's noch nicht. Der Protest wird weitergehen, er wird sogar vertieft.

Anmerkung: In der ursprünglichen Version dieses Artikels fehlte der folgende Transparenzhinweis: Der Autor war bis 2011 bei einer Ultra-Gruppierung von Dynamo Dresden aktiv.