Vielleicht darf eine Torfrau nicht zu viel nachdenken. Manuela Zinsberger, die Nummer eins der österreichischen Frauen, ist solch eine Type. Als kürzlich die Uefa mit einem eigenen Kamerateam im österreichischen Quartier in der holländischen Gemeinde Wageningen anrückte, um einen bei allen EM-Teilnehmern durchgeführten Spaßwettbewerb zu drehen, schnappte sich die junge Frau einen Pylonen aus Plastik. Und dann moderierte die Torhüterin kurzerhand auf Englisch die Gaudi, die daraus bestand, den Ball von der Strafraumlinie gegen die Latte zu schießen. 

Das Video über die Crossbar Challenge Austria wurde allein auf Facebook mehr als eine Million mal abgerufen. "Spannung und Konzentration, Spaß und Lockerheit – es braucht die richtige Balance", sagte die 21-jährige Torfrau.

"Zinsi" aus Stockerau in Niederösterreich, 34 Länderspiele, seit 2014 beim FC Bayern München, ist die bislang beste Torfrau dieser EM, obwohl sie im Verein oft hinter der Finnin Tinja-Riikka Korpela zurückstehen muss. Einmal, beim 1:1 gegen Frankreich, hat sie eine Ecke verpasst und Amandine Henry köpfte hinter ihr den Ball ins Tor. Aber danach hielt die 1,77 Meter große Torhüterin wieder tadellos wie vorher. Sicher in den Grundtechniken, stark im Mitspielen, teils spektakulär auf der Linie. Ihr gelang im Viertelfinale gegen Spanien (5:3 nach Elfmeterschießen) eine entscheidende Parade.

"Finale kommt nach Halbfinale", sagte sie danach zu den weiteren Zielen des Überfliegers Österreichs. Soll die rot-weiß-rote Märchengeschichte mit dem Halbfinale gegen Deutschlands Bezwinger Dänemark in Breda (Donnerstag, 18 Uhr) weitergehen, braucht es wieder einen Rückhalt. Den hatte sonst kaum einer der Teilnehmer vorzuweisen.

Diese EM zeigt: Die Torfrauen sind in einer Krise. Pleiten, Pech und Pannen reihten sich aneinander, ob Island, Schweiz, Italien oder Holland. Fast alle halten wenig.

Die Torwartleistungen stellen sogar ein Ärgernis dar: Die Liste der Slapstick-Einlagen ist so lang, dass damit eine Unterhaltungssendung über die Fliegenfängerinnen gefüllt werden könnte. Zweimal profitierte auch die deutsche Elf von Aussetzern: Als Italiens Torfrau Laura Giuliani im Gruppenspiel einen harmlosen Freistoß fallen ließ, köpfte Josephine Henning mühelos das 1:0. Und Dänemarks Stina Lykke Petersen lenkte einhändig einen Ball selbst über die Linie. Ein Geschenk, das der DFB-Auswahl im Viertelfinale letztlich nichts nutzte.

Einen folgenreichen Blackout leistete sich auch die Schweizerin Gaëlle Thalmann, als sie gegen Frankreich (1:1) kurz vor Schluss bei einem Freistoß von Camille Abily völlig falsch reagierte. Die Schweizerinnen schieden aus, die deutsche Trainerin Martina Voss-Tecklenburg sprach unverblümt von einem "Scheißtor". Die Holländerin Sari van Veenedaal rettete zwar die Auftakterfolge der Gastgeberinnen gegen Norwegen und Dänemark, wurde einmal sogar "Spielerin des Spiels". Doch im Nachbarschaftsduell gegen Belgien legte sie einen Irrflug ein.