Eigentlich ähnelt die Geschichte der TSG Hoffenheim einem Märchen. Sieben Aufstiege in siebzehn Jahren, der Durchmarsch von der Kreisliga in die Bundesliga, davon träumt jeder Dorfverein. Ein echtes Wunder. Das leider mit, ein kleiner Schönheitsfehler, den großzügigen Zuwendungen des Software-Milliardärs Dietmar Hopp erkauft wurde. Das Märchen aus dem Südwesten entpuppt sich eher als kühle kapitalistische Erzählung mit Update-Funktion.

Vor allem in den ersten Bundesligajahren, zwischen 2008 und 2011, verursachte Hoffenheim bei vielen Fußballfans hohen Blutdruck. Es stand für alles Schlechte im modernen Fußball. Für Großmannssucht, Kommerz, ein Kunstprodukt sei der Verein, echt wie ein Klonschaf. Insbesondere mit dem BVB, der sich als Traditionsverein als Gegenstück zur TSG sah, verband den Verein eine gepflegte Feindschaft. Die Dortmunder Fans, und nicht nur die, schmähten Dietmar Hopp bei jeder Gelegenheit. Einmal nahmen sie ihn auf einem Transparent gar ins Fadenkreuz: "Hasta la vista, Hopp". Ein übereifriger Hoffenheimer Vereinsmitarbeiter versteckte beim Heimspiel gegen den BVB 2011 einen Lautsprecher unter dem BVB-Block, der Störgeräusche sendete, um die Anti-Hopp-Gesänge der Dortmunder zu übertönen. Die BVB-Fans revanchierten sich mit dem Banner: "Dietmar Hopp, Sohn einer Hupe".

Der Frust der Fans war verständlich. Dietmar Hopp führte die damals noch in Stein gemeißelte 50+1-Regel als Erster ad absurdum. Der Vorwurf, der Club nehme auf streng genommen illegale Weise einem anderen Verein mit Tradition und Fans, der aber eben nicht mit einem Milliardär gesegnet ist, einen Platz im Profifußball weg, hatte seine Berechtigung. Dass Dietmar Hopp recht weinerlich auf die Angriffe reagierte und überhaupt stets distinguiert auftrat, als käme er direkt von seinem Golfplatz (was wahrscheinlich auch stimmte), trug nicht zur Deeskalation bei.

RB Leipzig ist noch böser

Und heute? Wenn Hoffenheim am Mittwoch in Liverpool um die Qualifikation zur Champions League spielt (Hinspiel 1:2), dürften sich nicht wenige deutsche Fans in den Kneipen und an den Stammtischen dabei ertappt fühlen, den Kraichgauern die Daumen zu drücken. Der Club wird noch immer nicht geliebt, gehört mittlerweile aber dazu. Vielen ist er nur noch egal, einige finden ihn sogar ganz nett.

Das hat vor allem mit RB Leipzig zu tun. Die sind noch böser. Gegenüber dem rücksichtslosen und dreisten Größenwahn aus Fuschl am See wirkt das Hoffenheimer Modell fast demütig. Und: Hopp hat sein Geld wenigstens noch mit Software gemacht. Also einem Produkt, das die Menschheit zumindest mutmaßlich voranbringt, was man bei der Plörre von Didi Mateschitz nun wirklich nicht behaupten kann.

Unter den härtesten Fans ist Hoffenheim noch immer verpönt, daran ändert auch Leipzig nichts. Nach dem Motto: Nur weil nebendran noch ein größerer Misthaufen liegt, hat der kleine nicht aufgehört zu stinken. Aber Leipzig zieht die Aufmerksamkeit und Ablehnung der meisten Normalofans auf sich, da bleibt kaum noch Ärger und Hass übrig.