Der FC Bayern München hat sich von Trainer Carlo Ancelotti getrennt. Der Verein bestätigte am Nachmittag entsprechende Berichte von Sport Bild und Sky News. Demnach wurde auch das italienische Betreuerteam von Ancelotti freigestellt. Die Trainingsleitung übernehme Co-Trainer Willy Sagnol, teilte der FC Bayern mit. Der 40-jährige Sagnol werde am Sonntag beim Spiel gegen Hertha BSC Berlin auf der Bank sitzen. Der Sportsender ESPN hatte zuvor berichtet, Ancelotti habe dem deutschen Fußball-Rekordmeister seinen Rücktritt angeboten.

In einer Mitteilung des Vereins wird Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern München, zitiert: "Die Leistungen unserer Mannschaft seit Saisonbeginn entsprachen nicht den Erwartungen, die wir an sie stellen." Das Champions-League-Spiel in Paris habe "deutlich gezeigt, dass wir Konsequenzen ziehen mussten. Das haben Hasan Salihamidžić und ich Carlo heute in einem offenen und seriösen Gespräch erklärt und ihm unsere Entscheidung mitgeteilt", hieß es in der Mitteilung weiter.

Rummenigge dankte Ancelotti: "Ich darf mich bei Carlo für die Zusammenarbeit bedanken und bedauere die Entwicklung, die sie genommen hat. Carlo ist mein Freund und wird es bleiben, aber wir mussten hier eine professionelle Entscheidung im Sinne des FC Bayern treffen." Er erwarte jetzt von der Mannschaft eine positive Entwicklung und absoluten Leistungswillen.

Konsequenzen in Klartextform

Am Vorabend hatten die Münchner mit 0:3 gegen Paris Saint-Germain verloren. Ancelotti bot eine ungewöhnliche Startelf auf, ließ Mats Hummels, Franck Ribéry, Arjen Robben und Jérôme Boateng auf der Bank. Schon in der zweiten Minute kassierten die Bayern das 0:1. Auch den Rest des Abends hatten sie gegen das Team um den Brasilianer Neymar keine Chance.

Rummenigge sprach am Abend in Paris von einer "ganz bitteren Niederlage, über die es zu sprechen gilt, die es zu analysieren gilt und aus der wir auch in Klartextform Konsequenzen ziehen müssen".  

Mit der Freistellung Ancelottis zog der Verein die Konsequenzen aus der Niederlage in der Champions League, aber auch einem unbefriedigenden Bundesliga-Start. Nach sechs Spieltagen steht der FC Bayern München in der Bundesliga auf Rang drei, hinter der TSG Hoffenheim und Borussia Dortmund.

Ancelotti hatte das Traineramt vor der Saison 2016/17 von Pep Guardiola übernommen. Mit dem 58-jährigen Italiener holte der FC Bayern die deutsche Meisterschaft. Im DFB-Pokal scheiterten die Münchner hingegen im Halbfinale an Borussia Dortmund, in der Champions League im Viertelfinale am späteren Sieger Real Madrid.

Die Münchner kennen Sagnol

Der neue Trainer Sagnol kam im Sommer auf ausdrücklichen Wunsch Ancelottis nach München. Als er damals den Posten im Trainerteam annahm, sagte der Franzose: "Dass Carlo Ancelotti, einer der besten und erfahrensten Trainer des Weltfußballs, sich für mich entschieden hat, ist eine große Ehre für mich."

Der ehemalige Rechtsverteidiger Sagnol betreute von 2013 bis 2014 die U21-Auswahl Frankreichs. Von 2014 bis 2016 war er Coach des französischen Erstligisten Girondins Bordeaux. Sagnol arbeitete auch als TV-Experte, Scout bei den Bayern und machte im Rahmen seiner Uefa-Trainer-Ausbildung auch Stippvisiten in München.

Als Aktiver war der 63-malige Nationalspieler im Sommer 2000 von der AS Monaco nach München gewechselt. 2001 zählte er zur Mannschaft, die in Mailand die Champions League gewann. Fünfmal holte Sagnol die deutsche Meisterschaft, viermal den DFB-Pokal.