Daniel Vollbrecht hat im Jugendfußball einiges erlebt, diesen Auftritt eines 12-Jährigen wird der Leiter der Fußballabteilung des Bovender SV bei Göttingen aber nie vergessen. Als damaliger Jugendwart wollte er den Spieler Jean-Manuel Mbom und seine Mutter überzeugen, nicht zum größeren JFV Göttingen zu wechseln.

"Wir legten uns richtig ins Zeug, ließen einen Eisbecher nach dem anderen auffahren", erinnert sich Vollbrecht. "Manuel sagte während des Gesprächs so gut wie gar nichts. Als wir abschließend fragten, wie er den netten Nachmittag in seiner Lieblingseisdiele fand, sagte er: 'Vielen Dank für das Eis und Eure Mühe. Aber da ich Fußballprofi werden möchte, muss ich den Verein wechseln.'" Der kleine Fußballer stand auf und verabschiedete sich freundlich.

Gut fünf Jahre später sitzt Mbom im Nachwuchsleistungszentrum von Werder Bremen im Weserstadion und erinnert sich an diese Zeit. "Die anderen hatten auch Spaß, aber ich war vielleicht schon ernsthafter dabei und habe versucht, in jedem Training besser zu werden und immer zu gewinnen."

Wenn er aus seinem Internatszimmer eine Etage höher aus dem Fenster guckt, sieht er um diese Uhrzeit am späten Nachmittag seine Mannschaftskollegen zum Training gehen. Ohne ihn, der nach Adduktorenbeschwerden noch nicht wieder mit der Mannschaft trainieren kann und die U17-Europameisterschaft sowie die Endspiele um die deutsche U17-Meisterschaft verpasst hat.

Er war beim Finale in München, hat auch von draußen alles gegeben, damit der Weg, den er als Kopf der Mannschaft erkämpft hat, gekrönt wird. Vergeblich, 0:2 verlor das Team gegen Bayern München. "Trotzdem war es meine bisher beste Saison", sagt er. Eine Saison, für die er trotz verpasster Höhepunkte am Montag vom DFB mit der Fritz-Walter-Medaille in Silber als zweitbester U17-Spieler des Jahres ausgezeichnet worden ist.

Jann-Fiete Arp im Trikot der U17-Nationalmannschaft © Filipe Farinha/Getty Images

Schaut man sich an, wer bei der Preisvergabe in der B-Jugend die Nase vorn hat, scheint sich die Befürchtung mancher Experten, das stark selektierende, deutsche Nachwuchssystem würde nur noch stromlinienförmige Anpasser in den Profibereich entlassen, nicht zu bewahrheiten. Wie Mbom hat auch der Gewinner der goldenen Medaille im 2000er Jahrgang, der HSV-Spieler Jann-Fiete Arp, alle Stufen des Auswahl- und Fördersystems des DFB durchlaufen. Und wie bei Mbom heben auch Arps Wegbegleiter besonders seine mentalen, charakterlichen Eigenschaften hervor.

Ihre Mentalität zeichnet sie aus

Der HSV-U21-Trainer Christian Titz, der Arp vorige Saison in der U17 trainierte, schwärmt davon, wie oft sein Schützling gekommen ist, um individuell zu trainieren, etwa seine Ballmitnahme und das Verhalten in der Abwehrkette. Oder er ließ sich vom Videoanalysten zeigen, wie er eine Situation besser lösen kann. "Wenn man nach oben durchkommen will, braucht man diesen absoluten Willen", sagt Titz. Den habe Fiete – in Kombination mit der Qualität, eine Mannschaft zu führen. Und Mbom zeichnet laut Björn Schierenbeck, dem Leiter des Werder-Nachwuchszentrums, neben der Zielstrebigkeit besonders seine gute Balance zwischen Verantwortung und Egoismus aus.

Der DFB ehrt zwei Spielertypen, an denen es nach eigener Analyse in Deutschland mangelt. Jahrelang lag der Schwerpunkt der Ausbildung auf Technik und Passspiel – ein Weg, der mit dem Gewinn der WM 2014 gekrönt wurde. Aber heute sind Nationen wie Spanien und Portugal laut Meikel Schönweitz im Bezug auf Mentalität und Durchsetzungsfähigkeit weiter. "Das sieht man am Selbstverständnis, mit dem sie in 1:1-Situationen gehen", sagt der U19-Bundestrainer. Mbom und Arp können mithalten und als Leader dieses Selbstbewusstsein auch anderen vermitteln.