Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hat Katar für die Arbeitsbedingungen der ausländischen Bauarbeiter im Land kritisiert. Die Aktivisten warfen den Behörden in einem Bericht "vorsätzliche Verantwortungslosigkeit" vor und forderten dazu auf, umgehend Gesetze zum Schutz der Bauarbeiter zu erlassen.

In Katar gibt es laut HRW etwa zwei Millionen Arbeitsmigranten, 800.000 von ihnen arbeiten demnach im Bausektor. Davon seien wiederum etwa 12.000 auf Baustellen für die Fußball-Weltmeisterschaft tätig, die Katar im Jahr 2022 ausrichten wird

Für die Bauarbeiter auf WM-Baustellen seien Fortschritte beim Arbeitsschutz eingeleitet worden, hieß es von HRW, etwa beim Verhältnis von Arbeitszeit und Pausen. Allerdings profitierten davon bloß 1,5 Prozent aller Bauarbeiter in Katar.

Bei den meisten Arbeitern versagten die Behörden hingegen, für einen Mindestschutz vor Hitze zu sorgen. Aus Klimadaten gehe hervor, dass es während erlaubter Arbeitszeiten zu derart hohen Temperaturen komme, dass tödliche Krankheiten bei einer Tätigkeit im Freien ausgelöst werden können. Die Arbeitszeiten müssten daher an die Temperaturen auf den Baustellen angepasst werden, forderten die Menschenrechtler. 

"Sklavenhafte Bedingungen" auf WM-Baustellen

Außerdem weigerten die Behörden sich, so HRW, die bisherigen Todesfälle unter den Arbeitern zu untersuchen und die Todeszahlen überhaupt zu veröffentlichen. Im Bericht wird konstatiert, dass Gesundheitsbehörden für das Jahr 2012 insgesamt 520 Todesfälle von Arbeitern aus Bangladesch, Indien und Nepal gemeldet hätten. 385 Menschen seien aus ungeklärten Gründen gestorben. Der Verfasser des HRW-Berichts, Nicholas McGeehan, sagte: "Sie sollen Antworten auf zwei einfache Fragen verlangen: Wie viele Arbeiter sind seit 2012 gestorben und woran?"

Die Vergabe der Fußballweltmeisterschaft 2022 an den reichen Öl- und Wüstenstaat Katar ist umstritten, zum einen wegen der unmenschlichen Arbeitsbedingungen auf den WM-Baustellen. Der katholische Sportbischof Jörg Michael Peters hatte von fast "sklavenhaften Bedingungen" auf den Baustellen gesprochen. Die Hitze ist auch ein Problem für die Fußballer, weswegen die WM-Spiele erstmals im Winter ausgetragen werden.