Wer spielte wie gegen wen?

Paris St. Germain – Bayern München 3:0

Borussia Dortmund – Real Madrid 1:3

Beşiktaş Istanbul – RB Leipzig 2:0


Was machte der Meister?

Der kriegte eins "in die Fresse", drei, um genau zu sein. Vor allem die Abwehr der Bayern war den schnellen wie teuren Pariser Stürmern nicht gewachsen. Vor dem ersten Tor ließ Neymar Joshua Kimmich sehr jung aussehen. Vor dem zweiten verlor Niklas Süle gegen Kylian Mbappé die Orientierung. Vor dem dritten schickte der junge Franzose David Alaba zu Boden. Und Sven Ulreich ist nun einmal kein Tormann, der einen Unhaltbaren hält. Mit ein bisschen mehr Zielstrebigkeit hätten die Pariser noch mehr Konter zu Toren verarbeiten können.

Bayern hätte auch treffen können. 18 Ecken, mehr als 60 Prozent Ballbesitz, doch den Angriffen fehlte die Präzision. Robert Lewandowski sah man nur bei einem Kopfball und bei einem Versuch, einen Elfer rauszuholen. Ein Tor von Arturo Vidal wurde zudem wegen eines Millimeter-Abseits aberkannt. Doch insgesamt unterstrichen die Bayern den Eindruck, dass in der Champions League nicht viel geht. Zumal Paris nicht fehlerfrei spielte: fast ohne Mittelfeld, mit teilweise absurdem Risiko im Aufbau, manchmal Dribblings und Kombinationen im eigenen Strafraum. Paris verließ sich auf seine Individualisten.

Friedrich Küppersbusch nannte die Bayern einmal die "CSU mit Stutzen". Sie sind jedenfalls zurzeit in ähnlichem Zustand wie ihre Partei. Der Gruppensieg ist wohl futsch, es gibt wieder Klatschen. Und Carlo Ancelotti, der Mats Hummels und Franck Ribéry draußen ließ und Arjen Robben erst nach dem 3:0 einwechselte, erinnert immer mehr an Horst Seehofer.

Was machte der Tabellenführer?

Auch der BVB war im Prinzip chancenlos, Real Madrid war auf allen Positionen überlegen. Nach spätestens zehn Minuten war zu erkennen, wer gewinnen würde. Dabei war es ganz nett, was Borussia in manchen Angriffen zeigte. Sie hätte zudem einen Handelfmeter zugesprochen bekommen können. Sergio Ramos schaufelte den Ball mit dem Arm weg. Aber es war nicht ganz klar, ob wirklich Absicht vorlag.

Real kam stets leicht in den Dortmunder Strafraum, denn der BVB trat naiv offensiv auf. Außerdem waren die Abwehrspieler nicht immer auf der Höhe. Jeremy Toljan verteidigte in mancher Szene nach vorn, doch der Ball ging nach hinten. Ömer Toprak ist Weltklassestürmern schlicht unterlegen – Cristiano Ronaldo etwa, der zwei Tore erzielte. Oder Gareth Bale, dem mit einem Zisch ins Netz der spektakulärste Moment des Abends, wenn nicht sogar des ganzen Spieltags gelang. Zudem gefielen das Uhrwerk Toni Kroos und der wie immer zauberhafte Luka Modrić. Real Madrid ist ein Gemälde. Und der BVB sollte nun die drei nächsten Spiele gewinnen, wenn er eine Runde weiter kommen will.

Was machte der Emporkömmling?

RB Leipzig bekam auf die Ohren. Eigentlich dachte man, Timo Werner wäre Pfiffe gewohnt. Er wird oft ausgebuht und hat ja auch schon in total verrückten Stadien wie Wolfsburg bestanden. Doch in Istanbul erlitt er Kreislaufprobleme und Schwindelgefühle. Angeblich, weil die Fans zu laut waren. Auch Ohrstöpsel halfen nicht, er musste ausgewechselt werden. Kann man fast kaum glauben.

Leipzigs Trainer Ralph Hasenhüttl nahm sich nach dem Spiel einen anderen Spieler vor: Naby Keïta. "Naby war nicht gut, er war nicht da. Dementsprechend war es kein guter Zug, ihn hier herzubringen." Faust! Leipzigs technisch bester Fußballer verlor oft den Ball und hätte erneut Rot sehen können. In der zweiten Halbzeit wurde er ausgewechselt. Dann vergaben die Leipziger ein paar Chancen, doch der Sieg der Türken war verdient, weil RB in der ersten Halbzeit nicht mithalten konnte. Das Team bleibt sieglos, die schwache deutsche Europapokalsaison setzt sich fort.

Nach Istanbul reisten nur 250 Fans aus Deutschland. Wie viele mitkommen wollten, weiß man nicht, doch einige blieben aus Angst vor willkürlichen Verhaftungen durch die türkische Polizei in Sachsen. Fußball kann Städte, Länder, Menschen einen, doch auch dieser Sport leidet unter den Beeinträchtigungen des paranoiden Erdoğan.