Mit dieser Meinung steht der Anführer der Ultras jedoch allein da. Der italienische EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani sagte am Dienstag in Straßburg: "Ich komme nicht umhin, das nachdrücklich zu verurteilen, was in Rom geschehen ist, wo eine Gruppe von Hooligans ein Bild von Anne Frank verwendet hat, um Anhänger eines anderen Sportteams zu verunglimpfen." Das Anne-Frank-Haus in Amsterdam teilte auf Nachfrage der italienischen Nachrichtenagentur Ansa mit, dass man "schockiert über diesen Ausdruck von Antisemitismus" sei. Ruth Dureghello, die Präsidentin der jüdischen Gemeinde in Rom, twitterte: "Raus mit den Antisemiten aus den Stadien."

Dass der Antisemitismus und die faschistischen Bekundungen in naher Zukunft deshalb aus dem Stadio Olimpico verschwinden, ist jedoch nicht mehr als ein frommer Wunsch. Die Tickets sind für jedes Serie-A-Spiel personalisiert, an den Eingängen wird aufwändig kontrolliert und die Polizei observiert manche Ultras durchgehend. Genutzt hat es wenig. Den Verantwortlichen in Italiens Fußballgremien bleibt als Antwort auf faschistische Bekundungen lediglich das gleiche Instrument, das auch die Ultras nutzen: Symbolik. Sie wollen den rechten Fans zeigen, dass sie die Außenseiter im eigenen Stadion sind und nicht religiöse oder ethnische Minderheiten.

Wie ernst meint es der Präsident?

Lazio-Präsident Claudio Lotito besuchte am Dienstag demonstrativ eine Synagoge und legte einen Kranz nieder. Einen Tag später wurden die Blumen im Tiber gefunden, Unbekannte hatten sie entwendet. Lotito will nun jährlich mit 200 jugendlichen Fans Auschwitz besuchen, denn es müsse sichergestellt werden, dass "bestimmte Kapitel nicht vergessen werden. Damit sie kapieren, worum es hier eigentlich geht", sagte er.

Obwohl Lotito ein alles andere als gutes Verhältnis zu den Irriducibili genießt und schon Morddrohungen der eigenen Ultras ausgesetzt war, wirken seine Bemühungen für viele scheinheilig. Laut der römischen Zeitung Il Messaggero soll der Reinigungsunternehmer seinen Besuch eine "notwendige Inszenierung" genannt haben. Und schon in seinen Anfangsjahren als Lazio-Präsident hat Lotito seinen Stürmer Paolo Di Canio immer wieder aus der öffentlichen Schusslinie genommen. Der bei den Ultras beliebte Di Canio war als Jugendlicher selbst ein Irriducibile und nie darum verlegen, sich auch als Profi mit den Ultras und deren Gedankengut offen zu solidarisieren.

Der rechte Arm

Auf dem Arm hat der ehemalige Lazio-Kapitän di Canio sich das lateinische Wort Dux tätowiert, übersetzt bedeutet es "Führer". Damit war niemand geringerer als Italiens ehemaliger Diktator und Hitler-Verbündeter Benito Mussolini gemeint. Nicht wenige Tore bejubelte Di Canio mit der eindeutigen Pose des ausgestreckten rechten Arms, etwa als er im Januar 2005 im Stadtderby gegen den AS Rom traf. 

Sowohl Di Canio als auch Lotito dementierten damals, dass es sich um einen Hitler-Gruß gehandelt habe. In Begleitung seines Präsidenten hob Di Canio in der anschließenden Pressekonferenz abermals seinen rechten Arm und fügte an: "Der Gruß kommt aus dem alten Rom. Und auf das alte Rom bin ich stolz."