Saudi-Arabien gewährt Frauen in Begleitung ihrer Familien ab dem kommenden Jahr Zugang zu landesweit drei Sportstadien. Die Stadien in der Hauptstadt Riad sowie in Dschidda im Westen und Dammam im Osten sollen ab Anfang 2018 auch Familien empfangen, wie die Sportbehörde auf Twitter ankündigte. Bislang war Frauen in dem streng konservativen Königreich das Betreten von Stadien verboten.

Hintergrund der Entscheidung sei, den saudischen Sportsektor zu stärken. Die Nachrichtenseite Arab News berichtet zudem, dass die saudi-arabische Unternehmerin und Prinzessin Reema bint Bandar al-Saud diesen Monat zur Präsidentin des Verbands für Gemeinschaftssport ernannt wurde. Das Wirtschaftsmagazin Forbes zählte sie 2014 zu den 200 einflussreichsten arabischen Frauen.

Eine Ausnahme für den Besuch von Sportstadien wurde im vergangenen Monat gemacht, als Hunderte Frauen zum ersten Mal Zutritt zu einem Stadion in Riad erhielten, wo sie in einer Familiensektion die Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag verfolgen konnten.  

Kronprinz will Wirtschaft und Gesellschaft öffnen

In dem wahhabitischen Königreich unterliegen Frauen zahlreichen Beschränkungen: Noch immer muss ein männlicher Vormund – meistens der Vater, Ehemann oder Bruder – erlauben, dass eine Frau etwa studieren oder reisen darf.

Ende September hatte König Salman zudem das Fahrverbot für Frauen aufgehoben. Sie sollen ab Juni kommenden Jahres am Steuer sitzen dürfen. Die angekündigten Lockerungen der vielen Einschränkungen für Saudi-Araberinnen sind Teil eines großen Reformprojektes: Im Rahmen von Vision 2030 will Riad seine Wirtschaft und Gesellschaft umfassend modernisieren. 

Der 32-jährige Kronprinz Mohammed bin Salman gilt als Treiber der gesellschaftlichen Öffnung. Er will die absolutistische Monarchie, in der mehr als die Hälfte der Einwohner jünger als 25 sind, auf die Zeit vorbereiten, in der die Öleinnahmen nicht mehr so fließen wie bisher.

Im Juli erlaubte das Bildungsministerium die Teilnahme von Mädchen am Sportunterricht staatlicher Schulen. Bei den Kommunalwahlen im Dezember 2015 durften Frauen zudem erstmals ihre Stimme abgeben und kandidieren