Ziemlich sicher wird es wieder Ronaldo. Wenn nicht eben Messi. Oder Neymar. Eigentlich egal, wer am Montagabend in London zum Weltfußballer gekürt wird, Superstars sind sie alle, reich bis zum Abwinken, und: Alle haben Probleme mit der Steuer. Messi und Neymar wurden schon verurteilt, Ronaldo droht der Prozess. Bei so viel grundsympathischem gesellschaftlichem Verantwortungsbewusstsein kann man sich ja kaum entscheiden, wem man den Titel am wenigsten gönnt. Wir haben daher ein paar andere Vorschläge. Fußballer, die vielleicht nicht ganz so kunstvoll gegen den Ball treten, aber dafür in diesem Jahr einen Unterschied machten. Neben dem Platz. Denn in Zeiten, in denen Intoleranz, Dumpfheit und, ja, auch Hass wieder steigen, machen Sportler mit Herz und Hirn den Unterschied.

Reflektiert: Juan Mata © Clive Brunskill/Getty Images

Juan Mata

Juan Mata ist zunächst einmal ein großartiger Fußballer. Das muss er auch sein, sonst würde er nicht bei Manchester United spielen. Mata ist Welt- und Europameister, gewann die Champions League. Er ist flink und leicht und hat ein famoses Gefühl für die Räume, die ein Spiel bietet. Ein schlauer Spieler, nicht nur auf dem Platz. "Es ist, als lebten wir in einer Blase", sagte der Spanier im vorigen Jahr im spanischen Fernsehen. "Das reale Leben ist das meiner Freunde, die studieren mussten, oder arbeitslos sind. Das Leben eines Fußballers ist nicht real." 99,9 Prozent der Spielergehälter seien ein Irrwitz. Doch Mata reflektiert nicht nur, er tut etwas und gründete zusammen mit dem Fußballentwicklungshelfer Jürgen Griesbeck Common Goal. Das Projekt, für das Profifußballer ein Prozent ihres Gehaltes spenden sollen, setzt sich für fußballerische Entwicklungsprojekte ein. Mittlerweile haben sich Mats Hummels, Dennis Aogo, Serge Gnabry und Julian Nagelsmann angeschlossen. Und es werden mehr.

Dennis Diekmeier

Es ist einfach, über Dennis Diekmeier zu lachen, aber das wäre nicht nur billig, sondern auch dumm. Diekmeier spielt zwar beim HSV, dem Verein, der in den vergangenen Jahren so viel Häme einstecken musste wie kein anderer. Aber sein eigenes Schicksal erträgt er tapfer, stolz und edelmütig. Diekmeier hält nämlich den Torlos-Rekord der Bundesliga. In 190 Bundesliga-Spielen für Hamburg und Nürnberg traf er kein einziges Mal. Nun sind Tore zwar das Ziel des Spiels und Diekmeier versucht auch immer wieder, sich wie ein norddeutscher Sisyphos dem Kasten zu nähern. Seine vordringlichste Aufgabe als Außenverteidiger ist es aber, Tore zu verhindern. Und das tut er zumindest so gut, dass es eben zu schon 190 Bundesliga-Spielen gereicht hat. Das kann nicht jeder von sich behaupten. Egal, wen der HSV wieder dazukauft, am Ende spielt meist wieder Diekmeier. Und wenn er dann wirklich irgendwann mal treffen sollte, passiert sicherlich so etwas hier.

Anthony Hernandez

Es ist nicht einfach, aus der Ferne ausreichend Informationen über Anthony Hernandez zusammenzubekommen. Deshalb nur so viel: Er ist 22 Jahre alt, Mittelfeldspieler und läuft für einen Verein namens Lincoln Red Imps FC auf. Vor allem aber ist er Gibraltarer. Gibraltar steht derzeit gleichauf mit Anguilla, den Bahamas, Eritrea, Somalia und Tonga auf dem letzten Platz der Fifa-Weltrangliste. In der Qualifikationsgruppe zur Fußball-WM verlor Gibraltar alle zehn Spiele, hat überhaupt noch nie einen Punkt geholt. In diesem Jahr aber gelang immerhin ein Treffer. Und diesen machte Anthony Hernandez. Kein Stochertor übrigens. Sondern ein gefühlvoller, überlegter Ball in die lange Ecke. Es war das 1:1 gegen Zypern, das allerdings in der 86. Minute den 2:1-Siegtreffer erzielte.