Trotz mehrerer strittiger Entscheidungen und Kritik will der Deutsche Fußball-Bund (DFB) die Testphase des Videobeweises fortsetzen. Allerdings mit einigen Veränderungen. In Zukunft werde es pro Spiel zwei statt bisher nur einen Video-Assistenten geben, die beide ins Spiel eingreifen dürfen, sagte der neue Projektleiter Lutz Michael Fröhlich der Bild-Zeitung in einem Interview. "Einer, der sich strittige Szenen ansieht, und einer, der den weiteren Spielverlauf im Auge hält, während der erste eine strittige Szene checkt."

Trotz einiger Probleme glaubt der 60-Jährige, der am vergangenen Montag den entmachteten Ex-Referee Hellmut Krug als Projektleiter abgelöst hatte, nicht an ein vorzeitiges Ende der Testphase in der Winterpause. "Ich bin überzeugt, dass es nicht so kommen wird", sagte Fröhlich. Der Videobeweis sei aus seiner Sicht noch zu retten. "Es gibt Probleme, aber er ist sicher nicht gescheitert. Jetzt liegt es an allen – Schiedsrichter, Vereine, Fans und Medien –, ihn nach vorne zu bringen", so Fröhlich. Der DFB hatte das Verfahren, in dem strittige Entscheidungen von einem Video-Assistenten korrigiert werden können, in dieser Saison testweise eingeführt.

Unterstützung erhielt er von DFL-Chef Christian Seifert. "Der Video-Assistent ist eine gute Idee und die richtige Innovation für die Bundesliga. Der Fußball wird dadurch nicht zu 100 Prozent gerecht – aber gerechter als vorher", sagte Seifert in einem Interview der Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Auch Bundestrainer Joachim Löw sprach sich dafür aus, dem technischen Hilfsmittel weiter eine Chance zu geben. "Ich bin ein absoluter Befürworter. Wir sind noch in der Probierphase. Es dauert manchmal ein bisschen lange, manchmal wird eingegriffen, wo es gar nicht notwendig ist. Aber bei ganz, ganz wichtigen Entscheidungen, rote Karte ja oder nein, Elfmeter ja oder nein, Tor ja oder nein, finde ich es gut. Dann macht er den Fußball gerechter", sagte Löw.

Strittige Szenen sollen im Stadion gezeigt werden

Um für mehr Transparenz zu sorgen, erwägt der DFB, strittige Szenen künftig auf den Videoleinwänden in den Stadien zu zeigen. Dies bestätigte DFB-Präsident Reinhard Grindel am Rande einer Fanveranstaltung in Hannover. "Wir Schiedsrichter sind dafür offen, sehen Vor- und Nachteile", sagte Fröhlich. Die Bundesligavereine hatten sich vor der Saison dagegen ausgesprochen.

Der für das Schiedsrichterwesen zuständige DFB-Vizepräsident Ronny Zimmermann brachte einen weiteren Vorschlag ein: Ein sogenanntes Challenge-System. Damit hätten die Trainer pro Halbzeit eine begrenzte Zahl von Möglichkeiten, den Videobeweis zu fordern. Dieses Verfahren erlaubt derzeit aber der Weltverband Fifa nicht. "Vielleicht muss eine andere Lösung gefunden werden, wie man den Zuschauern im Stadion die Entscheidungswege präsentiert", sagte Zimmermann der Sport Bild.

Der DFB plant nun in Abstimmung mit der DFL ein zeitnahes Treffen mit den Bundesliga-Managern. "Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, innezuhalten und vieles zurück auf den Anfang zu stellen. Die ursprüngliche Idee des Video-Assistenten war ja, glasklare Fehler zu korrigieren", forderte Seifert. Denn die Zeit wird langsam knapp: Im März 2018 befindet das Fifa-Regelboard Ifab über eine weltweite Einführung des Videobeweises.